Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Willkommen in der fünften Jahreszeit
Fasnacht – ein kräftiges Narri-Narro auf die bunte Ausgelassenheit.
Wenn keine Narren auf der Welt wären – was wäre dann die Welt?«. Recht hatte er, der Johann Wolfgang von Goethe, und machte mit seinem Gedicht »Vom Kölner Mummenschanz« das Narrenfest salonfähig. Beschwingt von Jubel, Trubel und Heiterkeit bestätigte er dem Karneval Kultur statt billigem Trallala – als eine Hommage an die tollen Tage, an denen Gott Jokus regiert.
Fasching, auch Karneval oder Fastnacht genannt, hat in Süddeutschland eine lange Tradition. Ebenso alt wie aberwitzig sind auch die Bräuche, mit denen die Zeit vor dem Aschermittwoch voll überschäumender Lebensfreude zelebriert wird. Deren Ursprünge gehen zurück bis zu den alten Römern.
So waren zum Beispiel während des sogenannten Saturnalienfestes sämtliche Standesunterschiede aufgehoben – und die Sklaven konnten mal so manches »rauslasse« – ohne als Löwenfutter zu enden. Sprich: an Karneval war schon immer alles erlaubt.
Auf zum großen »Fastenstreich«!
Für die einen ein einfaches Frühlingsfest, hing Fastnacht für die Katholiken eng mit ihrer Religion zusammen. Hier steht das althochdeutsche Fasta für Fastenzeit und naht für Nacht. Denn eigentlich sollte vor Ostern eine 40-tägige Fastenzeit eingehalten werden. Mittelalterlich bedeutete carnevale (lateinisch carne vale):
Fleisch, lebe wohl!
Fasching oder auch Vaschang kommt von Fastenschrank, und bezeichnet den letzten Ausschank bevorzugt alkoholischer Getränke vor der damals noch strengen Fastenzeit. Heute wird eher locker gefastet – dafür aber umso kräftiger gefeiert.
Einen Vorgeschmack davon, wie ernst es die Süddeutschen mit ihrem Karneval meinen, bekommt man als Nordlicht schon, wenn man zur besagten Zeit am Kölner Flughafen ankommt und denselben mit üppiger Luftschlangen-Deko und das Boden-Personal in entsprechender Hochstimmung vorfindet. Da schwant einem sofort: Die Entertainment-Choreografie dieses Feier-Marathons ist nicht ohne.
Erstaunlich allerdings ist, wie leicht man sich dabei von der Begeisterung der süddeutschen Frohnaturen anstecken lassen kann. So kann die Inkubationszeit ein paar wenige Stunden betragen. Schon ist der Funke übergesprungen – mit oder ohne Mariechen.
Und während man sich von dem feuchtfröhlichen Mummenschanz mitreißen lässt, denkt man unweigerlich an Hamlets Worte: »Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode«.
Denn eigentlich basiert das Jeckentum auf einer christianisierten Form der heidnischen Geister- und Winteraustreibung, die sich hier in einer äußerst fröhlichen Art des Exorzismus präsentiert.
Einige behaupten sogar, er entbehre nicht einer Verhöhnung der französischen Besatzung am Anfang des 19. Jahrhunderts. Damit sei dann auch der Begriff »Stimmungskanone« geklärt.
Da wird jedes Jahr großräumig umgezogen!
Als absolutes Highlight des Karnevals führt der Rosenmontag mit seinen aufwendig arrangierten Umzügen. Der bekannteste dieser pompös vor sich hinrollenden Aufmärsche gegen den tierischen Ernst findet im Rheinland statt – gefolgt von den großen Umzügen im Schwabenländle, bei denen es vermummte Narren laut rasselnd und schellend durch die Straßen treibt: Sozusagen als direkte Fortsetzung alter germanischer Traditionen, behaupten die Schwaben.
Aber Moment mal – wer hats erfunden? Die Schwaben? Oder wie es bei den berühmten Comic-Galliern heißt: Spinnen die Römer? Bei deren farbenprächtigen Umzügen nämlich pflegte man sich mit kleinen Rosen zu überschütten. Diese Röschen gelten heute als die Vorläufer des Konfetti.
Apropos: Bei all diesen neckischen Aktivitäten bleibt echten Karnevalisten für alltägliche Rituale wie zum Beispiel regelmäßige Mahlzeiten kaum Zeit. Und da das »Snacken für Jecken« bevorzugt aus Gläsern stattfindet, wird eine Karnevals-Disziplin besonders genossen: Das Schunkeln – jener im Kollektiv ausgetragene Sitz-Tanz, bei dem man dank beidseitiger Hilfe im Takt bleibt und nicht umkippen kann.
Zudem ist dieses beschwingte Hin und Her der Sehnsucht nach persönlichen Nähe sehr einträglich: Denn von Narrenkappen getarnt werden da wohl so manche zarte Bande geknüpft.
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