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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Wenn Humor platt macht

Die niederdeutsche Leseshow: „Ina Müller liest und singt op Platt“

Gestatten: Ina Müller, einst blondes, jetzt grau gelocktes Energiebündel, das seit Jahren ausverkaufte Säle in Norddeutschland zum Kochen bringt. 1965 erblickte sie in Köhlen (Landkreis Cuxhaven) als vierte von fünf Töchtern das Licht der Welt.

Der turbulente Alltag der Großfamilie ist geprägt von Kühemelken, Mähdreschen, weit und breit keinen Bergen, die ohnehin bloß die Sicht zum Horizont versperren, und natürlich Plattdeutsch! Die erste Fremdsprache auf dem Lehrplan ist also nicht Englisch, sondern Hochdeutsch. Nach kurzer Zeit im Beruf der Pharmazeutisch-Technischen Assistentin wagt sie den Schritt als Quereinsteiger auf die Bühne: als Musikkabarettistin.

Erfolg mit „Queen Bee“

Ihre Entscheidung für die Musik erweist sich als der definitiv richtige Schritt – das zeigt sich nicht erst 2001, als sie an der Seite von Edda Schnittgard mit dem Duo „Queen Bee“ den Deutschen Kleinkunstpreis gewinnt.

Zu dem Zeitpunkt tingeln die beiden Frauen bereits seit einigen Jahren von Bühne zu Bühne und machen auch mit niederdeutschen – alles andere aber als platten – Texten auf sich aufmerksam. Jetzt, nach einigen Wohnortwechseln, von Köhlen über Sylt nach Hamburg und bis nach München, packt Ina Müller erneut die Koffer und kehrt zurück in die Hansestadt.

Un wat de nich allns to vertelln heb!

Schon seit längerem kommen regelmäßig die NDR-Hörer in den Genuss ihres trockenen Humors. Die Beiträge zur Sendereihe „Hör mal ’n beten to“ bilden außerdem die Grundlage für ihr erstes Buch „Platt is nich uncool“ (Quickborn-Verlag); es folgen weitere Bücher und Hörbücher wie „Mien Tung is keen Flokati“ und „Schöönheit vergeiht, Hektar besteiht“. Ob live oder aus dem CD-Player, ihre Leseshows haben Kultcharakter.

Ina Müller präsentiert Geschichten, selbstironisch, derb, liebevoll und teilweise biografisch, sowie einen musikalischen Teil mit plattdeutschen Versionen von Klassikern und aktuellen Hits der Rock- und Pop-Geschichte. So wird Stings „Fields of Gold“ zu „Veel to olt“ (Viel zu alt) oder Bob Dylans „Knockin’ on heaven’s door“ zu „Lockiget Hoor“ (Lockiges Haar).

Das aktuelle Programm

Wie endgültig der Abschied von „Queen Bee“ und ihrer langjährigen Mitstreiterin Edda Schnittgard auch sein mag, dem norddeutschen Dialekt bleibt Ina Müller in ihrer neuen musikalischen Leseshow „Ina Müller liest und singt op Platt“ natürlich treu. Ebenso wie ihren Lieblingsthemen, die nach wie vor um die Absurditäten des Alltags kreisen, um die unmögliche Beziehung zwischen Mann und Frau und den Umstand, dass Laptop und Kuhstall nicht immer unter einen Hut zu bringen sind. Begleitet wird sie von den Musikern des Spardosenterzetts. Und hier beweist Ina Müller einmal mehr ihren missionarischen Geist, denn die Herren stammen allesamt aus dem Ruhrpott.

Sollte also immer noch das Gerücht kursieren, Fischköppe seien humorlos – ein Live-Erlebnis mit Ina Müller schafft es endgültig aus der Welt. Ihr neues Programm ist (wieder mal) eine Hommage ans Flachland, und die ist eben alles andere als flach …
Neugierig? Na, denn kiek mol hier rin: www.inamueller.de

tide

Fotos: Sebastian Damberger, Martin Pölcher