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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Entspannende Farbenspiele

Im Wald einen Spaziergang zu unternehmen, ist zu jeder Jahreszeit ein Vergnügen. Das größte Erlebnis für alle Sinne jedoch bietet der Herbst, wenn sich der Kreislauf der Natur seinem Ende nähert.

Bevor er im nächsten Jahr wieder von Neuem beginnt, breitet sich in den Wäldern eine Atmosphäre der Ruhe aus, gepaart mit intensiven Farben und Gerüchen. Mit dem Ende des Sommers verlangsamt sich der Rhythmus des natürlichen Lebens.

Doch vor dem Winter zeigen sich viele Pflanzen des Waldes noch einmal in ihrer ganzen Pracht und Üppigkeit. Das leuchtende Rotbraun der Kastanien oder das Rascheln der Blätter zwischen den Füßen erfreuen und beruhigen zugleich.

Erholung für Körper und Geist

Bei Sonnenschein bringt der Herbst ein helles Licht, das im Wald diffus schimmert. An den Laubbäumen welken die Blätter und explodieren dabei in vielfältigen Farben: Das matte Gold der Birken, das Rot und Gelb der Ahornblätter und die zahllosen Brauntöne. Die klare Luft duftet aromatisch und ermuntert zum Durchatmen. Wer bei ungemütlichem, nasskaltem Wetter einen Wald betritt, wird von dem Gefühl ergriffen, in eine andere Welt zu gelangen.
Wind, Regen und Geräusche sind kaum mehr wahrzunehmen, der feuchte Boden federt beim Gehen und dämpft den eigenen Schritt. Das Herbstklima eines Waldes wirkt sehr wohl­tuend und entspannend.

Vom Urwald zum Forst

Unsere Wälder sind sehr alte Biotope, die ersten Urformen entstanden vor etwa 300 Millionen Jahren. Wald, so wie wir ihn heute kennen, entwickelte sich seit dem Ende der letzten Eiszeit vor zirka 10 000 Jahren. Mit der Erwärmung konnten sich von Süden nach Norden Kiefern, Birken und Weiden immer mehr ausbreiten.

Durch weitere Klimaänderungen kamen Hasel und Fichte, später Eichen und Linden hinzu. Es bildete sich der so genannte Eichenmischwald, der bei uns als natürliche Vegetationsform angesehen werden kann. Damals waren über 90 Prozent der Landfläche mit Wald bedeckt; durch Rodung für Acker- und Schiffbau ging die Waldfläche im Laufe der Jahrhunderte stetig zurück. Heute gibt es kaum noch Urwald, beinahe alle Wälder werden forstlich kultiviert und genutzt.

Landestypische Unterschiede

In Deutschland ist etwa ein Drittel der Landesfläche mit Wald bedeckt. Dies entspricht rund 10 Millionen Hektar. Zwischen den einzelnen Bundesländern gibt es jedoch erhebliche Unterschiede: Die südlichen Bundesländer wie Hessen, Baden-Württemberg oder Bayern haben mit ungefähr 40 Prozent einen höheren Waldanteil als die Länder im Norden. In Mecklenburg-Vorpommern ist etwa ein Viertel der Fläche mit Wald bewachsen, in Schleswig-Holstein sind es 10 Prozent.
Je nach Region herrschen auch unterschiedliche Waldtypen vor. Nadelwälder dominieren in den Gebirgs- und Mittelgebirgslagen. Nadelbäume sind älter und robuster als Laubbäume. Ihre Nadeln, die nichts anderes sind als eingerollte Blätter, werfen sie nicht jeden Winter, sondern in mehrjährigem Abstand ab; die meisten bleiben grün. Eine Ausnahme ist die Lärche: Sie ist der einzige Nadelbaum, der im Herbst eine goldgelbe Färbung bekommt und die Nadeln im Winter abwirft.
In Mischwäldern und reinen Laubwäldern kommt es im Herbst durch die typische Verfärbung zu besonderen Effekten. Vor dem Abwerfen nehmen die Blätter der Laubbäume unterschiedlichste Farben an: Zuerst färben sie sich leuchtend gelb, dann rot und schließlich braun. Bei den einzelnen Bäumen setzt die Färbung zu verschiedenen Zeiten ein, so dass in einem Herbstwald alle Abstufungen der Farbtöne zu beobachten sind. Und das sorgt für eine farblich bezaubernde Atmosphäre.

Bäume in Deutschland

Am häufigsten kommen in deutschen Wäldern Fichten und Tannen vor. Sie machen über ein Drittel des Baumbestandes aus. Hauptverbreitungsgebiet sind die höheren Lagen, da sie relativ geringe Nährstoffansprüche an den Boden haben. Diese Arten sind am häufigsten vom so genannten Waldsterben betroffen.
Beinahe ebenso häufig sind Kiefern. Sie sind überall in Deutschland, vor allem in Mischwäldern zu finden, da sie keine besonderen Standortansprüche haben. Besonders verbreitet sind sie auf den trockenen Sandböden Niedersachsens und im Osten der Republik.

Der wichtigste Laubbaum hierzulande ist die Buche; über die Hälfte aller heimischen Laubbäume sind Buchen. Sie bieten Lebensraum für viele Tierarten und werden von den Menschen wegen des harten Holzes geschätzt. Früchte, die Bucheckern, tragen sie erst ab 25 Jahren, im Durchschnitt erreichen sie eine Höhe von 40 Metern.

Etwa jeder zehnte Baum in Deutschland ist eine Eiche. Die Stiel- und Traubeneiche wächst am liebsten in Ebenen und in den niedrigeren Lagen der Mittelgebirge, da sie relativ hohe Wärmeansprüche hat. Für Wälder sind sie sehr wertvoll, denn Wildschweine, Eichhörnchen, Schmetterlinge und viele Insekten leben von ihnen und ihren Früchten.