Artikel dieser Ausgabe aus Sport
Meine Gesundheitsapotheke
Dieses Projekt macht gute Stimmung.
Ein Projekt dämmt erfolgreich Gewalt und fremdenfeindliche Ausschreitungen im schleswig-holsteinischen Fußball ein.
In punkto Spitzenfußball ist das nördlichste Bundesland seit dem Abstieg der KSV Holstein aus der dritten Liga im Sommer 2009 von der Landkarte verschwunden. Doch auf einem anderen Gebiet, das eng mit dem Fußballsport im Zusammenhang steht, nehmen die »Nordlichter« ohne Zweifel eine Vorreiterrolle ein.
Seit Anfang des Jahres 2007 läuft das Projekt »Schleswig-Holstein kickt fair« des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV). Mit dieser zielgerichteten Maßnahme reagiert der Verband auf die in allen Bereichen des schleswig-holsteinischen Fußballsports zu beobachtende Zunahme gewalttätiger und zum Teil fremdenfeindlicher Ausschreitungen. Das Projekt besitzt Vorbildcharakter für alle Bundesländer und ist in dieser Form einzigartig.
Auf das Zusammenspiel kommt es an.
Projektleiter Dr. Tim Cassel arbeitet intensiv daran, die Vereine für das Projekt zu begeistern und für die Thematik zu sensibilisieren. Der ehemalige Fußball-Profi (einst drei Jahre Torhüter beim ehemaligen Zweitligisten VfB Lübeck) kommt aus der Praxis, hat sich aber auch während seines Studiums mit dieser Problematik befasst. Erfahrungen sammelte er im Rahmen von Fußball-Projekten in sozialen Brennpunkten Hamburgs.
Nicht umsonst trägt seine Doktor-Arbeit den Titel »Das Feld des Fußballsports. Eine sozial- und kulturgeschichtliche Untersuchung zu den Anfängen des Fußballsports in Schleswig-Holstein 1890 – 1914«. »Auf der Basis aller zur Verfügung stehender Informationen gilt es Maßnahmen zu entwickeln, die den gegenwärtig vorhandenen negativen Tendenzen im Fußballsport entgegenwirken«, macht Tim Cassel immer wieder deutlich.
Um geeignete Deeskalationsmaßnahmen ergreifen zu können, ist es allerdings notwendig, bereits begangene Gewalt-, Rassismus- und Diskriminierungsdelikte auf sowie neben den Fußballplätzen zwischen Nord- und Ostsee genau zu analysieren. Auf Basis von Videoaufzeichnungen, aber auch Protokollen und Zeugenaussagen werden Strategien entwickelt, mit denen sich entsprechende Ausschreitungen schon im Vorfeld vermeiden lassen.
Dazu gehört die inhaltliche Konzeption fußballspezifischer Streitschlichtungskonzepte, die allen Fußballbegeisterten vor Ort, seien es Spieler, Schüler, Trainer, Lehrer, Vereins- und Verbandsverantwortliche, Schiedsrichter, Zuschauer sowie Eltern, in konkreten Konfliktfällen als Handlungsanleitungen dienen sollen. Verbreitet werden diese Konzepte zum einen durch Seminarveranstaltungen, die der SHFV in Zusammenarbeit mit den Kreisen und Vereinen organisiert. Zum anderen wird der Themenkomplex »Gewaltprävention und Integration« auch in die Grundausbildung der Spieler, Trainer und Schiedsrichter integriert.
Vermitteln statt bestrafen.
In der juristischen Praxis des Verbandes und der Kreise findet verstärkt der Gedanke alternativer Sanktionsmethoden Berücksichtigung. So zum Beispiel, wenn etwa auffällig gewordene Fußballspieler die Möglichkeit erhalten, durch die Teilnahme an so genannten »Fair Play Seminaren« oder »Coolness-Workshops«, in denen sie sich intensiv mit ihrem Verhalten auf dem Platz auseinandersetzen müssen, ihre Spielsperren zu reduzieren und auf Bewährung weiterspielen können.
Das Projekt »Schleswig-Holstein kickt fair« unterstützt zudem bereits bestehende Initiativen zur Förderung des Fair-Play-Gedankens im Fußballsport und sucht die Zusammenarbeit und Kooperation mit allen gewaltpräventiv und integrativ arbeitenden Organisationen und Institutionen in Schleswig-Holstein. Flankiert werden diese Maßnahmen durch attraktive Fair-Play-Turniere mit einem informativen und unterhaltsamen Rahmenprogramm.
Ziel dieser Veranstaltungen des Verbandes ist es, das Prinzip des Fair Play, das schon immer zentraler Bestandteil des Spiels war, wieder stärker in das Bewusstsein der (Fußball-)Öffentlichkeit zu rücken und zur Grundlage des Handelns aller Fußballbegeisterten zu machen. Die einzelnen Maßnahmen werden in Zusammenarbeit mit den 14 Kreisfußballverbänden des nördlichsten Bundeslandes durchgeführt, die jeweils eine/n Projektbeauftragte/n haben, die/der auf ehrenamtlicher Basis diese Arbeit unterstützt.
Im Bereich aktiver Integrationsarbeit sind der »Sparda-Bank Integrations-Cup« und das neue Projekt »Mädchen kicken cooler« Leuchtturmprojekte, die in enger Abstimmung mit dem Projekt »Schleswig-Holstein kickt fair« durchgeführt werden. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des SHFV, www.shfv-kiel.de






