Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Wunderliche Weihnachten
Weihnachtsbräuche in der Welt
Die uns vertrauten Weihnachtsbräuche verstehen sich längst nicht überall von selbst
Palmen statt Tannenbäume, Helikopter statt Schlitten, Hexen statt Weihnachtsmänner, laute statt stille Nacht – in anderen Ecken der Welt gibt es Erstaunliches zu entdecken!
Sehr spektakulär beginnt zum Beispiel die brasilianische Weihnachtszeit: Hier fliegt der Nikolaus per Helikopter im größten Fußballstadion der Welt ein, dem Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro. Und seine Ankunft wird fast ebenso ausgelassen gefeiert wie der Karneval!
Wenn die Hexe Geschenke bringt
In Mexiko dagegen bastelt man in der Adventszeit recht außergewöhnlichen Weihnachtsschmuck: Aus den oft kartoffelgroßen und bizarr geformten Radieschen, die hier wachsen, werden Krippenfiguren geschnitzt. Die besten Figuren werden dann in der „Nacht der Radieschen“ ausgestellt, die alljährlich am 23. Dezember in Oaxaca stattfindet.
Die kleinen Mexikaner veranstalten zu Weihnachten eine Art Topfschlagen, bei dem sie sich mit verbundenen Augen auf die Jagd nach der „Piñata“, einem mit Süßigkeiten gefüllten Tongefäß, machen.
Italienische Kinder müssen sich bis 5. Januar gedulden, bevor sie größere Geschenke bekommen; und diese bringt dann nicht der Weihnachtsmann, sondern die Hexe „La Befana“. Wer aber frech oder böse war, der bekommt von ihr statt der bei uns in diesem Fall üblichen Rute ein Stückchen Kohle.
In Russland trifft der alternative Weihnachtsmann „Väterchen Frost“ wegen des julianischen Kalenders erst am 7. Januar ein. Oft wird er begleitet von einem Mädchen, „Snegurotschka“, der Schneeflocke, und einem Jungen, dem neuen Jahr.
Ein Plätzchen findet sich immer – in Polen
In England dagegen steht am 6. Januar die weißvermummte „Mari Lwyd“ vor der Haustür und stellt den Bewohnern Rätselfragen. Wer diese nicht beantworten kann, wird kurzerhand von ihr gebissen und muss etwas zu essen servieren.
Wenn der erste Stern am Himmel erscheint, beginnt das festliche Abendessen zur polnischen „Boze Narodzenie“. Dabei wird immer für eine Person mehr gedeckt, als Menschen um den Tisch versammelt sind.
Warum? Eine Überlieferung besagt, dass dieser Platz für Jesus gedacht ist, eine andere sieht ihn für unerwartete Besucher reserviert, die kein Zuhause haben und sonst einsam feiern müssten. Der leere Stuhl gilt jedoch auch der Erinnerung an ferne oder schon verstorbene Verwandte, die bei diesem Fest nicht dabei sein können.
Ein „gebackener Schwede“ (natürlich nur aus Schweinefleisch!) wird in Finnland als Festtagsgericht verzehrt – und ein gemeinsamer Saunabesuch am 24. 12. gehört hier unbedingt dazu!
Geschwitzt wird jetzt aber auch in Australien, wo man – bei hochsommerlichen Temperaturen von rund 35 Grad – den Weihnachtsmann recht oft in der Badehose auf einer Strandparty antreffen kann.
Gruselig und zauberhaft
Wundersame Weihnachtsbräuche waren früher auch in deutschen Landen gang und gäbe.
Viele davon dienten dem Schutz vor den bösen Geistern, die laut Volksglauben in den Raunächten zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar umherziehen. Sehr hilfreich war es da zum Beispiel, Besen umgekehrt in die Ecke zu stellen und den Tieren Messer in die Futterkrippe zu legen, damit sie nicht verhext wurden.
In Griechenland brennen noch heute zwölf Nächte lang Weihnachtsfeuer, die die „Kalikanzari“ abschrecken sollen. Diese boshaften Kobolde zermatschen sonst alles, was sie an Essbarem finden, machen die Milch sauer, binden die Pferde an Schwänzen zusammen – und haben überhaupt an allem Schuld, was in dieser Zeit schiefgeht!
Doch auch allerlei positive Zauberkraft wurde den Weihnachtstagen früher zugesprochen: Wer einen Rest vom Weihnachtsessen stehen ließ und ein kleines Geldstück dazulegte, sollte im kommenden Jahr immer genug Geld und zu essen haben. Den Kühen dagegen gab man zur Mitternacht Heringsmilch, um die zukünftige Milchproduktion zu erhöhen. Die jungen Mädchen veranstalteten gern weihnachtliche „Liebesorakel“. Im Frankenwald und im Fichtelgebirge zum Beispiel stellten sie sich zu diesem Zweck am Weihnachtsabend im Kreis rund um einen Gänserich auf. Für das Mädchen, das er zuerst am Rocksaum zupfte, sollten im nächsten Jahr die Hochzeitsglocken läuten.
mimu








