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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Sport

Mit Willen und Mut … Weltmeister werden

Gruppe A: Deutschland

Zum 16. Mal ist Deutschland bei einer Fußball-Weltmeisterschaft am Start. Nur Rekordweltmeister Brasilien nahm  bisher an allen 17 Turnieren teil. Italien ist  ebenfalls zum 16. Mal dabei.

Bester Torschütze in der deutschen WM-Geschichte ist immer noch mit Abstand Gerd Müller mit 14 Treffern. Jürgen Klinsmann (11) und Helmut Rahn (10) folgen auf den Plätzen.

Bester aktiver Spieler ist Miroslav Klose mit fünf Toren bei der WM vor vier Jahren.

Der Trainer

Jürgen Klinsmann In einer schwierigen Phase übernahm der 41-Jährige als Bundestrainer die Verantwortung für die DFB-Elite. Nach dem Vorrunden-Aus 2004 bei der EURO in Portugal war Teamchef Rudi Völler zurückgetreten. Der ehemalige Nationalmannschaftskapitän Klinsmann (108 Länderspiele) trat die Nachfolge an und sorgte mit zahlreichen Neuerungen für eine Aufbruchstimmung im deutschen Fußball. »Wir wollen 2006 Weltmeister werden«, verkündete er bei seinem Amtsantritt am 29. Juli 2004. Der gebürtige Schwabe wurde als »Deutschlands mutigster Reformer« (Die Zeit) gepriesen. Trotz erheblichen Widerstandes in der Bundesliga hielt Klinsmann an seinem Wohnsitz in Kalifornien fest und ließ sich auch von diversen Rückschlägen (DFB-Sportdirektor, Wörns, »T-Frage«) nicht von seinem Weg abbringen.

Schafft Jürgen Klinsmann das, was in Deutschland bislang nur Franz Beckenbauer gelungen ist? Als Trainer und als Spieler Fußball-Weltmeister zu werden? Den Willen und den Mut hat er jedenfalls.

Team und Trainer im Rampenlicht der Medien

Die junge Mannschaft und ihr Trainerstab mussten in den Monaten vor dem Turnierstart knallhart erfahren, in welchem Rampenlicht sie bei der WM stehen werden. Erst die Diskussionen um die »Ausbootung« von Christian Wörns, nach der Italien-Niederlage wurde das Nichterscheinen des Bundestrainers beim Team-Workshop heftig kritisiert, kurze Zeit später wurden Unwahrheiten über Bastian Schweinsteiger verbreitet und schließlich sorgte die so genannte »T-Frage« – Lehmann oder Kahn? – für Trubel. Klinsmann hat sich überraschend für Jens Lehmann (Arsenal London) und gegen Oliver Kahn (Bayern München) entschieden, der es sportlich nimmt: »Es ist wichtig für mich und das Team, dass ich weiter dabei bin.« Wenn diese Einstellung alle 23 Spieler im WM-Kader haben würden, könnte für das sportliche Großereignis 2006 eigentlich gar nichts mehr schief gehen.

Der Leitwolf

Michael Ballack Eine der ersten Amtshandlungen von Bundestrainer Jürgen Klinsmann war es, den Mittelfeldspieler von Bayern München zum Kapitän der Nationalmannschaft anstelle von Torwart Oliver Kahn zu bestimmen. Der gebürtige Görlitzer ist der verlängerte Arm des Trainergespanns, soll den dreimaligen Fußball-Weltmeister auf und außerhalb des Platzes führen. Bei der WM 2002 schoss Ballack die deutsche Elf erst im Viertelfinale gegen die USA ins Semifinale und dann im Halbfinale gegen Südkorea ins Endspiel. Er erhielt jedoch in derselben Partie eine Gelbsperre und konnte im Finale gegen Brasilien nicht mitwirken. Der Ex-Leverkusener ist die Galionsfigur und der Leitwolf im deutschen Team, Rudi Völler pries ihn als den »torgefährlichsten Mittelfeldspieler der Welt«.
Auch José Mourinho vom FC Chelsea hat dies erkannt. Ballack besticht durch seinen Aktionsradius, Dynamik, gute Schusstechnik und herausragende Kopfballstärke.

