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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Willkommen in Peking

Reis(e)land China

Olympia 2008 – Die Spiele können beginnen.

Aufgrund seiner eher surrealistisch wirkenden – aber der Natur nachempfundenen – Form taufte die Weltöffentlichkeit das nagelneue und hypermoderne Olympiastadion der Stadt Peking bereits während der Bauphase schlicht und einfach „Vogelnest“.

Eine Bezeichnung, die für Understatement spricht, bedenkt man, dass die gigantische Arena 91 000 Zuschauer fasst. Peking will sich der Welt majestätisch, fortschrittlich und – trotz aller inneren politischen Querelen – souverän präsentieren. Die chinesische Hauptstadt ist gerüstet für den Massenansturm und das unendliche Interesse der Medien. Die Spiele können beginnen.

Beeindruckende Millionenmetropole
Bereits der äußere Eindruck soll das Millionenpublikum in seinen Bann ziehen. Neben dem „Vogelnest“ bieten auch das einem riesigen Wasserwürfel ähnelnde Schwimmstadion sowie das „Ufo“ (so nennen die Einheimischen das neue Radstadion) außergewöhnliche Ansichten. Von den insgesamt 39 Wettkampfstätten, in denen sich vom 8. bis zum 24. August die besten Athleten der Welt auf allerhöchstem Niveau um wertvolles und prestigeträchtiges Edelmetall streiten werden, stampften die Olympia-Organisatoren der Millionenmetropole zwölf völlig neuartige Konstruktionen aus dem Boden.

Überhaupt musste Peking umwälzende Veränderungen in Kauf nehmen. Um die Luftreinheit der verkehrsintensivsten Metropole Asiens zu gewährleisten, werden die Stadtoberen pünktlich zum Beginn der Spiele strenge Abgasvorschriften durchsetzen.

Umwelt und Olympia
Die Umweltprobleme des Landes wie die Verschmutzung von Flüssen, Luft und Trinkwasser standen bei der Vergabe der Olympischen Sommerspiele natürlich ebenso wenig im Mittelpunkt der chinesischen Bewerbung wie die erheblichen Probleme im Verkehrssystem. Doch das International Olympic Committee (IOC) übte nach der Entscheidung zugunsten Pekings im Juli 2001 durchaus Druck auf die Organisatoren aus.
Bereits seit 1990 arbeiten die Chinesen intensiv an Lösungen. Und nicht ohne Grund repräsentieren nun vier der insgesamt fünf(!) Olympia-Maskottchen allesamt vom Aussterben bedrohte Spezies, die mit den typischen chinesischen Kindernamen Nini (Schwalbe), Yingying (Antilope), Jingjing (Panda) und Beibei (Fisch) ausgestattet sind. Hinzu kommt mit Huanhuan (Flamme) das traditionelle Element Olympias. Zusammengesetzt ergeben die fünf Figuren nicht nur die olympischen Ringe, sondern zusammen ausgesprochen auch eine Redensart, die so viel bedeutet wie „Willkommen in Peking“.

Reiseland der Superlative
Neben dem Interesse, das die Olympischen Spiele im August auf sich ziehen, werden viele Besucher auch zu den zahllosen Attraktionen des Landes gelockt. Mit der Verbotenen Stadt, den dreizehn Gräbern der Ming-Dynastie, den königlichen Parks des Sommerpalastes, die während der Jing-Dynastie von 1115 bis 1234 angelegt wurden, sowie dem Palast des Himmlischen Friedens bietet die Hauptstadt der Chinesen den Touristen ein intensives und umfangreiches Programm.

Hinzu kommen noch zwei weitere Anziehungspunkte von Weltrang. Mit dem Jangtsekiang fließt der mit über 6000 Kilometern längste Fluss Asiens durch das Land. Nicht minder gigantisch präsentiert sich das größte Bauwerk der Welt, die Chinesische Mauer. Allein die Hauptmauer dehnt sich auf über 2400 Kilometer aus, in ihrer gesamten Länge misst die ursprünglich als Grenzbefestigung gedachte Architektur mehr als 6300 Kilometer.

Die chinesische Küche
Auch wer sich nicht in der Lage sieht, das mit 1,3 Milliarden Einwohner bevölkerungsreichste Land der Erde zu besuchen, kann es genießen. Am ehesten natürlich in Gestalt vieler leckerer Speisen. Zahlreiche Restaurants servieren schmackhafte Gerichte mit Hühner-, Schweine-, Rind- und Truthahnfleisch in den unterschiedlichsten Variationen. Die chinesische Küche unterscheidet grundsätzlich folgende Geschmacksrichtungen: Sichuan (besonders scharf), Shandong (hauptsächlich Suppen, aber auch Gebratenes, Geschmortes oder Frittiertes), Guangdong (erlesene Zutaten mit besonders feinem Geschmack) oder Huai-Yang (Spezialitäten aus den Regionen um Huai’an und Yangzhou). Neben dieser Vielfalt bürgt der asiatische Speiseplan auch für eine besonders ausgewogene Ernährung.

Peking-Ente
Begibt man sich auf die Suche nach der bekanntesten Spezialität der Chinesen, dann stößt man unweigerlich auf die traditionelle Peking-Ente. Seit der Zeit der Ming-Dynastie bekannt und geschätzt erfreut sich die Delikatesse inzwischen weltweit höchster Beliebtheit. Chinesische Spitzenköche hüten das Originalrezept wie einen Schatz, gehören doch neben den ausgewählten Zutaten auch jede Menge Erfahrung zur fachgerechten Zubereitung. Allein schon der Moment, wenn das knusprige Geflügelfleisch vor den Augen der Gäste in Windeseile sauber von den Knochen getrennt wird, lohnt den Besuch eines darauf spezialisierten Restaurants – ob in China oder auch hier zu Hause.

Das Geschenk Gottes
Grundlage der Ernährung ist und bleibt aber der Reis, der überaus stärkehaltig sowie reich an Mineralstoffen und Spurenelementen ist. Während wir Europäer die Frucht der rund 7000 Jahre alten Kulturpflanze häufig als Beilage zu den unterschiedlichsten Speisen verwenden, essen die Chinesen den Reis so, wie wir das Brot genießen. Der Reis, der vornehmlich in den wasserreichen Südregionen Chinas angebaut wird, gilt in der Mythologie als Geschenk der Götter und steht für viele Chinesen im Wert noch immer deutlich vor Perlen und Jade. Probleme in der Reisversorgung nahmen in der Vergangenheit nicht selten Formen einer nationalen Katastrophe an. Im Jahre 2004 musste China als Folge der Bevölkerungsexplosion sogar erstmals Reis importieren.

Hoffen wir, dass für die Zukunft ein Weg gefunden wird, mit den bestehenden Ressourcen eine gerechtete Verteilung der Lebensmittel zu erreichen – und dass die Olympischen Spiele dazu beitragen werden, das Riesenreich China eines Tages zu demokratisieren.

nawe

Fotos: Shutterstock