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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Die Milch macht´s!

Etwa 15 Prozent der Mitteleuropäer leider unter Laktose-Intoleranz.

In der Werbung ist immer wieder gern und oft von den vielen gesunden Nährstoffen der Milch die Rede, längst nicht jeder aber kann sich darüber freuen. So hat in Mitteleuropa fast jeder Siebte nach dem Genuss von Milch leichte bis erhebliche Beschwerden.

Grund dafür ist das Fehlen des körpereigenen Enzyms Laktase, das normalerweise in der Darmschleimhaut zu finden ist und dafür sorgt, dass der Milchzucker, die so genannte Laktose, abgebaut wird. Hierbei spaltet das Enzym den Milchzucker in seine Bestandteile Glukose und Galaktose auf, sodass sie vom Blut aufgenommen werden können.

Ohne dieses Enzym allerdings gelangt der Milchzucker in den unteren, mit Bakterien besiedelten Bereich des Darms und dient dort den Bakterien als Nahrung. Es bilden sich Gase und Säuren, die wiederum zur Folge haben, dass Wasser in den Darm einströmt und vermehrt Darmbewegungen ausgelöst werden. Koliken, Blähungen, Völlegefühl, Durchfall und Übelkeit sind die Folge.

Andere Länder, weniger Enzyme
Die Mediziner unterscheiden zwei Formen der Laktose-Intoleranz: Zum einen ist da die angeborene Form der absoluten Intoleranz. Weitaus häufiger kommt die Spielart vor, bei der nach dem Abstillen die Fähigkeit, Milchzucker abzuspalten, allmählich verloren geht. Das Ausmaß der Unverträglichkeit kann aber individuell ganz unterschiedlich sein.

Auch die geografische Verteilung der Laktose-Intoleranz ist nicht einheitlich. Es gibt Regionen, in denen Milch als Nahrungsmittel für Erwachsene praktisch nicht vorkommt. So wird in Asien kaum Milch verzehrt, weil dort die Menschen, die als Säugling und Kleinkind noch über das Enzym Laktase verfügen, als Erwachsene darauf verzichten müssen.

Dieses Phänomen wird übrigens als natürlicher Laktose-Mangel bezeichnet. In Mitteleuropa dagegen wird Milch in der Regel gut vertragen.

Machen Sie den Test
Milchzuckerunverträglichkeit kann aber auch als Begleiterscheinung anderer Krankheiten, wie Zöliakie (Glutenunverträglichkeit, vergl. mein coop magazin im März 2010) oder Morbus Crohn (eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung) auftreten. In beiden Fällen kann man aber davon ausgehen, dass die Unverträglichkeit mit dem Ausheilen der Krankheit wieder verschwindet.

Gewissheit darüber, ob eine Laktose-Unverträglichkeit besteht, kann es nur durch einen Test geben. Hierbei werden größere Mengen Milchzucker aufgenommen und dann, nach einer festgelegten Zeit, werden die Gase in der Atemluft gemessen. Gleichzeitig wird der Anstieg des Blutzuckers gemessen.

Wenn dieser nur gering ansteigt, der Wasserstoff-Gehalt in der Atemluft aber nachweislich ansteigt, liegt so gut wie sicher eine Laktose-Intoleranz vor. Der Zucker wird dann nämlich nicht vom Körper verarbeitet, sondern gelangt in den Darm, wo er von den Bakterien unter Freisetzung von Wasserstoff aufgenommen wird.

Was geht, was nicht?
Im nächsten Schritt sollte bestimmt werden, wo die persönliche Grenze der Verträglichkeit liegt. Man unterscheidet zwischen einer leichten Form, bei der acht bis zehn Gramm Milchzucker vertragen werden, einer mittleren Unverträglichkeit, bei der bis zu einem Gramm vertragen wird, und einer schweren Unverträglichkeit, bei der Milchzucker selbst in geringster Menge Beschwerden auslöst.

Nach der Bestimmung des Schweregrades kann die Behandlung beginnen. Die ist notwendigerweise mit einer Nahrungsumstellung verbunden. Milch und Milchprodukte sollten überwiegend vermieden oder nur in der verträglichen Menge aufgenommen werden.

Trotzdem muss natürlich auf eine ausreichende Zufuhr von Kalzium geachtet werden. Kalzium findet sich in Gemüsesorten wie Brokkoli, in Mineralwasser, aber auch in Käse, bei dem durch die Fermentierung der Milchzucker zum großen Teil abgebaut wurde. Generell gilt, dass bei länger abgelagertem, gereiftem Käse der Milchzuckergehalt wesentlich geringer ist als bei jungem, frischem Käse. So wird häufig Parmesankäse gut vertragen, weniger häufig aber junger Gouda.

Sauermilchprodukte wie Sauermilch und Joghurt werden oftmals vertragen, da die darin enthaltenen Milchsäurebakterien den Milchzucker abbauen. So kann für eine ausreichende Versorgung der Knochen mit Kalzium gesorgt werden.

Für Milch und Milchprodukte, die nicht vertragen werden, gibt es eine Reihe Ersatzprodukte wie Soja- oder Reismilch und Desserts aus Sojamilch. Außerdem führt der Handel bereits laktosereduzierte Milchprodukte, die möglicherweise eine gute Alternative sein können. Grundsätzlich sollte beim Einkauf auf die Zusammensetzung geachtet werden. Seit 1997 sind die Hersteller verpflichtet, Milchzucker schon ab geringen
Mengen auszuweisen.bth

Sven-David Müller/Christiane Weißenberger »Ernährungsratgeber Laktoseintoleranz - Genießen erlaubt« Schlütersche Verlagsgesellschaft ISBN 978-3-89993-583-7, 15,95 Euro