Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Zwischen Wildlife und viktorianischer Gemütlichkeit
Das Naturparadies in British Columbia.
Vancouver Island ist mit rund 450 Kilometern Länge Kanadas größte Insel an der Pazifikküste. Im Südwesten schmiegt sie sich, nur getrennt durch die Queen Charlotte Street und die Street of St. Georgia, an das Festland.
Und die Insel gehört nicht ohne Grund zu den schönsten ihrer Art. Ein wahres Naturparadies, das sich vielerorts seine Ursprünglichkeit bewahren konnte. Nirgendwo im ganzen Land wachsen die Bäume so hoch wie im Regenwald an der Westküste. Baumriesen, emporgewachsen aufgrund des günstigen Klimas mit viel Feuchtigkeit und milden Temperaturen, beeindrucken. Im Norden liegt der Strathcona Provincial Park - eine fantastische Bergregion. Der Osten ist geprägt von urwüchsigen Landstrichen. Im Süden erhält sich die Hauptstadt Victoria hartnäckig ihren typisch englischen Stil.
Die Hauptstadt Victoria
James Douglas gründete die heutige Hauptstadt der Insel 1843 als einen Stützpunkt der Hudson's Bay Company. Rund die Hälfte der gesamten Inselbevölkerung von rund 750 000 Menschen hat sich im Großraum Victoria angesiedelt. Die Verschiedenartigkeit der Landschaft macht neben dem Klima, das mitunter milden mediterranen Charakter hat, den besonderen Reiz der Südküste aus. Das viktorianische England spiegelt sich noch immer in der historischen Altstadt von Victoria wider. Erinnerungen an die Zeit, als die Stadt eine britische Kronkolonie war, überlebten hier den Einzug der Moderne.
Doch Victoria ist auch eine überaus aktive Stadt. Das Zusammenspiel mit der beeindruckenden Natur ist bemerkenswert. Auf Wanderwegen, Kletterrouten und Fahrradtrails gelingt eine Annäherung an die imposante Umgebung meisterhaft. Nicht ohne Grund gilt die Hauptstadt der Insel als begehrtes Ferienziel – vor allem für Westkanadier und US-Amerikaner, aber auch für den internationalen Tourismus. Victoria ist nach Vancouver ohne Zweifel die wichtigste Stadt in British Columbia.
Royal British Columbia Museum
Die Hauptstadt Victoria beherbergt das Royal British Columbia Museum, eine Sammlung von über sieben Millionen einzigartigen Exponaten der Vergangenheit. Doch auch Gegenwart und Zukunftsvisionen werden im königlichen Museum, das nur unweit des Parlamentsgebäudes zu finden ist, ausgezeichnet präsentiert. Naturhistorisches, Kunstgeschichtliches und Völkerkundliches bilden hier die Schwerpunkte. Als besonders beeindruckend stellen sich dem Besucher die Teilrekonstruktion der HMS Discovery dar, des legendären Schiffes von George Vancouver (1757-1798), dem britischen Offizier und Entdecker, sowie die zahlreichen Relikte der kanadischen Goldgräberzeit des 19. Jahrhunderts.
Das Erbe der Ureinwohner
Die Ureinwohner haben sich den Respekt vor der Natur bewahrt, die angestammten Jagdgründe sind noch heute unter den ansässigen Stämmen aufgeteilt. Sie alle unterscheiden sich in Sprache, Kultur und Geschichte. Ihre Umgebung ist ihnen viel mehr als nur ein bloßes Ereignis. Die Verknüpfung traditionellen Denkens sowie das Bemühen um kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Erneuerung erzeugen nicht nur hier mitunter Spannungsfelder. Der Kampf für die Kultur der Ureinwohner hat in der Vergangenheit bereits die UN und sogar das Europaparlament erreicht. Im Native Heritage Center in Duncan, nur 50 Kilometer nördlich von Victoria, wird die stolze indianische Vergangenheit lebendig.
Pacific Rim National Park
Der Pacific Rim National Park war 1970 der erste Nationalpark Kanadas. Er beherbergt einige der schönsten Küstenwälder, Strände und Inseln. Neben dem Long Beach und den Broken Group Islands kommen Besucher vor allem auf dem Küstenstreifen zwischen Pachena Bay bis Port Renfrew auf ihre Kosten. Über 75 Kilometer lang schlängelt sich der West Coast Trail der wildromantischen Küste. Der Trail ist einer der schönsten und populärsten Wanderwege Nordamerikas. Anfang des 20. Jahrhunderts diente er schiffbrüchigen Seeleuten zur Umgehung des heute zu 75 Prozent abgeholzten Urwaldes.
Erst in der 60er-Jahren erlebte der West Coast Trail seine Renaissance. Tagestouren laden die Besucher zum Verweilen und Genießen ein. Ein Abenteuer mit unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden für echte Naturliebhaber. Nur erfahrene Outdoor-Experten sollten sich die gesamte, weil harte Strecke zutrauen. Dafür muss man rund sieben bis zehn Tage einplanen – eine echte Herausforderung und ein unvergessliches Erlebnis gleichermaßen.
Whale Watching
An der von zahlreichen Fjorden zerfurchten Westküste der Insel liegt Tofino, ein kleines und einst verträumtes Fischerdorf mit zahlreichen gemütlichen Häusern, Boutiquen und urigen Restaurants. Tofino hat sich längst zu einem Tourismuszentrum entwickelt. Wer Ausschau nach den riesigen Meeressäugern halten möchte, der ist hier – am Clayoquot Sound - an der richtigen Adresse. Seit Jahrzehnten ist Tofino das Zentrum des »whale watching«. Grau- und Buckelwale ziehen die Massen in ihren Bann.
Über 20 000 Grauwale passieren zwischen März und Mai die pazifische Küstenregion vor Vancouver Island. Und die majestätischen Kreaturen lassen sich dabei kaum stören von den Schlauch- und Motorbooten, die zahlreiche Gruppen von Schaulustigen auf der Suche nach der waltypischen Gischt-Fontäne über den Ozean tragen. Doch abgesehen von den Riesen der Meere ist Tofino natürlich auch ein idealer Ausgangspunkt, um andere interessante Küstenbewohner kennen zu lernen: Seeotter, Seelöwen, Schwarzbären und auch Adler, um nur einige von ihnen zu nennen.
Wer allerdings auf der Suche nach den Killerwalen, den legendären Orcas ist, der sollte auf der anderen Seite der Insel im historischen Telegraph Cove oder in Port McNeill starten. Hier ziehen die Wale durch das ruhige Gewässer der Johnstone Strait, der engen Passage zwischen der Ostküste von Vancouver Island und dem Festland von British Columbia.
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