Artikel rund um das Thema Reisen und Kultur

 
Sie sind hier: Reise & Kultur / Artikel
Donnerstag, 24. Mai 2012
...

Wüste, Berge, ...

Peru - eine Offenbarung für Ökotouristen, denn »Pauschaltourismus« ist ein Fremdwort.

Eingerahmt von Ecuador, Kolumbien, Brasilien, Bolivien, Chile und dem Pazifik erstreckt sich die südamerikanische Republik Peru über drei Klimazonen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Im südlichen Abschnitt der Costa (Küste), der die trockenste Wüste unseres Planeten (Atacama) miteinschließt, sind Regenfälle von extremer Seltenheit. In nördlicher Richtung nehmen Niederschlag und Bodenqualität zu, sodass Landwirtschaft auch außerhalb der »Flussoasen« möglich ist.
   
Im Hintergrund türmt sich eine eindrucksvolle Kulisse: die Sierra (Hochland) mit den gewaltigen Bergzügen der Anden und den tiefsten Tälern der Welt, durch die sich gigantische Flüsse schlängeln. Hier wiederum strotzt der Norden vor saftiger Vegetation; das zentrale Gebiet trotzt der südamerikanischen Sonne mit ewigem Eis und Schnee; das Profil des Südens wirkt sanfter und bietet Platz für größere Städte. Die meiste Fläche beanspruchen Selva (Regenwald) und Montana (Nebelwald). Der Amazonas, Perus Hauptschlagader, und seine Quellflüsse stellen oft die einzigen Verkehrsadern im nahezu undurchdringlichen Regenwald dar.

Langer Kampf um das Recht auf Identität

Ohne Zweifel ist Peru ein Land der Extreme. Wir begegnen friedvollen Menschen, einer vielfältigen Tierwelt mit Pinguinen, Gürteltieren, Jaguaren, Flamingos (Nationaltier ist übrigens der Rote Felsenhahn, nicht der viel »beflötete« Condor, siehe unten) und einer paradiesischen Flora von Kautschuk bis Mahagoni, von Vanillepflanze bis Kaktus.

Wir begegnen aber auch karger Armut und Kinderaugen, die in eine perspektivlose Zukunft blicken. Aber wieso kann ein Land, in dem Kaffee und Zuckerrohr gedeihen, das so reich an Bodenschätzen wie Gold und Kupfer ist, seinem Volk nicht eine ausgewogene Ernährung, adäquate medizinische Versorgung, eine ausgereifte Infrastruktur und ein hohes Maß an Bildung gewährleisten ...?

Die ersten Einwanderer ließen sich vermutlich 20000 bis 10000 vor Christus nieder.
Um 1200 nach Christus entstand das mächtige Reich der Inka, deren indigene Kultur sich von der Hauptstadt Cuzco aus über große Teile der Nachbarländer ausdehnte. Machu Picchu, die unweit gelegene Inka-Ruinenstadt, ist bis heute eine der wichtigsten touristischen Attraktionen für Südamerika-Reisende. Die Inka, deren Kultur auf einer bäuerlichen Zivilisation basierte, entwickelten einen straff organisierten Staat, an dessen Spitze eine kleine, aristokratische Elite stand. Einige Komponenten aus der Vielfalt der Errungenschaften dieser fortschrittlichen Gemeinschaft werfen bis heute Fragen auf, zum Beispiel die Facetten der Kommunikation. Neben Quechua (»Sprache der Menschen«) verwendeten die Inka »Quipu« (Knotenschrift) und »Tocapu« (in Textilien eingewebte Muster).

Doch im Jahre 1532 änderte die Geschichte abrupt ihren Lauf. Die Spanier eroberten und christianisierten das weite Land. Im Namen der spanischen Krone entstand das »Vizekönigreich Peru« mit Lima als Hauptstadt. Im 19. Jahrhundert gelang es zwar, die langersehnte Unabhängigkeit zurückzugewinnen, aber blutige Rebellionen und Kriege verhinderten nachhaltig die Entwicklung eines modernen Staates mit eigener Identität.

Seit nicht ganz 30 Jahren bezeichnet sich Peru offiziell als »Präsidialrepublik«, jedoch ist die Demokratie nach wie vor kaum gefestigt. Zu stark ist der Einfluss einzelner Machtgruppen aus Industrie und Finanzwelt. Und die außenwirtschaftlichen Erfolge können den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Problemen nicht entgegenwirken.

