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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Sport

Endlich wieder Wind und Wellen

Wintersurfen

Für echte Surfer bricht jetzt an den norddeutschen Küsten
eine interessante Jahreszeit an.

Im November werden die Tage wieder erheblich kürzer. Allgegenwärtig laufen schon die Vorbereitungen für Weihnachten. Über Norddeutschland fegt ein eisiger, ungemütlicher Wind aus Nordwest. Das deutsche Wetteramt gibt Sturmwarnungen heraus.

Während für die meisten Wassersportler die Saison schon lange in den Winterschlaf gegangen ist, treibt es gerade jetzt immer mehr Busse mit Surfgepäck beladen in Richtung Nord- und Ostsee. Denn Sturm bedeutet Wellen! Bei vier bis acht Grad kaltem Wasser, oft mit Regen oder Schnee in der Luft, aber gelegentlich auch mit Sonnenlöchern sucht man nach einem geeigneten Strandabschnitt, an dem die Wellen sauber an den Strand rollen.

Was uns nicht umbringt, macht uns Spaß!
Bei ungefähr fünf Windstärken kann es schon losgehen. Ein wahres Grinsen wächst im Gesicht der Surfgemeinde aber erst ab Windstärke sieben: Wenn es schwierig ist, die Autotür beim Öffnen noch unter Kontrolle zu haben, verbreitet sich Euphorie.
Man zwängt sich so schnell als möglich in den dicken Neoprenanzug mit Schuhen, Handschuhen und Haube, so dass man sprichwörtlich einem Michelin-Männchen gleicht, und sprintet dann, mit dem Brett unter dem Arm, schnell hinüber in das vom Wind aufgepeitschte Meer.

Wellen bis zu drei Meter können sogar an unseren Ostseeküsten an Land rollen. Und diese wollen „geritten“ werden. Kopfschüttelnd und amüsiert stehen vereinzelte Spaziergänger an Land und wundern sich über die Wahnsinnigen, die sich als Wellenreiter, aber auch als Wind- oder Kite-Surfer trotz Kälte munter ins Meer stürzen. Ein kurzer verwunderter Blick, mit welcher Geschicklichkeit diese robbenähnlichen Gestalten durch die Brecher manövrieren – wenn sich dann aber einer bei diesen schroffen Bedingungen elegant mit der Welle ins Gleiten bringt und auf ihr Richtung Strand schwebt, wird umso mehr applaudiert …

Echter Sportsgeist
Natürlich ist das Ganze trotz allem nicht mit dem Surfen der paradiesischen Riesenwellen vor Hawaii oder Tahiti zu vergleichen. Zumindest nicht äußerlich. Die hiesigen Wellen haben natürlich nicht die Eleganz und Anmutung einer blau-weißen Warmwasserkrone – sie sind eher grau vom aufgewühlten Sand, vom Wind zerrissen und fühlen sich durch die Temperatur hart und unfreundlich an.

Aber im Inneren gibt es dem Surfer die gleiche Zufriedenheit und dasselbe Glücksgefühl, wie es auch der Pazifik gern hervorbringt. Mehr noch: Es ist deutlich anstrengender, unter diesen Bedingungen zu fahren. So gibt es dem Sportler das Gefühl, etwas wirklich Besonderes getan zu haben – und es ist direkt vor der Haustür.

Trendsportart …
Während sich noch vor zehn bis fünfzehn Jahren nur vereinzelte Pioniere diesem „Sport der Könige“ an unseren Stränden hingaben, ist es jetzt keine Seltenheit, dass sogar an den kältesten Tagen die Surfer auch aus großen Entfernungen anrollen, um sich manchmal zu 30 bis 40 anderen zu gesellen, die schon seit dem ersten Licht des Morgens vor Ort sind und auf den Wellen ihre Freiheit finden.

Beigetragen hat zum Boom des Surfens auf den einheimischen Winterwellen zum einen die Verbesserung der Schutzanzüge aus Neopren, die heute bis zu sechs Millimeter dick und trotzdem noch hochelastisch sind wie eine zweite Haut. Zum anderen ist ein unverzichtbarer Faktor – wie bereits so oft – das Internet. War es früher noch eine mühsame Pionierarbeit, die Strände abzufahren und Seekarten zu wälzen, wo es am ehesten die Möglichkeit einer perfekten Welle gibt, so ist es heute durch die Internet-Wetterseiten und Weltkarten-Datenbanken ein Leichtes, den richtigen „Spot“ für die jeweilige Windrichtung herauszufinden.

Erstmal im Internet surfen
Inzwischen gibt es auch schon viele mehr oder weniger gute Internetseiten, auf denen man alle Informationen zu den bekannten und beliebten Surf-Treffpunkten finden kann – am besten gleich inklusive Webcam-Übertragung.

Ein Beispiel ist www.dailydose.de. Die Seite enthält alle Infos zum Wetter und zur Szene. Von Spotbeschreibung bis zum – für Laien inzwischen unbedingt benötigten – Wörterbuch ist hier vieles zu finden, um die erste Neugierde zu stillen. Und vielleicht sieht man sich dann ja mal vor dem Adventskaffee bei Westwind irgendwo am Weißenhäuser Strand oder bei Ostwind in Damp? Bevis

Fotos: Bevis