Artikel dieser Ausgabe aus Sport
Meine Gesundheitsapotheke
Ringefrei
Herzlich willkommen zu den Olympischen Winterspielen in Vancouver und Whistler vom 12. - 28. Februar 2010.
With glowing hearts« (Mit glühenden Herzen) und »Des plus brillants exploits« (Der außergewöhnlichsten Leistungen) – mit gleich zwei Mottos stellen sich die diesjährigen Winterspiele der breiten Öffentlichkeit vor, und das auch noch in zwei Sprachen.
Vielleicht wiegt da auch ein wenig der Stolz eines Landes mit, das sich mit Fug und Recht polyglott nennen darf. Beide Schlagwörter sind übrigens der kanadischen Nationalhymne
»O Canada« entnommen.
Multikulti – nicht nur zur Olympiade
Am 22. Oktober 2009 ist die Olympische Flamme entzündet worden. Der Startschuss für den traditionellen Fackellauf fiel acht Tage später, und zwar in der Provinzhauptstadt Victoria auf Vancouver Island. Der Weg führte nun durch ganz Kanada, zunächst in nördlicher Richtung durch die drei Territorien in der kanadischen Arktis. Ab St. John´s (Neufundland) durchquerte man die zehn Provinzen von Ost nach West und dabei auch über 100 traditionelle Gebiete der »First Nations« (Indianer). Rund 12 000 Fackelträger sind unterwegs – zu Fuß, auf Hundeschlitten, Schneemobilen, Pferden und zum Teil auf dem Luftweg!
Das geplante Ankunftsdatum der Fackel im BC Place Stadion in Vancouver ist der 11. Februar. Mit dem Entzünden des Olympischen Feuers sind der wichtigste Sportwettkampf und eines der größten internationalen Schauspiele offiziell eröffnet!
Nach Montreal (1976) und Calgary (1988) ist Vancouver die dritte kanadische Gastgeberstadt der Olympiade – eine ohnehin weltoffene, moderne Stadt in beeindruckender Lage zwischen den mächtigen Coast Mountains und der Weite des Pazifiks. Sie befindet sich im Südwesten von British Columbia an der kanadischen Westküste, etwa 45 Kilometer nordwestlich der Grenze zu den USA.
Die Stadt entstand in den 1860er-Jahren als Folge der Einwanderungswelle während des Goldrauschs und entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte von der kleinen Sägewerkssiedlung zur Metropole. Statistiken zufolge sichert sich Vancouver regelmäßig einen Platz unter den ersten dreien in puncto »höchste Lebensqualität«. Menschen vieler Ethnien und aller Religionen haben hier ihr Zuhause. Eine multikulturelle Gesellschaft also, die mit 7,2 Prozent zudem die höchste Rate an interkulturellen Ehen in Kanada aufweist.
Ilaanaq heißt Freund
An dem sportlichen Großereignis wollen sich auch die vier »First Nations«, die indianischen Ureinwohner, beteiligen: Lil´wat, Musqueam, Squamish und Tsleil-Waututh. Ihre Führer haben mit dem Organisationskomitee einen Vertrag geschlossen, der ihnen die Urheberrechte an verschiedenen Symbolen und daraus entwickelten Logos zusichert. Ein Drittel der Einnahmen wird in kulturelle Bildungs- und Sporteinrichtungen für indianische Familien fließen. »Ilaanaq« ist der Name des bereits 2005 entworfenen Logos. Die offiziellen Maskottchen heißen »Miga« (mythischer Seebär, halb Orca, halb Bär), »Quatchi« (ein Bigfoot), »Sumi« (Fabelwesen mit Flügeln und Bärentatzen) und last but not least „Mukmuk« (ein Murmeltier). Sie lassen sich den vier »First Nations« zuordnen.
Seit Vergabe der Gastgeberrolle wuchs der Druck auf die zahlreichen Schutzgebiete der Region. Die Verbundenheit zur traditionellen Lebensweise und zur Natur sowie die unverzichtbare Rolle des Ökotourismus sind ein sensibler Themenkomplex. Es galt seit Beginn der Planung, beispielsweise beim Bau einer Sportstätte, nicht nur ökonomische, sondern auch ökologische und historisch-kulturelle Aspekte zu berücksichtigen.
Let it snow, let it snow, let it snow
Die Favoriten unter den Mannschaftssportarten auf Amateurebene sind Gaelic Football und Hallen-Lacrosse. Die beliebteste Sportart generell aber ist Eishockey. Hier lässt sich also bestens anknüpfen an die nun in den Mittelpunkt rückenden Wintersportarten.