Das Ziel von Bundestrainer Jürgen Klinsmann für die WM ist klar: »Wir wollen Weltmeister werden.« Doch Experten sind skeptisch. Die Mannschaft ist jung und international unerfahren. Talente wie Per Mertesacker, Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger könnten noch in der U21 spielen.

Zudem stehen dem Bundestrainer mit Michael Ballack und Jens Lehmann zwei erfahrene Weltklassespieler zur Verfügung. Dennoch: Die Leistungen der deutschen Nationalmannschaft sind nicht konstant genug, um sie als einen der ganz großen Titelfavoriten einzustufen. Beim Confed-Cup 2005 begeisterte das Team durch schwungvollen Angriffsfußball. Wenige Monate später folgten schwache Vorstellungen gegen die Slowakei (0:2), die Türkei (1:2) und gegen China (1:0). Beim Freundschaftsspiel in Frankreich im November 2005 zeigte sich die deutsche Auswahl stark verbessert. Gegen die »Équipe Tricolore« reichte es aber nur zu einem Unentschieden (0:0). Eine desolate Leistung zeigte die Mannschaft Anfang März 2006 in Florenz gegen Italien (Endstand 1:4). Seit fünf Jahren konnten die Deutschen gegen keine »große« europäische Fußballnation mehr gewinnen.

Deutschland ist deswegen die große Unbekannte des Turniers. Wenn die Elf den Heimvorteil nutzt – wie beim 4:1-Wiedergutmachungssieg gegen die USA in Dortmund im März – und die Fußballphilosophie von Jürgen Klinsmann umsetzt, gehört sie zum Kreis der Titelanwärter. Falls nicht, kann schon die Vorrunde das Aus bedeuten. Der Bundestrainer kann jedenfalls mit den Gruppengegnern leben: »Es hätte viel schlimmer kommen können. Das ist eine absolut machbare Gruppe. Aber jeder Gegner ist schwer. Wir wissen jetzt, wo wir dran sind, und gehen an die Arbeit. Ecuador ist ein Brocken, die haben in der Qualifikation Brasilien geschlagen. Costa Rica hat auch eine gute Qualifikation gespielt, und Polen ist natürlich ein Kaliber. Da müssen wir durch.«

Der Torgarant

Miroslav Klose Der 9. Juni 2006 wird für den Stürmer von Werder Bremen ein besonderer Tag. Zum einen wird er an diesem Datum 28 Jahre alt und zum anderen kann er seine glänzende Serie als Torschütze bei einer Fußball-WM fortsetzen. Allein fünf Mal traf Miro Klose bei der WM 2002 in Japan und Südkorea in der Vorrunde. Am Ende gab es dafür den Silbernen Schuh für den zweitbesten Torjäger – hinter dem überragenden Ronaldo. Für den gebürtigen Polen (Oppeln/Schlesien) hat die zweite Vorrundenpartie der Deutschen den größten Reiz. Er feiert ein sportliches Wiedersehen mit dem Land, in dem er zur Welt kam. »Für mich ein Höhepunkt meiner Karriere«, sagt Klose. Für den er sich viel vorgenommen hat: dribbeln, tricksen, rackern – und natürlich treffen. Zwar ist Gerd Müller mit seinen 14 WM-Toren noch weit entfernt, aber Klose hat ja in vier Jahren noch eine weitere Chance, seine Trefferqoute zu erhöhen.

Expertentipp (Uwe Seeler)

Ich bin trotz aller Unkenrufe und Querelen im Vorfeld der WM optimistisch. Deutschland war immer eine Turniermannschaft und auch diesmal werden Ballack, Klose und Co. wieder eine wichtige Rolle spielen.