Artikel dieser Ausgabe aus Wellness & Gesundheit
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Wenn der Körper überreagiert
Bis zu 25 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter den Symptomen einer Allergie.
Sicherlich kommt vielen von Ihnen diese Situation bekannt vor: Sie wollen einen schönen Spaziergang genießen, doch unerwartet fängt Ihre Nase an zu jucken. Sie brauchen ein Tachentuch nach dem anderen und fallen von einer Niesattacke in die nächste. Im Endeffekt ist Ihre Nase extrem gerötet und wund vom Naseputzen.
Ebenso sind die Augen betroffen, sie jucken, werden rot und tränen. Man fühlt sich nicht wohl und möchte am liebsten die frische Luft meiden. Und der Grund für all das Übel? Ein Heuschnupfen, der von einer Pollenallergie ausgeht und zumindest vorübergehend unsere ganze Lebensqualität extrem einschränkt.
Mal saisonal, mal ganzjährig
Allergien gehören heutzutage zu den typischen Volkskrankheiten. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Betroffenen dramatisch angestiegen. Mittlerweile leiden 20 bis 25 Millionen
Menschen in Deutschland an so genannten Fremdreaktionen. Am häufigsten dabei vertreten ist der Heuschnupfen, unter dem zirka zehn Millionen Deutsche vor allem in der Blühsaison betroffen sind. Wissenschaftler meinen, dass die Zahl der Allergiker weiter steigen wird, aber warum, können diese und Epidemiologen allerdings nicht genau sagen.
Aber nicht nur der Heuschnupfen gehört zu den Allergien. Der Wiener Kinderarzt Freiherr Clemens von Pirquet hat 1906 den Begriff Allergie folgendermaßen definiert: »Eine veränderte Fähigkeit des Körpers, auf eine fremde Substanz zu reagieren.« In dieser Definition sind sowohl verstärkte (Hyperergie), verminderte (Hypoergie) wie auch fehlende (Anergie) Reaktivitäten einbezogen. Pirquet erkannte als Erster, dass Antikörper nicht nur schützende Immunantworten vermitteln, sondern auch Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen können. Heute beschreibt der Begriff
Allergie die Überempfindlichkeitsreaktionen, die durch eine Immunantwort gegen ansonsten harmlose Antigene ausgelöst werden.
Die Symptome einer Allergie können mild bis schwerwiegend und in einigen Fällen sogar akut lebensbedrohlich sein. Manche Symptome treten nur saisonal auf, wie der Heuschnupfen, während andere Symptome, wie zum Beispiel bei einer Allergie gegen Hausstaubmilbenkot, ganzjährig auftreten.
Wenn die Antigene falsch reagieren
Es gibt mehrere verschiedene Krankheitsformen, bei denen die Symptome an verschiedenen Organen des Körpers auftreten. Allergien und Hypersensitivität können sich folgendermaßen äußern:
- an den Schleimhäuten (Heuschnupfen, Bindehautentzündung)
- an den Atemwegen (Asthma bronchiale)
- an der Haut (Neurodermitis)
- im Gastrointestinaltrakt (Erbrechen, Durchfälle, besonders bei Säuglingen und Kleinkindern)
- als akuter Notfall (anaphylaktischer Schock)
Auslöser von Allergien sind die Allergene. Allergene sind jene Antigene, gegen die sich die fehlgeleitete Immunantwort, die jeder Allergie zu Grunde liegt, richtet. Häufig sind Allergene Proteine (Eiweiße), meistens Enzyme (Enzyme haben wichtige Aufgaben im Stoffwechsel des Körpers) – aber natürlich gibt es Ausnahmen.
Mehr Schutz für Kinder vor Allergien
An der Berliner Charité nimmt eine europaweit einzigartige Datenbank zu Allergien bei Kindern ihre Arbeit auf. »Daten von 30 000 bis 40 000 Kindern aus Geburts-
Kohortenstudien verschiedener Länder laufen darin zusammen und ermöglichen nun Forschungen auf breiter Basis«, berichtet Charité-Ärztin Susanne Lau. (Die Kohortenstudie ist eine spezielle Form der Paneluntersuchung, bei der alle Personen einer Stichprobe derselben Kohorte angehören. Unter einer Kohorte versteht man eine Gruppe von Personen, in deren Lebensläufen ein bestimmtes biographisches Ereignis annähernd zum selben Zeitpunkt aufgetreten ist.)
Auf der wachsenden Zahlenbasis werde man dann konkretere Empfehlungen über schützende oder gefährdende Faktoren geben können. »Heute weiß man, dass Allergien zu 40 bis 50 Prozent genetisch bedingt sind. Der Rest sind Umwelteinflüsse«, sagt Lau. Bislang sei aber noch recht unklar, wie stark sich kurzes oder langes Stillen, Tabakrauch, Haustiere, Ernährung, Anzahl der Geschwister oder Wohnverhältnisse auf die Entwicklung einer Allergie auswirkten.
Die Häufigkeit von allergischen Erkrankungen hat in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen. Heute ist aktuellen Zahlen zufolge jedes dritte Kind an einer Allergie erkrankt.möl
Statt Genuss nur Qual
Ein spezielles Problem bereitet vielen Menschen in der jetzigen Erdbeer-Saison extreme Probleme: die Erdbeerallergie. Denn tatsächlich droht manchen Nahrungsmittel-Allergikern beim Genuss von Erdbeeren Gefahr. Meist genügt schon eine geringe Menge, um allergische Symptome an Haut und Schleimhaut auszulösen. Die Betroffenen leiden vor allem im Mund- und Rachenraum unter Brennen, Juckreiz, Schwellungen und Quaddeln. Seltener können auch Magen-Darm-Beschwerden auftreten.
Über die Allergie auslösende Sübstanzen der Erdbeere sind sich die Forscher nicht ganz einig. Einige haben diekleinen grünen Punkte auf der Oberfläche der Erdbeere im Verdacht, da diese mit Nüssen verwandt sind. Manche gleichzeitig eine Nussallergie. Andere Wissenschaftler glauben, dass die Allergie etwas mit der roten Farbe der Beere zu tun hat. Schwedische Forscher haben daraufhin weiße Erdbeeren gezüchtet, die angeblich auch für Allergiker geeignet sind.






