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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Sport

Der Cup der guten Hoffnung

Die Weltöffentlichkeit schaut nach Südafrika zur Fußball-Weltmeisterschaft vom 11. Juni bis 11. Juli 2010.

Nur noch wenige Tage, dann steigt im »Soccer City«-Stadion von Johannesburg das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 zwischen Gastgeber Südafrika und Mexiko.

90000 Zuschauer werden ihr Team nach vorne peitschen und auf einen erfolgreichen Start in das Turnier hoffen. Der erste World Cup auf dem Schwarzen Kontinent soll nicht nur den Sport in den Mittelpunkt rücken, sondern auch den langen Weg des Landes in die Freiheit dokumentieren.

Willkommen in »Soccer City«
Das Nationalstadion »Soccer City« bildet ohne Zweifel ein Herzstück der Fußball-Weltmeisterschaft 2010. Hier ist das Hauptquartier des nationalen Verbandes beheimatet, hier werden sowohl das Eröffnungsspiel als auch das Finale stattfinden. Aber »Soccer City« ist auch ein historischer Ort. 1990 hielt Nelson Mandela an gleicher Stelle die erste Massenkundgebung nach seiner Haft-Entlassung.
Und 1996 sicherte sich Südafrika durch einen 2 : 0-Erfolg gegen Tunesien erstmals den Afrika Cup. Ein Triumph, an dessen Glanz das Gastgeberland in diesem Sommer nur zu gerne anknüpfen würde.

Als Glücksbringer auf dem Weg in den Fußball-Himmel soll Leopard Zakumi, das offizielle Maskottchen des FIFA World Cup 2010, fungieren und darüber hinaus Einwohner, Geografie und Geist des Landes für vier Wochen weltweit repräsentieren. Nicht ohne Grund wurde Zakumis Geburtsdatum auf den 16. Juni festgelegt. An jenem Tag im Juni 1976 wurde der so genannte Soweto-Aufstand, ein Protest junger Südafrikaner gegen die menschenverachtenden Rassentrennungsgesetze, mit brutaler Polizeigewalt niedergeschlagen.

Die Regenbogennation
Zwar gilt Südafrika inzwischen als die einzige fortschrittliche und wirtschaftlich relativ gesunde Demokratie auf dem Schwarzen Kontinent, doch auch 16 Jahre nach der offiziellen Aufhebung der institutionellen Rassentrennung (Apartheid) ist das Land mit seinen 45 Millionen Einwohnern weiterhin gespalten.

Die großen sozialen Probleme sind offensichtlich. Noch immer gibt es keine durchgängige Gleichbehandlung von Schwarzen und Weißen, die extrem hohe Kriminalitäts- und Armutsrate ist nach wie vor kaum einzudämmen und im Bereich des Gesundheitswesens herrschen zum Teil katastrophale Bedingungen.

Das alles steht im krassen Gegensatz zur multikulturellen Regenbogennation, als die sich Südafrika gerne in der Weltöffentlichkeit präsentiert. Für die vier Wochen der Weltmeisterschaft würden alle Probleme des Landes in den Hintergrund gedrängt, so die Vorwürfe sozialkritischer Vertreter. Denn trotz des Massenspektakels und der beeindruckenden politischen Entwicklung der letzten beiden Jahrzehnte wird der Weg zur Verwirklichung des südafrikanischen Traumes von umfassender Freiheit noch ein sehr weiter sein.

Fußball regiert die Welt
Fragt man die so genannten Experten nach den heißesten Anwärtern auf die Eroberung der Fußballkrone, dann fallen derzeit in den häufigsten Fällen die Namen Spanien und Brasilien. Der amtierende Europameister sowie der Rekord-Weltmeister belegen momentan nicht ohne Grund auch in der FIFA-Weltrangliste die beiden oberen Ränge.

Dahinter tummeln sich Nationen, die schon in der Vergangenheit stets zum engeren Favoritenkreis zu zählen waren: Argentinien, Italien, England, die Niederlande und natürlich auch der dreifache Titelträger Deutschland.
Vier Jahre nach dem »Sommermärchen« sind die Chancen auf einen Vorstoß in das Halbfinale nur unwesentlich geringer als 2006. Zwar wird die Löw-Elf dem spielerischen Potenzial der Top-Favoriten erneut kaum etwas entgegensetzen können, doch mit traditionellen deutschen Tugenden und einem ausgeprägten Teamgeist dürften die Karten im Titelrennen wieder einmal neu gemischt werden.

