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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Sport

Das Spiel mit der flachen Hand

Eine Historie des Tennis-Sports „in drei Sätzen“.

Der Tennissport hat in den letzten 134 Jahren einen Siegeszug erlebt, der Anlass genug bietet, Rückschau auf die Ursprünge und Meilensteine einer Sportart zu halten, die ohne Zweifel zu den ganz großen Sportereignissen gezählt werden muss.

Martina Navratilova, Chris Evert, Steffi Graf, Martina Hingis, Rod Laver, John McEnroe, Jimmy Connors, Pete Sampras, Boris Becker, Ivan Lendl – beim Lesen der Namen weltbekannter Tennis-Helden werden Erinnerungen wach und die Herzen aller Sportinteressierten beginnen einige Schläge schneller zu schlagen.

Historischer Handschlag
Als der Schweizer Roger Federer im Sommer 2007 nach fünf Sätzen und fast vier Stunden das Finale von Wimbledon gegen seinen spanischen Herausforderer Rafael Nadal gewonnen hatte, war die derzeitige Nummer 1 des Welttennis endgültig in den Sportolymp aufgestiegen. Dank dieses Erfolges ist Federer nun zum fünften Mal hintereinander Sieger des populären Turniers. Damit hat er den bisherigen Rekord des legendären Björn Borg egalisiert. Der Schwede hatte zwischen 1976 und 1980 ebenfalls fünfmal in Serie an der Church Road in London triumphiert.

Als Federer in den traditionellen langen Hosen, wie sie im vorletzten Jahrhundert üblich waren, zur Siegerehrung schritt, gehörte Björn Borg zu den ersten Gratulanten. Wimbledon erlebte den historischen Handschlag zweier lebender Sportlegenden. Zwei Monate zuvor stand Federers Name sogar auf der vom US-Magazin Time jährlich veröffentlichten Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt.

Der Siegeszug beginnt
Lange hatte der Engländer Major Walter C. Wingfield am Ende des 19. Jahrhunderts an seiner Idee getüftelt. Das neue Spiel mit dem Ball nannte er geheimnisvoll „Sphairistiké“. Anleihe hatte Wingfield bei älteren Spielformen wie Squash oder auch indianischen Ballspielen genommen. Aus dem „Jeu de paume“, dem Spiel mit der flachen Hand mit Feldern von 90 bis 120 Meter Länge, das erst in Klosterhöfen, später dann in Ballspielhäusern ausgeübt werden konnte, entwickelte sich die neue Sportart. Premiere feierte das „moderne“ Tennis dann während einer Gartenparty in Wales im Sommer 1873.

Das frühere Bewegungsspiel für Privilegierte schaffte spätestens 1877 bei der vom All England Croquet Club in Wimbledon ausgerichteten Weltmeisterschaft den Durchbruch. Viele hielten die neue Sportart anfangs für zu körperbetont und anstrengend, so dass die Zulassung für Damen in Wimbledon im bis heute prestigeträchtigsten aller Turniere noch sieben Jahre lang auf sich warten ließ. Doch dann konnte der Siegeszug im britischen Imperium, vor allem in Australien, und später in allen Teilen der Welt beginnen.

Von den Bermudas zu den U. S. Open
Die Keimzelle des US-amerikanischen Tennis liegt auf den Bermudas. Dort weilte die Amerikanerin Mary Ewing Outerbridge 1874 im Urlaub und lernte einen Freund des Tennis-Erfinders Wingfield kennen. Mit einem Netz, Bällen und einem Schläger kehrte sie in ihre New Yorker Heimat zurück und baute zusammen mit ihrem Bruder in Staten Island einen Tennisplatz. Bereits sieben Jahre später wurde die erste US-Meisterschaft in Newport ausgetragen. 1915 zogen die nationalen Wettkämpfe nach Forest Hills. Seit 1978 wird die als US Open bekannt gewordenen Meisterschaft im National Tennis Center in Flushing Meadows ausgetragen.

Professionalisierung
Seit 1900 wird der Davis Cup ausgetragen. Dieses Herren-Turnier richtete den Fokus internationaler Aufmerksamkeit auf das Tennis. Bei den Damen besaß der Wightman Cup (seit 1923) ähnliche Bedeutung. Er wurde in seiner Popularität 1963 vom bis heute ausgetragenen Federation Cup abgelöst. War der Tennissport in seiner Anfangszeit eher eine Körperertüchtigung für privilegiertere Bevölkerungsschichten gewesen, so rückten der Bau zahlreicher Schul- und Gemeindeplätze wie auch die immer populärer werdenden Wettkämpfe die junge Sportart schnell in das öffentliche Bewusstsein.
Dass man mit dem Tennis auch Geld verdienen konnte, das bemerkte man – wie so oft – zuerst in den USA. William Tilden, ein Amateur, der Ende der 1920er Jahre erstmals an den Profi-Meisterschaften teilnahm, gilt bis heute als einer der besten Spieler in der Geschichte des Tennis. Sieben US-Titel und drei Wimbledon-Siege begründeten seinen Ruhm.

Der Grand Slam
Die vier bedeutendsten Turniere im internationalen Tennis sind die Meisterschaften in Wimbledon, die Australian Open, die French Open und die US Open. Den Sieg bei allen vier Veranstaltungen innerhalb eines Jahres nennt man „Grand Slam“.

Bisher war es erst fünf Sportlern vergönnt, diesen Erfolg zu feiern: Don Budge (1938), Rod Laver (1962, 1969), Maureen Connolly (1953), Margaret Court (1970) und Steffi Graf (1988). Letztere errang zudem 1988 die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Seoul und erreichte somit als erste Spielerin der Geschichte den sogenannten „Golden Slam“, den Gewinn aller vier Grand-Slam-Turniere und der olympischen Goldmedaille innerhalb eines Kalenderjahres.
Die alljährliche Profi-Tour ist und bleibt jedoch das Hauptevent der Tennis-Szene und übertrifft die Bedeutung des olympischen Turniers, das seit 1988 ausgetragen wird, bei weitem.

Die goldene Ära
Als 1985 der damals erst 17-jährige Leimener Boris Becker sensationell als jüngster Sieger aller Zeiten das Turnier in Wimbledon gewann, trat er eine Lawine in Deutschland los. Die goldene deutsche Tennis-Ära begann. Durch seine Erfolge löste „Bum Bum Becker“ in Deutschland eine Tenniseuphorie ohnegleichen aus. In seiner Karriere konnte Becker 49 Einzelturniere gewinnen, davon sechs Grand-Slam-Turniere. Der viermalige Sportler des Jahres sicherte sich zudem in den Jahren 1988 und 1989 mit der deutschen Auswahl den Davis Cup, mit seinem langjährigen Rivalen Michael Stich bei den Olympischen Spielen 1992 sogar die Goldmedaille im Doppel.

Noch erfolgreicher als Becker zeigte sich die „Gräfin“ des Sports: Geboren in Mannheim avancierte Steffi Graf zur deutschen Ausnahmeathletin des 20. Jahrhunderts. Das Jahr 1988 wurde zur besten Saison der Deutschen, die mit dem Gewinn des Golden Slam Tennisgeschichte schrieb und das vielleicht beste Jahr einer Profispielerin überhaupt verbuchte. Bis zum 10. März 1991 blieb die fünfmalige Sportlerin des Jahres für die Rekordzahl von 186 Wochen in Folge Weltranglisten-Erste. nawe

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