Artikel dieser Ausgabe aus Sport
Meine Gesundheitsapotheke
Fit für die Piste mit Skigymnastik!
Glänzender Sonnenschein, Pulverschnee, Aprés-Ski und Einkehrschwung. Solch ein Wintervergnügen braucht das richtige Training. Ein Selbstversuch.
Mutet der Begriff »Skigymnastik« heutzutage nicht ein wenig verstaubt an? Zumindest kommt Nostalgie auf beim Gedanken an die späten 70er-Jahre: unsere Ski-Asse Rosi Mittermaier und Christian Neureuther in »Die neue Tele-Ski-Gymnastik«. Deutschland in der Abfahrtshocke vor der Glotze – grandios!
Doch ist Skigymnastik heute wie vor 30 Jahren keine Lachnummer. Die meisten Unfälle auf der Piste sind die Folge mangelnder Fitness. Die Auswertungsstelle für Skiunfälle (ASU) zählte in der Saison 2008/2009 fast 50 000 Unfälle im alpinen Wintersport; 7000 Sportler landeten gar im Krankenhaus. Das Knie, die Schulter und der Oberarm, die Hand und der Kopf sind besonders der Verletzungsgefahr ausgesetzt.
Von Lust und Frust
Wer sich das ganze Jahr über regelmäßig fit hält, der ist auch für den Pisten- und Loipenspaß bestens präpariert. Wer wenig Sport treibt oder ein ungeübter Skifahrer ist, der sollte sich mindestens sechs bis acht Wochen vor dem Skiurlaub mit dem Thema Skigymnastik beschäftigen, die beim Skifahren beanspruchten Muskeln trainieren sowie seine Ausdauer und Beweglichkeit verbessern.
Vielleicht geht es Ihnen ja in diesen Tagen wie mir: Nachdem ich meinen Skiurlaub gebucht habe, spielt sich folgender Film in meinem Kopf ab: Schneebedeckte Hänge; zuckerfein und in der Sonne glitzernd staubt der Schnee hinter mir auf, während ich mit eleganten Schwüngen ins Tal gleite.
Die Wahrheit aber ist eine völlig andere: Erstens stand ich seit über zwanzig Jahren nicht mehr auf Skiern. Zweitens ist Bürostuhlrennen meine einzige sportliche Übung. Und drittens fahren die pfundigen Erinnerungen an Weihnachten auf meinen Hüften mit. Ich brauche also einen Plan.
Tele-Gymnastik heute
Zunächst denke ich an unbeobachtete Sportstunden im heimischen Wohnzimmer. Ich entscheide mich für die Tele-Ski-Gymnastik von heute und gebe auf »YouTube« das Stichwort »Skigymnastik« ein. Aus 26 Ergebnissen filtere ich die peinlichsten Clips heraus und schaue mir die mit Ehrgeiz präsentierten Aktivitäten der diversen Vereine für Leibesübungen an. Na ja. Aber gucken kostet nichts.
Absolute Effizienz
Ich bleibe dem Trainingsmodell »Wohnzimmer« treu und denke an eine Mitmach-DVD. Mein Online-Buchhändler überrascht mich. Etwas in die Jahre gekommen, aber immer noch paarweise werben Rosi und Christian mit »Neuer Schwung: für alle, die die Freude am Skifahren (wieder) entdecken wollen.« Perfekt. Ab in den Warenkorb!
Mein Buchladen hat einen zweiten Vorschlag. »Pisten-fit« mit Markus Wasmeier. »Wer schnittig carven möchte, trainiert das Kanten, den Kurvenwechsel und die steile Innenlage. Spezielle Übungen für eisige Pisten fördern die Kraftausdauer der Beine ...« Sehr effizient und mit beeindruckenden Bildern von Landschaft und Fahrtechnik. Ich werfe Rosi und Christian von der Liste und bestelle »Wasi«.
Vom Winter-Workout ...
Bis die DVD in meinem Postkasten liegt, dauert es. Da ich sofort aktiv werden möchte, hole ich mir am nächsten Kiosk die zu mir passende Zeitschrift für moderne Frauen über 30 mit Problemzonen. Auf dem Rückweg greife ich mir in der Apotheke ein dort erhältliches branchenübliches Blatt.
Die Damen des Frauenmagazins sind schön, schlank und beweglich; der Text viel versprechend: Sprung-, Knie- und Schultergelenke sollen mobilisiert werden; der Rumpf stabilisiert und besonders wichtig: Bauch, Beine, Po gestrafft. Die Übungen hierzu heißen »Ski-Cross«, »Ski-Lift«, »Halbes Klappmesser«. Das hört sich gefährlich an für meine untrainierten Muskeln.
Der Herr in der Apothekenzeitschrift ist eine Comicfigur, wirkt aber sehr distinguiert und hat auch eine passable Figur. Ich entscheide mich für die präzisen Anweisungen des Comic-Herren und werfe mich probeweise in meine Sportklamotten.
... zum Schuhplatteln
Hier weiß man, woran man ist: Schuhplatteln zum Aufwärmen; Umsteigeschwünge zur Stärkung der Kondition; die Abfahrtshocke zur Kräftigung der Beine. Übungen zur Koordination und zur Muskeldehnung runden das Programm ab, das etwa eine halbe Stunde dauert. Ich schwitze. Eleganz? Fehlanzeige!
Spaß haben
Ich beschließe, es langsam angehen zu lassen und mir Gesellschaft zu suchen. Im Telefonbuch suche ich mir die Adressen der umliegenden Vereine und Fitnessclubs heraus. Diese, wie auch Volkshochschulen, bieten oftmals Kurse zur Skigymnastik an. Vielleicht ist ja in dieser Saison noch ein Platz frei! mika






