Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
Meine Gesundheitsapotheke
Weise Worte aus der Obstschale
Täglich liegen sie uns auf der Zunge: Redensarten für alle Lebenslagen. Doch wissen wir immer so genau, was wir da gerade sagen?
Kirschen, Pflaumen, Äpfel … Was ausgesprochen fruchtig klingt, wächst längst nicht immer am Baum heran.
Herzförmig, wie sie sind, gelten Kirschen seit jeher als Symbol der Liebe und Zuneigung. Doch auf die Idee, dass mit unfreundlichen Menschen »nicht gut Kirschen essen ist«, kam der Volksmund aus einem anderen Grund. In ihrer ursprünglich längeren Form nämlich warnte diese Redewendung die einfachen Leute vor dem Hochmut der Reichen und Mächtigen: »Mit hohen Herren ist nicht gut Kirschen essen, sie spucken einem die Kerne ins Gesicht.« Das Sprichwort entstand zu einer Zeit, als sich nur Klöster und Adlige den Anbau von Kirschbäumen leisten konnten. Die süßesten Früchte aßen damals also wirklich nur die großen Tiere, das arme Volk musste in den sauren Apfel beißen.
Wer ist die Schönste im ganzen Land?
Das Streitobjekt »Zankapfel« gab es schon in der altgriechischen Mythologie. Dieses von Eris, der Göttin der Zwietracht, kreierte Spezialobst trug die Aufschrift »der Schönsten«; und dieser Ehrentitel wurde von den drei Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite gleichermaßen beansprucht. Da forderten sie den trojanischen Königssohn Paris auf, ein Urteil zu fällen. Paris erwählte die Liebesgöttin
Aphrodite zum ersten »Top-Model« der Welt. Zum Dank verkuppelte Aphrodite ihn mit der wunderschönen, aber leider verheirateten Helena - und beschwor dadurch den Trojanischen Krieg herauf.
Veräppelt und angepflaumt
Ganz ohne echtes Obst kommen wir jedoch aus, wenn wir jemanden »veräppeln«, ihn also etwas Falsches glauben lassen und dadurch lächerlich machen. Dieser Begriff geht auf das jiddische Wort »eppel« zurück, meinen die Sprachforscher, was soviel bedeutet wie: »nichts«. Nichtiges glauben also? Plausibel wäre jedoch auch eine Herleitung vom jiddischen »ewil«, was schlicht und einfach »Dummkopf« bedeutet.
Eine weitere völlig »frucht-lose« Tätigkeit ist es, andere Menschen »anzupflaumen«, sie also schroff anzufahren oder zu beschimpfen. Mit »Pflaumen« ist hier nämlich der Vorgang des Federnausrupfens, das so genannte »Flaumen« gemeint, das früher mit »pf« geschrieben wurde. Wer angepflaumt wird, muss also Federn lassen – und steht dann da wie ein gerupftes Huhn; aber nicht wie eine Zwetschge.mimu





