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Frischer Wind auf allen Decks
Die Neuzugänge beim Rekordmeister THW Kiel.
Alles neu macht der August! Und mit der neuen Besetzung verschiedener Positionen werden sicher auch Freundschaften entstehen, denn der enge Zusammenhalt innerhalb dieses Teams war und ist Hauptfaktor einer Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht.
Ein wenig erinnert die Phase zwischen einer der erfolgreichsten Saisons, die der THW, geschweige denn ein anderer Bundesligist je gespielt hat, und der kommenden Saison an die hin und wieder fällige Defragmentierung eines PC. Zur Beschleunigung des Systems führt ein Programm eine Neuordnung durch, veranlasst ein »Zusammenrücken« von verstreuten, logisch aber zusammengehörigen Datenblöcken auf der Festplatte. Beim Rekordmeister gilt es nun gleichermaßen, die entstandenen Lücken auf der »Platte« zu schließen.
Alles ist möglich
Kapitän Lövgren geht nach zehn erfolgreichen Jahren von Bord. Ihn zieht es in die Heimat Schweden, ebenso wie Nikola Karabatic, der zu seinem alten Verein nach Montpellier zurückkehrt und seinen besten Freund und Teamkollegen Vid Kavticnik mitnimmt.
Einen derart hohen Standard mit neu gemischten Karten zu halten, ist ein Kraftakt, jedoch keine unlösbare Aufgabe.
Die erfahrenen Zebras, die fortan noch mehr Verantwortung übernehmen, und die neuen Akteure müssen schnellstmöglich zu einer in sich geschlossenen Mannschaft zusammenwachsen. Die Fäden hält Trainer Gislason. Er selbst wurde zum lebenden Gegenbeweis, als man fürchtete, niemand könne in absehbarer Zeit in die vermeintlich übergroßen Fußstapfen des Vorgängers treten.
Alte Bekannte
Wie war das noch gleich mit den Fußstapfen? Momir Ilic (27) trägt die stolze Schuhgröße 46,5. Doch das war sicher nicht das ausschlaggebende Kriterium in der Neubesetzung von Karabatic` Posten. »Momo«, der zwei Meter große Serbe, ist ein Rückraum-Ass, spielte in drei verschiedenen Clubs seines Heimatlandes, wechselte nach Slowenien und schließlich ins deutsche Gummersbach, wo er Alfred Gislason als Trainer kennen und schätzen lernte. So manche druckfrische Auszeichnung hat er im Gepäck: EHF-Pokalsieg, DHB-Pokal Silber (Finale gegen den THW) und zweiter Platz bei der HBL-Wahl zum »Spieler der Saison« (hinter Thierry Omeyer vom THW). Als sportliches Vorbild nennt er Nenad Perunicic, welcher selbst etliche Erfolge zu verbuchen hat (und jetzt raten Sie, mit welchem Verein ...).
Ebenfalls aus »Gislasons Schule« kommt Christian Sprenger (26) vom SC Magdeburg. Gislason war es, der ihn damals entdeckte und an die Bundesliga heranführte. »Deutschlands bester Rechtsaußen«, so die Einschätzung des SCM-Sportdirektors Stefan Kretzschmar. Ein Abschied nach elf Jahren fällt schwer, dennoch ist es für Sprenger eine willkommene Herausforderung, am Neustart des Top-Clubs teilzunehmen.
Alte Hasen und junges Gemüse
Peter Gentzel (40), der »neue alte Schwede«, wird für die Dauer der anstehenden Saison den langzeitverletzten Andreas Palicka vertreten und »Titi« Omeyer im Tor entlasten. Schwedens einstiger »Handballer des Jahres« wehrte zuletzt in Nordhorn die Bälle ab und hätte sicher keine Einwände, den »schwedischen Chor« am Saisonende auf dem Rathausplatz zu komplettieren: Ein Ritual seiner Landsmänner aus den THW-Reihen ist, bei der Meisterfeier den schwedischen Hit »Sommartider« zu schmettern.
Unter den Feldspielern bekommt Nachwuchsarbeit neues Gewicht. Tobias Reichmann (21) zählt zu den größten Talenten der Junioren-Nationalmannschaft. Auch er kommt von Magdeburg nach Kiel und unterzog sich zum Auftakt im hohen Norden, zeitgleich wie sein neuer Teamkollege Daniel Wessig, einer Operation.
Ebenso wie sein künftiger Trainer stammt Aron Palmarsson (19) aus Island. Seine Torbilanz 08/09 ist mehr als beeindruckend: 7,4 Tore pro Spiel (ohne Strafwürfe). Eine Quote, die den Kieler Fans für die nächsten vier Jahre oder länger zweifellos gut schmecken würde.
Seinem Spitznamen »Dino« zum Trotz der Jüngste ist Hendrik Pekeler (18). Er war übrigens kaum ein Jahr alt, als Peter Gentzel sein Länderspiel-Debüt gab! Der 2,03 Meter hoch gewachsene Kreisläufer ist im Raum Kiel kein Unbekannter. Gerade erst leistete er einen enormen Beitrag zum Klassenerhalt des TSV Altenholz (2. BL.).
Die erste Chance auf einen Titel bietet sich schon diesen Monat, wenn der THW beim »Unser Norden«-Cup drei internationale Top-Teams empfängt, unter anderem Montpellier HB. Karabatic und Kavticnik werden also schon in Kürze wieder in der Sparkassen-Arena spielen – diesmal allerdings nicht in Schwarz-Weiß!
Defragmentierung abgeschlossen. Jetzt braucht der Trainer nur den »Reset-Knopf« zu drücken ... Ganz so einfach wird es sicher nicht, aber die Zebraherde wird sich formieren und im Galopp weiter auf Titeljagd gehen! tide








