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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Gluten? Nein Danke!

Eine Umstellung auf glutenfreie Kost ist leichter als man denkt.

Was für den Einen wie eine exotische Variante klingt, ist für den Anderen eine lebensnotwendige Alltagsentscheidung – Menschen mit der Diagnose Zöliakie müssen lebenslang ihre Ernährung umstellen und das in Getreide vorkommende Klebereiweiß
Gluten meiden. Zirka jeder 800ste bis 1000ste ist betroffen, die Dunkelziffer liegt sogar bei Werten zwischen 500 : 1 und 100 : 1.


Seit den 50er-Jahren ist bekannt, dass manche Menschen eine Unverträglichkeit gegen diesen Getreidebestandteil haben. Die Symptome sind vielfältig und reichen von Verdauungsbeschwerden, Blähungen und Durchfällen über Beeinträchtigungen der Stimmung, des Wachstums und Gedeihens bis zu Missempfindungen wie Kopfschmerzen.

Bei Erwachsenen sind die Symptome häufig weniger stark ausgeprägt und weniger eindeutig als bei Kindern. Terminologisch wurde übrigens lange zwischen den Bezeichnungen Sprue (gesprochen: Spru) und Zöliakie (bei Kindern) unterschieden, doch mittlerweile hat sich der zweite Begriff weitgehend durchgesetzt.

Was tun, wenn man Symptome bemerkt?
Zöliakie ist eine ernst zu nehmende Krankheit, die zu den Autoimmun-Erkrankungen zählt. Bei einer Unverträglichkeit gegen Gluten greift der Körper nicht nur das Gluten an, sondern richtet sich gegen den gesamten Organismus. Die Darmzotten im Dünndarm, die die Funktion haben, die lebensnotwendigen Nährstoffe aufzunehmen, verkümmern und flachen ab. In diesem Zustand können sie aber nicht mehr ihre Funktion erfüllen, und es kommt zu erheblichen Mangelerscheinungen und Symptomen.

Dennoch: Die beschriebenen Sympto­me sind nur ein vager Hinweis auf die Krankheit. Allein eine Gewebeprobe der Darmschleimhaut (mittels einer Biop­sie) kann Klarheit bringen. Niemand sollte nur auf den reinen Verdacht hin auf eigene Faust eine solche einschneidende Nahrungsumstellung durchführen, ohne dass eine ärztliche Diagnose und eine Gewebeprobe die Krankheit nachgewiesen haben.

Ernährungsumstellung ohne Mangelerscheinungen
Früher konnte die Krankheit zu lebensgefährlichen Mangelerscheinungen führen. Heute weiß man glücklicherweise so viel darüber, dass die betroffenen Menschen ein beschwerdefreies Leben führen können, wenn sie sich daran halten, Gluten zu meiden. Worin aber ist Gluten enthalten?

In allen Lebensmitteln, die Weizen, die Weizen­sorten Kamut, Urkor, Emmer, Roggen, Gerste, Hafer und Dinkel sowie Grünkern enthalten. Dazu gehören Gries, Brot, Nudeln, Brötchen, Gebäck, Kuchen, Fertiggerichte, Fleischwaren mit glutenhaltigen Bindemitteln, Saucen, Puddings, Bier, Malzwhiskey und auch Müsli. Da erschrickt man zunächst, weil so zen­trale Lebensmittel des täglichen Bedarfs plötzlich tabu sein sollen.

Doch keine Sorge: Mit einiger Übung gelingt es, die meisten gewohnten Lebensmittel durch glutenfreie Produkte zu ersetzen. Ein Leben ohne Gluten bedeutet, statt des Bieres ein Glas Wein zu trinken, den Kuchen aus Maismehl und Kartoffelmehl zu backen und exotische Getreidesorten wie Amaranth, Quinoa, Buchweizen und Hirse für sich zu entdecken.

Es heißt auch, Nüsse und Samen wie Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Leinsamen, Sesam und Mohn zu nutzen. Und es bedeutet ebenfalls, viel frisches Obst und Gemüse zu essen, das Fleisch nicht zu panieren, Hülsenfrüchte frisch zuzubereiten und nicht aus der Dose zu naschen. Auch Marmeladen, Butter, Margarine und alle Milchprodukte werden vertragen, ebenso Kaffee und Tee.

Aber aufmerksam muss man schon sein. Selbst in Kosmetika und Zahnpasta findet sich zuweilen Gluten. Deshalb empfiehlt es sich, gut informiert zu sein, Hilfe bei der Umstellung findet man bei der Deutschen Gesellschaft für Zöliakie (www.dzg-online.de).

Dort können auch Einkaufslisten und Rezepte bezogen werden. Und es gibt eine Aufstellung, welche glutenhaltigen Lebensmittel durch welche glutenfreien Lebensmittel ersetzt werden können, sodass manches Lieblingsgericht vielleicht doch noch, mit der einen oder anderen Änderung, gekocht werden kann.

Augen auf beim Einkauf
Glutenfreie Lebensmittel gibt es im Reformhaus und zunehmend auch im Supermarkt. Als Symbol für Produkte ohne Gluten wird eine durchgestrichene Ähre aufgedruckt. Man kann sich viele Produkte auch vom Hersteller direkt zuschicken lassen. Produkte, die kein Getreide enthalten, können zuweilen doch Reste beinhalten, sodass der Hinweis »glutenfrei« wichtig ist. Hinweise auf Hersteller und die Herstelleradressen finden sich ebenfalls in der Broschüre der Deutschen Gesellschaft für Zöliakie.bth

Fotos: Shutterstock (4)