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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Zeigen Sie Rückgrat

Effektives Training für einen starken Rücken.

»Schatz, bring mir doch mal ’ne Flasche Bier!«, schallt es aus dem Wohnzimmer. »Hol’s Dir doch selbst, Faulpelz!«, kommt es prompt zurück. Schade für den Faulpelz, aber gut für den Rücken. Denn langes Sitzen ohne ausreichende Bewegung ist einer der Hauptgründe für das »Volksleiden Kreuzschmerz«.

Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Erkrankungen. Fast jeder von uns wird irgendwann im Laufe seines Lebens vorübergehend oder länger anhaltend davon heimgesucht, Millionen leiden sogar dauerhaft unter Schmerzen. Neben Operationen, Unfällen, Knochenbrüchen und ähnlichem ist meist einfache Bewegungsarmut der Auslöser. Wenn wir uns nicht ausreichend bewegen, verkümmert die Muskulatur und die Bandscheiben werden arg in Mitleidenschaft gezogen.

Betroffen sind alle Altergruppen, am häufigsten jedoch die Gruppe zwischen 30 und 65 Jahren, so dass rund ein Viertel aller Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsrenten auf Rückenleiden beruhen. Um die Leiden der Betroffenen zu lindern und krankhafte Veränderungen der Wirbelsäule gar nicht erst entstehen zu lassen, haben schwedische Ärzte schon vor Jahren die so genannten »Rückenschulen« entwickelt.

Unterricht für den Rücken

Das Konzept ist so erfolgreich, dass es auch in Deutschland immer weitere Verbreitung findet. Die Kursteilnehmer lernen die Zusammenhänge ihres Körpers besser kennen und erlernen sinnvolle, schonende und kräftigende Verhaltensweisen. Wenn auch Sie gerne einen Kurs besuchen möchten, fragen Sie am besten direkt bei Ihrer Krankenkasse nach. In der Regel wird einmal jährlich ein Großteil der Kosten im Rahmen einer Präventionsmaßnahme übernommen.

Aktivität fördert die Rückengesundheit. Wichtig ist eine gute Balance zwischen Muskelkraft und Gelenkigkeit, beides unerlässlich für einen starken Rücken. Statt einer dauerhaft starren Körperhaltung sollten Sie sich um viel Dynamik bemühen, beim Sitzen genauso wie bei anderen Aktivitäten. So verbessert sich die Versorgung der Bandscheiben mit Nährstoffen beträchtlich. Körperliche Anstrengung ist gut und nicht von vornherein schädlich – vorausgesetzt, Sie tun es rückenfreundlich. Wichtig für einen starken Rücken ist auch das Gleichgewicht von Körper, Seele und Geist: Ausgeglichenheit und innere Zufriedenheit sind der beste Schutz vor Rückenschmerzen!

Die Wirbelsäule hat zwei entscheidende Aufgaben: Stabilität und Beweglichkeit. Eine geniale Konstruktion aus Gelenken, Bandscheiben, Bändern und Muskeln sorgt dafür, Erschütterungen aufzufangen und gleichzeitig den ganzen Körper zu halten und zu stützen. Als eine Art Stoßdämpfer in der Wirbelsäule sitzen die Bandscheiben zwischen den knöchernen Wirbelkörpern. Durch ihre besondere Elastizität fangen sie selbst hohe Belastungen optimal ab. Manche Verhaltensweisen mögen sie jedoch überhaupt nicht. Dazu gehört zum Beispiel das ständige Laufen auf hohen Absätzen mit Hohlkreuz – eine Qual für den Rücken.

Nur eine straffe Bauch- und Rückenmuskulatur gibt der Wirbelsäule den notwendigen Halt. Daher gehört ein gezielter Muskelaufbau zu den Grundprinzipien der Rückenschule. Kräftigendes Muskeltraining ist bis ins hohe Alter möglich, sollte jedoch kontinuierlich erfolgen, da wenig genutzte Muskeln schon nach kurzer Zeit ihre Kraft verlieren. Zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche sind optimal für einen starken Rücken.

Kleine Veränderungen, große Wirkung

Mit einigen Tipps können Sie viel tun, um gut durch den Alltag zu kommen. Vor allem das stundenlange Stillsitzen vor dem Computerbildschirm ist Stress für den Körper. Dies zieht  die Augen und die Wirbelsäule in Mitleidenschaft, so dass es schnell zu Verspannungen und Verkrampfungen im Nacken- und Schulterbereich sowie zu Kopf- und Rückenschmerzen kommen kann. Ideal ist ein regelmäßiger Wechsel von sitzen, stehen und gehen. Wenigstens fünf bis zehn Minuten pro Stunde sollten Sie Bildschirmpausen einlegen – und dies tatsächlich regelmäßig. Ansparen für später gilt nicht!

Auch die Wahl der richtigen Matratze trägt entscheidend zu einem gesunden Rücken bei. Achten Sie darauf, dass die Unterlage sich dem Rücken optimal anpasst, aber nicht so weich ist, dass Sie stark einsinken. Rost und Matratze müssen zusammenpassen: je weicher der Rost, desto härter die Matratze. Bei vielen alltäglichen Verrichtungen im Haushalt lässt sich mit kleinen Veränderungen viel erreichen. Um einen krummen Rücken bei der Hausarbeit zu vermeiden, sollten Sie zum Beispiel die Arbeitsplatte an Ihre Körpergröße anpassen oder auch mal Fußbänke verwenden.     

jp

Info:
Ergonomisch sitzen
Der ideale Bürostuhl sollte in allen Elementen verstellbar und beweglich sein, damit man ihn der eigenen  Körpergröße entsprechend individuell anpassen kann und während des Sitzens dynamisch bleibt. Armstützen knapp unter der Höhe der Tastatur ermöglichen ein bequemes Schreiben. Eine leicht nach vorne geneigte Sitzfläche erleichtert das gerade Sitzen. Oberschenkel und Waden sollten beim Sitzen einen rechten Winkel bilden, wenn die Füße flach auf den Boden gestellt sind.

Info 2:
Adressen
Für weitere Informationen zur Prävention und Behandlung von Rückenleiden können Sie sich an Ihre Krankenkasse wenden, die vielfältige Angebote fördert und gute Tipps gibt. Weitere Ansprechpartner:
Konföderation der deutschen Rückenschulen, Postfach 1124, 30011 Hannover, Tel. (0511) 3 50 27 30,  www.kddr.de
Deutsche Schmerzhilfe e.V., Sietwende 20, 21720 Grünendeich, Tel. (04142) 81 04 34,  www.schmerzhilfe.org
Wirbelsäulenliga e.V., Widenmayerstr. 29, 80538 München, Tel. (089) 21 09 6 66,www.wirbelsaeulenliga.de

Ein gesunder Rücken ist gelegentliche Trainings-Einheiten allemal wert.
Beim Schlafen auf einer geeigneten Matratze können sich Seele und Rücken gut erholen.
Uwe Rückert »Rückerts kleine Rückenschule« Humboldt Verlag, ISBN 978-3-86910-210-5, 9,90 €
Fotos: Shutterstock (5)