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Menschenskinder
Alltag und Gewohnheiten von Kindern und Jugendlichen unterliegen einem stetigen Wandel – eine Studie informiert.
Was macht und wie geht es eigentlich der Jugend von heute? Im Zeitraum vom Mai 2003 bis zum Mai 2006 hatte das Robert-Koch-Institut bei 17 641 Kindern und Jugendlichen in 167 für die Bundesrepublik repräsentativen Städten nachgefragt. Mit dem Ergebnis: Die Jugend von heute ist auch nicht mehr, was sie mal war.
Eine »Weisheit«, die erfahrungsgemäß jeder nachwachsenden Generation aufs Brot geschmiert wird. Wobei sich die berechtigte Frage erhebt, wie es denn auch anders sein sollte? Schließlich verändern sich fortlaufend die Rahmenbedingungen.
Fernseher, Konsole, Internet & Co.
Es gelten wieder ganz andere Spielregeln als vor 20 oder auch nur zehn Jahren. Nie zuvor war eine Generation einer derart starken medialen Präsenz ausgesetzt wie heute. Der »Kinder- und Jugendgesundheitssurvey« (KiGGS, Survey = Umfrage) nimmt das Leben der Einjährigen bis 17-Jährigen unter die Lupe und überprüft es unter anderem im Hinblick auf Ernährungsverhalten, Essstörungen, psychische Probleme und Nutzung elektronischer Medien.
Bei Letzterem tritt Erstaunliches zu Tage. Die wachsende Anzahl der zu Fettsucht (Adipositas) neigenden Kinder kann jedenfalls nicht unmittelbar auf den Sündenbock »elektronische Medien« zurückgeführt werden. Zwar nehmen diese in der Freizeitgestaltung einen immer größeren Raum ein; gleichzeitig aber erfreut sich der Breitensport zumindest in den alten Bundesländern seit über 25 Jahren ungebrochener Beliebtheit.
Ein ausgeprägter Hang zu körperlich-sportlicher Passivität macht sich erst bei denen bemerkbar, die täglich fünf und mehr Stunden damit zubringen. Und selbst hier stellt sich die Frage: Was war zuerst da – das Huhn oder das Ei? Ebenfalls denkbar ist nämlich, dass sich stark übergewichtigen Jugendlichen gar nicht erst die Möglichkeit bietet, um sich sportlich zu betätigen, und sie erst infolgedessen zur Fernbedienung, Maus oder zum Controller greifen.
Unbestritten jedenfalls ist, dass der Flimmerkasten zu oft läuft. 95,9 Prozent aller befragten Kinder gaben an, täglich fernzusehen oder Video zu schauen. Einen ähnlich hohen Prozentsatz verzeichnet das Hören von Musik. Weitere Renner sind Computer und Internet, die zirka 75 Prozent aller Jugendlichen täglich nutzen. Immerhin noch sechs von zehn Heranwachsenden beschäftigen sich tagein, tagaus mit ihrem Mobiltelefon.
Während Jungen eher zur Spielkonsole greifen, verbringen Mädchen mehr Zeit mit dem Hören von Musik via MP3-Player und mit ihrem Handy. Mit dem sogar fast jedes fünfte im Alter von 14 bis 17 mehr als drei Stunden pro Tag! Wegen der hohen Kosten insbesondere aus Zusatzangeboten sollten Eltern ihre Kinder zu einem bewussteren Umgang mit Mobilfunkdienstleistungen erziehen.
Allerdings ist bei aller Kritik an den Unterhaltungsmedien auch ein differenzierter Blick vonnöten. Der Umgang mit dem Computer und dem Internet wird in vielen Schulen gezielt gefördert, schließlich werden diese auch für Hausaufgaben und zu Recherchezwecken genutzt.
Das schlägt auf den Magen
Kinder sollten keine Sorgen haben. Die Realität aber sieht anders aus. Knapp sieben Prozent der bis 17-Jährigen zeigen nach dem SDQ-Test (Strengths and Difficulties = Stärken und Schwierigkeiten) Auffälligkeiten, ungefähr der gleiche Anteil gilt als grenzwertig. Gefragt wurde nach emotionalen Problemen, Hyperaktivität, Verhaltensproblemen, Problemen mit Gleichaltrigen, aber auch das prosoziale Verhalten wurde abgeklopft.
Erkennbar ist, dass bei Kindern aus einkunftsschwachen Haushalten weitaus häufiger Probleme auftreten als bei ihren Altersgenossen aus finanziell abgesicherten Verhältnissen. Essstörungen sind oft ein Indiz dafür, dass ein Kind psychische Probleme hat. Besonders häufig betroffen sind Mädchen. Sie setzen sich oft intensiv mit ihrem Erscheinungsbild auseinander. So entwickelt sich eine Dynamik, die, basierend auf der Grundlage von Idealbildern, gewisse Wunschvorstellungen von der eigenen Figur erweckt. Und wieder fällt das Geld ins Gewicht. Während Kinder aus vermögendem Haus eher anfällig für Anorexie und Bulimie sind, so tendieren Kinder aus weniger einkunftsstarken Familien eher zur Fettsucht.
Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt
Das Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen ist bisher weitestgehend unbekannt. Letztmalig wurden repräsentative Daten im Rahmen der ersten Nationalen Verzehrstudie zur Lebensmittel- und Nährstoffaufnahme vor ungefähr 20 Jahren aufgenommen. Seither hat sich viel verändert. Eine neuere Studie gibt es, aber die erfasst Daten erst bei Jugendlichen ab 14 Jahren. Das spezifisch auf Kinder ausgerichtete Lebensmittelangebot hat in gleichem Maße zugenommen, wie sich Convenience-Produkte und Fast Food ausgedehnt haben.
Internationale Studien deuten darauf hin, dass dieses veränderte Angebot zu einer Veränderung im Lebensmittelkonsum und auch bei den Mahlzeitengewohnheiten geführt hat. Gerade die wichtigste Mahlzeit des Tages, das Frühstück, wird immer öfter ausgelassen. Weiterhin auf dem Rückmarsch ist das gemeinsame Beisammensein der Familie zu den jeweiligen Mahlzeiten. Stark im Kommen sind dagegen Snacks.
Für eine ausgewogene Ernährung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung vor allem eines: Vielfalt. Reichlich konsumiert werden dürfen kalorienfreie beziehungsweise kalorienarme Speisen und Getränke sowie pflanzliche Nahrung, zum Beispiel Obst, Gemüse, Getreideprodukte, Reis, Nudeln und Kartoffeln. In Maßen zu genießen sind tierische Produkte, also Eier, Milchprodukte, Fleisch, Wurst und Fisch. Gleiches gilt für fett- und zuckerreiche Speisen.
Weitere Informationen unter HYPERLINK "http://www.rki.de"www.rki.de
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