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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Warum immer aufs Ganze gehen?

Die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst

„Kein Mensch ist eine Insel“, stellte einst der britische Dramatiker und Geistliche John Donne fest.
Damit wollte er zum Ausdruck bringen, dass ein von der Gemeinschaft losgelöstes Individuum nicht aufblühen könne.

Es scheint so, als habe Deutschlands größte Halbinsel diese Einschätzung verinnerlicht. Jedenfalls zeigt sie sich in Donnes Sinne von ihrer menschlichen Seite und hält mit der Küste Mecklenburg-Vorpommerns Verbindung. Zunehmend entdecken Touristen die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Naturliebhaber, Wassersportler und auch Familien mit Kindern lassen sich von den verschiedenen Landschaften in Entzücken versetzen.

Im Sande verlaufen

Noch vor wenigen Jahrhunderten war die heute aus drei Landstrichen bestehende Peninsula westlich von Rügen eine Kette einzelner Inseln. Von West nach Ost besteht die Region aus den Teilen Fischland, dem Darß und dem Zingst. Permanent wirken die Kräfte der Erosion auf das Landschaftsbild ein. Dies bekommt besonders die Westküste und hier wieder die Steilküste zwischen den Ostseebädern Ahrenshoop und Wustrow zu spüren. Gut 50 Meter Land fielen in den vergangenen 100 Jahren Stürmen und Strömungen zum Opfer. Land, das zum Großteil am Nordstrand wieder angespült wurde und aus dem sich das geformt hat, was die Halbinsel heute auszeichnet: 60 Kilometer feinsandige Strände, die sich bis zum Horizont erstrecken.

Die Herkunft des Namens

Zieht man die vielen kleinen Fischerdörfer in der Gegend heran, fällt es nicht schwer zu erraten, woher der Name der Region Fischland rührt. Nicht ganz so einfach ist die Deutung der Namen Darß und Zingst. Das niederdeutsche „dwars“ heißt so viel wie „quer“. Der Zusammenhang leitet sich aller Wahrscheinlichkeit nach vom Verlauf der Halbinsel zum Festland ab. Auch über die Herkunft der Darßer Bürger wird spekuliert. Angeblich sind sie die Nachfahren englischer Schiffbrüchiger aus dem 14. Jahrhundert.
Und tatsächlich tragen viele Einwohner Nachnamen „denglischer“ Anmutung wie etwa Wallis, Newmann oder Kräft! Zingst wiederum hat seinen Ursprung vermutlich im altslawischen Wort „seno“, das für „Heu“ steht, das die vielen Wiesen des Landstriches liefern.

„Einmal Bodden bidde“

Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ist mit einer Fläche von 805 Quadratkilometern der größte der neuen Bundesländer. Steil- und Flachküsten, Nehrungen, Buchten, Strandseen und Dünen bestimmen das abwechslungsreiche Bild. Verwirrt, ob er sich an der richtigen See befindet, mag sich mancher Besucher angesichts des sogenannten Windwatts zeigen. Anders als bei Ebbe und Flut steuern hier nicht Sonne und Mond den Fluss des Wassers, sondern starke Winde drücken es aus Flachwasserbereichen hinaus in die Ostsee.

Erst mit wechselnder Windrichtung fließt das Wasser zurück. Jenes Windwatt dient im Herbst als Nährgrund für bis zu 50 000 Kraniche. Diese bei ihrem Zwischenstopp zu beobachten ist schon ein eindrucksvolles Schauspiel der Natur. Doch nicht nur Zugvögel schätzen das ruhige Gewässer. Auch Segler, Taucher und Surfer finden hier ideale Bedingungen vor.

Quadratkilometer pro Einwohner

Die Halbinsel ist nur dünn besiedelt. Die ländliche Abgeschiedenheit und die idyllische Landschaft entdeckten gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch eine Hand voll Künstler für sich und gründeten ihre Kolonie in Ahrenshoop. Die Szene hat sich bis heute gehalten. Regelmäßig werden in den Orten Zingst, Ahrenshoop, Ribnitz und Prerow künstlerische Workshops abgehalten.

So unberührt die Natur, so unverfälscht präsentieren sich die vielen Fischereihäfen, denen der Balanceakt zwischen Tourismus und der Erhaltung des dörflichen Charakters geglückt ist. Bester Beleg dafür sind die in fast jedem Boddenhafen anzutreffenden und für die Region so typischen Zeesenboote (Fischerboote, die seit dem späten 15. Jahrhundert gebaut werden).

Darß gibt’s noch zu sehen

Der Sommer ist vorbei. Na und? Die Region weiß auch so zu überzeugen. Im Aquadrom zieht der Besucher bei konstanten 29 °C im mit Meerwasser gefüllten Becken seine Bahnen. Versteht sich, dass das ganze Spektrum der Wellness das Wohlfühlprogramm abrundet. Weitere Tipps sind Spaziergänge inmitten der farbenprächtigen Abenddämmerung, eine Radtour zum ältesten immer noch in Betrieb befindlichen Leuchtturm an der Ostseeküste, „Darßer Ort“, oder der Besuch der größten Bernsteinausstellung Deutschlands im Museum zu Ribnitz-Damgarten. Und hieße es nicht über genau jenen „Stein“, dass er das „Gold des Meeres“ sei, könnte man denken, jemand hätte diese Bezeichnung für Fischland-Darß-Zingst gefunden!

Weitere Informationen finden Sie unter www.fischland-darss-zingst.

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Fotos: voigt & kranz, Prerow und Uwe Engler, Berlin, Fotos: Uwe Engler, Karte: Dwaarslöper