Knotenpunkt Lima

Ein Drittel der Bevölkerung konzentriert sich auf die Hauptstadt (6,5 Millionen allein in der Kernstadt). Das dicht bebaute Gebiet liegt in der westlichen Küstenregion, zwischen dem Pazifik und den Andenausläufern. Von besonderer Bedeutung ist die Nähe zum Rio Rimac. Der Fluss  versorgt das Wirtschafts- und Kulturzentrum des Landes mit trinkbarem Gletscherwasser und Strom durch Wasserkraft. Zwingt der Klimawandel den Gletscher in die Knie, bangen Mensch, Tier und Pflanzenwelt um die Lebensgrundlage!

Aus der einst blühenden Kolonialstadt ist eine schwer überschaubare Metropole geworden. Die spanischen Eroberer, afrikanischen Sklaven und chinesischen Vertragsarbeiter prägten das kulturelle Leben. Wer die heutige peruanische Küche probiert, schmeckt verschiedene Komponenten eines multikulturellen Völkergemischs, zum Beispiel Ceviche (roher Fisch, der nicht durch Erhitzen, sondern durch Zitronenmarinade gegart wird). Für den nötigen Mut, Cuy chactado (gebratenes Meerschweinchen) zu kosten, sorgt Pisco Sour (Cocktail aus Limonensaft, Eiweiß, Bitterlikör und Zimt).

Limas Altstadt mit ihren schachbrettartig angelegten Straßen und Prachtbauten aus der Kolonialzeit zählt zum Weltkulturerbe. Absolut sehenswert: Der Komplex von San Francisco, einem spektakulären Kloster, gilt als Glanzstück der lateinamerikanischen Architektur. Zu den wichtigsten der zahlreichen Ausstellungszentren zählt das archäologische Museum Rafael Larco Herrera. Es beherbergt die weltweit größte Privatsammlung vorspanischer Kunst.

Die europäisch angehauchten Distrikte, zum Beispiel Miraflores, verlocken mit gastronomischer Vielfalt und mit prächtigen Parkanlagen.

El Condor pasa

Der Condor fliegt und fliegt ... immer und überall. Zumindest in musikalischer Hinsicht. Auch Sie kennen diese Panflötenmelodie; wenn nicht aus ihrer heimischen Fußgängerzone, dann als Coverversion von Simon & Garfunkel. Musik ist ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens, ebenso wie religiöse Malerei, traditionelle Keramik- und Textilienherstellung, Kürbisschnitzerei und das »runde Leder«. Wie bei uns ist Fußball Nationalsport. Claudio Pizarro und Paolo Guerrero, die in den Trikots norddeutscher Bundesligavereine stecken, stammen beide aus Lima.

Herzliche Menschen, farbenfrohe Kultur und viel unberührte Natur – Peru ist mit Sicherheit eine Reise wert. Aber es ist beschwerlicher als in Europa! Die meisten Straßen sind nicht asphaltiert. Extreme Höhen- und Temperaturunterschiede belasten den Kreislauf. Aber wer sich gut vorbereitet, wird einen der interessantesten Orte dieser Welt für sich entdecken.

Info:

Werden Sie Pate
Hilfe zur Selbsthilfe: Patenkinder Peru e.V.
Dieser Verein leistet direkte, unbürokratische Hilfe für Kinder. Der gemeinsame Einkauf von Grundnahrungsmitteln, Bildungshilfe durch Übernahme von Schulkosten und regelmäßige ärztliche Betreuung bieten Familien der Armenvorstädte eine Lebensperspektive.
Mit einem monatlichen Betrag von 26 Euro können auch Sie eine Patenschaft übernehmen.

Weitere Infos unter:
www.patenkinder-peru.org

Auch heute noch tragen viele Peruaner ihre traditionellen Trachten mit Stolz.
Große Teile des peruanischen Regenwaldes sind geschützte Gebiete, in denen die einzigartige Natur erhalten wird.
Der Überlieferung zufolge wurde Lima im 16. Jahrhundert hier am »Plaza de Armas« gegründet. Daher ist dieser zentrale Platz auch ein Mittelpunkt der Stadtgeschichte.
Fotos: Tina Denecken (2), Shutterstock (1)