Die Region verfügt über drei Wintersportgebiete (Cypress Mountain, Grouse Mountain und Mount Seymour) sowie mehrere Kunsteisbahnen. Rund zwei Autostunden entfernt liegt Whistler mit weiteren attraktiven Möglichkeiten. Im Vergleich zum Landesdurchschnitt ist Vancouvers Klima ungewöhnlich mild und die Winter eher warm (bis zu 4 °C mehr als im Landesinneren). Die Nähe zum Meer begünstigt ein Mikroklima mit nur zwei Tagen jährlich unter –10 °C, dafür aber jede Menge Regen. Zwischen November und März kommt es nicht selten vor, dass es bis zu 20 Tage hintereinander regnet!
Die jährliche Schneemenge beträgt nur knapp einen halben Meter und fällt eher in den höher gelegenen Vororten. Aufgrund der Küstennähe ist der Schnee sehr nass, und durch das mehrmalige Steigen und Fallen der Temperatur über und unter den Gefrierpunkt besteht regelmäßig die Gefahr der Straßenglätte. Wollen wir hoffen, dass auch Petrus sich für Sport begeistert!
Die Welt schaut nach Vancouver
In der internen kanadischen Ausscheidung hatte sich Vancouver gegen Calgary und Québec durchgesetzt. Die internationale Konkurrenz (zum Beispiel Pyeongchang in Südkorea und Salzburg in Österreich) schüttelte man während des 115. IOC-Kongresses am 2. Juli 2003 in Prag in zweiter Runde ab. In der dann folgenden Volksabstimmung sprachen sich 64 Prozent für die Ausrichtung der Olympiade aus. Also begann die Stadt 2005 mit der Errichtung aller Wettkampfstätten und Einrichtungen. Baubeginn der
Olympischen Dörfer war 2007, und seit 2008 bereiten sich 25 000 freiwillige Helfer auf das Großereignis vor.
1,6 Millionen Tickets stehen im Handel. 10 000 Plätze sind für Medienvertreter aus aller Welt reserviert. Diese Zahl scheint plötzlich gar nicht mehr so gewaltig, bedenkt man, dass gut drei Milliarden Fernsehzuschauer das Sportspektakel verfolgen werden.
ARD und ZDF haben die Olympiade als Starttermin für den hochauflösenden Fernsehbetrieb HDTV gewählt. Mit der Leitung der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung ist der MDR beauftragt. Aber auch alle anderen deutschen Fernsehanstalten berichten ausführlich und zu jeder Tageszeit. Vancouver ist nebenbei bemerkt hinter Los Angeles und New York der drittwichtigste Standort der nordamerikanischen Filmindustrie und trägt den Spitznamen »Hollywood North«.
Für alle technischen Herausforderungen, derer es bedarf, um die sportlichen Wettkämpfe in unsere Wohnzimmer zu zaubern, ist man also bestimmt gerüstet!
Auf gehts!
Alle Wettkämpfe der vorangegangenen Winterspiele (Turin 2006) bleiben im Programm. Hinzu kommt ein Skicross-Wettbewerb im alpinen Skisport. Hier gilt es, einen mit Sprüngen, Wellen und Kurven gebauten Kurs zu bewältigen – eine junge Disziplin, die den Teilnehmern hohe skifahrerische Fähigkeiten abverlangt.
Durch die Neugestaltung des Eishockeyturniers der Herren reduziert sich die Zahl der Spiele von 38 auf 30. Eine Straffung, die der Gesamtorganisation zuträglich ist, schließlich stehen 86 Wettbewerbe auf dem Programm – mit 5500 Athleten aus über 80 Nationen!
In Vancouver selbst werden Eishockey, Shorttrack, Curling und Eiskunstlauf ausgetragen. Die Eisschnellläufer gehen im Vorort Richmond, die Ski-Freestyler und Snowboarder im 30 Kilometer entfernten West Vancouver an den Start. Auch die Anlagen für Bob-, Rodel- und Skeleton stehen hier bereit.
Einige Wettbewerbe weichen aus ins 125 Kilometer entfernte Whistler (zum Beispiel Skispringen und Biathlon).
Ready, steady, Go!
Und wie verkürzt man sich vor Ort die lange Zeit des Wartens? Vielleicht mit einer deftigen kanadischen Holzfällersuppe, um ordentlich Kraft zu tanken? Vielleicht mit einem fluffigen kanadischen Apfelpfannkuchen oder Ahornsirupkuchen (das Ahornblatt ziert die Flagge, eine Flasche Ahornsirup wäre allerdings auch denkbar gewesen)?
Wie lange es noch dauert, weiß hier jeder, denn eine Uhr im Stadtzentrum zeigt die verbleibende Zeit auf die Minute genau an. Das Warten hat ein Ende – mögen die Spiele beginnen!tide