Das deutsche Team
Viel wird in Südafrika sicherlich von der Verfassung des deutschen Kapitäns Michael Ballack abhängen. Der für den FC Chelsea spielende Ex-Münchener hofft weiter auf einen großen Titel. Bundestrainer Joachim Löw weiß um die Bedeutung seines Führungsspielers für das Gelingen der Weltmeisterschafts-Endrunde.

Mit Australien, Serbien und Ghana warten in der Vorrunde lösbare Aufgaben auf die Löw-Elf. »Wir haben eine interessante Gruppe. Das Eröffnungsspiel gegen Australien wird wichtig. Vor Serbien habe ich großen Respekt, die haben Frankreich in der Qualifikation hinter sich gelassen und sind locker durch die Gruppe marschiert. Ghana ist in Afrika mit Algerien und der Elfenbeinküste die stärkste Mannschaft«, so der Teamchef.

Strahlkraft der Stars
Vor allem dürften die Augen auf den zweifachen Weltmeister Argentinien gerichtet sein. Neben dem extrovertierten Ex-Weltstar Diego Maradona an der Seitenlinie der Gauchos, dürfte vor allem der »intergalaktische« Lionel Messi das Interesse der Fußballwelt auf sich ziehen. Der Dribbelkünstler und Ausnahmekönner gilt derzeit als sportlich unantastbar. Und nicht erst seit seiner Vier-Tore-Gala in der Champions League gegen den FC Arsenal London gebührt dem Star des FC Barcelona der Titel »Bester Spieler der Welt«.

Aber auch Rekordweltmeister Brasilien wird die Fußball-Welt in Atem halten. Vor einem Jahr sicherte sich die Mannschaft vom Zuckerhut gegen das Überraschungs-Team aus den USA den Confederations Cup, der als Härtetest vor der Weltmeisterschaft angesehen wird. Brasiliens Superstar Kaká (Real Madrid) wurde nach dem 3 : 2-Finalerfolg im Ellis-Park-Stadion von Johannesburg mit dem »Goldenen Ball« als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet.

In Südafrika werden Spieler wie Didier Drogba (Elfenbeinküste), Cristiano Ronaldo (Portugal), Wayne Rooney (England), Andres Iniesta (Spanien), Samuel Eto‘o (Kamerun) oder die beiden für den deutschen Rekordmeister FC Bayern München aktiven Arjen Robben (Niederlande) und Franck Ribéry (Frankreich) Glanzpunkte setzen und die Herzen der Fans höher schlagen lassen. Die Spannung vor dem Auftakt der WM wächst langsam aber sicher ins Unermessliche. nawe

Die Spieler der deutschen Nationalmannschaft                                     (Stand 06.05.2010)

Name                            Verein
Jörg Butt                       Bayern München
Manuel Neuer                Schalke 04
Tim Wiese                     Werder Bremen
Dennis Aogo                  Hamburger SV
Holger Badstuber          Bayern München
Andreas Beck                1899 Hoffenheim
Jerome Boateng            Hamburger SV
Arne Friedrich               Hertha BSC
Marcell Jansen              Hamburger SV
Philipp Lahm                 Bayern München
Per Mertesacker            Werder Bremen
Serdar Tasci                  VfB Stuttgart
Heiko Westermann        Schalke 04
Michael Ballack             FC Chelsea
Sami Khedira                 VFB Stuttgart
Toni Kroos                     Bayer Leverkusen
Marko Marin                  Werder Bremen
Mesut Özil                     Werder Bremen
Bastian Schweinsteiger  Bayern München
Christian Träsch             VFB Stuttgart
Piotr Trochowski            Hamburger SV
Cacau                           VFB Stuttgart
Mario Gomez                 Bayern München
Stefan Kießling              Bayer Leverkusen
Miroslav Klose               Bayern München
Thomas Müller              Bayern München
Lukas Podolski              1. FC Köln

Alle Unklarheiten beseitigt? Bundestrainer Joachim Löw.
Die Skyline von Johannesburg.
»Soccer City« - das Prachtstadion in Johannesburg.
Setzt spielerische Akzente: Michael Ballack.