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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Sport

Auf der Jagd nach dem weißen Zelluloid-Ball.

Tischtennis beliebter denn je.

Über 650.000 Sportler spielen in den rund 10.000 eingetragenen Vereinen in Deutschland Tischtennis. Die Beliebtheit des kleinen Zelluloid-Balls nahm auch auf Grund großartiger Erfolge deutscher Sportler bei Olympischen Spielen, Europa- und Weltmeisterschaften in der Vergangenheit stetig zu.

Für viele Aktive bietet die zirka 2,75 Meter lange und 1,50 Meter breite Spielfläche nicht nur den Ort für intensive Bewegung, sondern auch für Konzentrationstraining und Entspannung pur. Allerorts finden sich inzwischen wetterfeste Outdoor-Tischtennisplatten. Oder gar die äußerst robusten Betonplatten. Wohl jeder erinnert sich an seine Schulzeit zurück, in der Spielarten wie Rundlauf zu den Klassikern der Pausen- und Freizeitaktivitäten gehörten.

Die Seele des Tischtennis.
Wenn man Tischtennis richtig spielt, so sagen es die Aktiven, ist es eine sehr, sehr schnelle Sportart, die Anforderungen vor allem an Reaktionsgeschwindigkeit, Koordination und Beweglichkeit stellt. Man muss sich sehr schnell auf kleinstem Raum bewegen, denn die meisten Bewegungen finden ja am Tisch oder sehr nahe daran statt.

Wenn man zum Beispiel aus der Rückhandecke einen Ball mit der Vorhand spielt, was häufiger vorkommt, da die Vorhand in der Regel die stärkere Seite darstellt, ist die Vorhandecke frei, und man hat nur sehr wenig Zeit, um die Lücke zu schließen.

Das zweite wesentliche Element beim Tischtennis, und das ist vermutlich einzigartig bei Rückschlagsportarten, ist die Möglichkeit der Schlagvariation. Effet/Schnitt spielt eine sehr große Rolle, ganz besonders natürlich bei den Aufschlägen, wobei das Weglassen von Effet genauso wirksam sein kann wie viel Schnitt, wenn der Gegenspieler mit Effet rechnet.

Kleinste Änderungen in der Schlägerhaltung können große Unterschiede im Schnitt ausmachen, so zum Beispiel beim Topspin: viel Handgelenksein­satz und Bewegung mehr nach oben mit mehr geöffnetem Schläger bedeutet mehr Spin, mehr nach vorne weniger und dafür mehr Tempo. Der Gegner muss das entsprechend erkennen und darauf reagieren, ansonsten verspringt ihm der Ball. Bei vielen sehr guten Spielern gleicht Tischtennis mitunter Rasentennis: Aufschlag, Rückschlag, erster Ball, dann ist es oft schon vorbei, weil der Aufschlag ein so großer Vorteil sein kann und ein guter Aufschlag oft zum direkten Punktgewinn führt oder aber eine Ausgangssituation für einen erfolgreichen Endschlag eröffnet.

Um das Tempo zu verringern und damit die Ballwechsel zu verlängern (auch und vor allem im Hinblick auf Attraktivität im Fernsehen), hat man einige Regeländerungen eingeführt. Der Ball wurde etwas vergrößert und auch das so genannte Frischkleben verboten. Darunter versteht man das mit einem Spezialkleber vor jedem Spiel neue Aufkleben der Beläge auf das Schlägerholz (mehr Katapult­effekt des Gummis und damit mehr Tempo und mehr Schnitt, aber auch weniger Kont­rolle). Zu spüren, wie man den Ball bei so hohem Tempo beherrscht, ist etwas Tolles, schwärmen Tischtennisspieler immer wieder.

Tischtennis-Rekorde.
Wie bei jeder Sportart, so gibt es auch im Tischtennis bemerkenswerte Rekorde. Viele betreffen den Bereich der Zeitdauer eines Ballwechsels. Im Juni 1978 spielten sich die beiden US-Amerikaner Donald Peters und Robert Stiegel den Ball ohne Unterbrechung unglaubliche 8,5 Stunden zu.

Die beiden Deutschen Volker Fernath und Helmut Hanus stellten nur drei Monate später einen bis heute gültigen Weltrekord im Dauertischtennis auf: 150 Stunden und acht Minuten dauerte ihr Spiel, bei dem sie allerdings gegen wechselnde Konkurrenten antraten. Das längste Einzel dauerte 1985 sagenhafte 168 Stunden.

Tempo und Umdrehungen.
Vielen Laien erscheint die Geschwindigkeit des kleinen, weißen Balls bemerkenswert, die Reaktionsfähigkeit der Sportler sogar schier unglaublich. Und in der Tat kann ein Tischtennis-Ball bis zu 180 Kilometer je Stunde schnell werden. Den Schläger berührt er dabei nur für eine Zeit von 1/1.000 Sekunde. Bei einem gut geschnittenen Topspin dreht sich der Ball 50 Mal pro Sekunde, also mit 3.000 Umdrehungen pro Minute.

Weltklasse-Athleten.
China gilt als Tischtennis-Weltmacht. Doch es gibt einen Deutschen, dem es in den vergangenen Jahren immer wieder gelungen ist, in die schier unüberwindbare Phalanx chinesischer Spitzensportler einzudringen: Timo Boll. 2005 beim Weltcup in Lüttich schlug Boll mit seiner explosiven linken Vorhand innerhalb von 24 Stunden Weltmeister Wang Liqin, den Olympia-Zweiten Wang Hao und Weltcup-Abo-Gewinner Ma Lin.

Der 30-jährige Sportler spielt in der Bundesliga für Borussia Düsseldorf. Im Januar 2003 war er der erste Deutsche auf Platz eins der Weltrangliste, derzeit wird er an Nummer zwei geführt. immo

Die Chinesin Guo Yue konzentriert sich auf ihren Aufschlag bei der Frauen-Wltmeisterschaft in Kuala Lumpur.
Bei einem hochklassigen Tischtennis-Match wie zwischen Yang Zi und Dimitrij Ovtcharov ist die Taktik ausschlaggebend. Fotos: Shutterstock muzsy (1), Shutterstock chen wei seng (1), Shutterstock testing (1), Shutterstock (1)