Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Vom Steinträger zum Seekonsul
Buchvorstellung
Ildefonso Falcones erzählt in „Die Kathedrale des Meeres“ vor dem Hintergrund des Kirchenbaus von einer beeindruckenden Karriere.
Wir schreiben das Jahr 1329. Der kleine Arnau und sein Vater Bernat fliehen vor der Unterdrückung ihres brutalen Lehnsherren in das freie Barcelona, wo sie im Viertel der Töpfer und Hafenarbeiter Unterschlupf finden.
Der Junge erlebt den Bau der Kathedrale „Santa María del Mar“ als einer der unzähligen freiwilligen Steinträger. Während das imposante Gotteshaus unaufhörlich in den Himmel wächst, leiden die Menschen in ihrem Schatten allerdings unter der Willkür des Adels und der drohenden Pest. Arnau gelingt in dieser von Reichtum und Armut geprägten Zeit der Aufstieg zum Seekonsul und zu einem der angesehensten Bürger der Stadt. Bis er eines Tages Opfer einer Intrige wird. Nun ist sein Leben in größter Gefahr.
Die wahre „Kathedrale des Meeres“
Der Legende nach war der Bauplatz dieser Kathedrale schon seit frühester Zeit von besonderer Bedeutung. 1329 wurde der Grundstein zu diesem Bau des Architekten Berenguer de Montagut gelegt. Nach einer unglaublich kurzen Bauzeit von nur 55 Jahren konnte sie 1384 bereits geweiht werden. Alle in dem Viertel „La Ribera“ vertretenen Zünfte beteiligten sich an ihrem Bau. Schließlich wird ihrer eifrigen und unentgeltlichen Mühen mit einer kleinen Bronzetafel im Hauptportal gedacht. Die „Kathedrale des Meeres“ ist ein Musterbeispiel katalanischer Gotik und zudem die einzige ihrer Art, die jemals in Barcelona auch vollendet wurde.
Der Autor
Der Katalane Ildefonso Falcones ist derzeit Spaniens Literaturstar. Fünf Jahre schrieb der hauptberufliche Anwalt in seiner Freizeit an dem Roman. Der Erfolg seines Werkes kam für Falcones, nachdem sein Buch von diversen Verlagen abgelehnt worden war, vollkommen überraschend. „Die Kathedrale des Meeres“ erscheint in 30 Ländern und hat sich allein in Spanien bereits über zwei Millionen Mal verkauft.
Einzig der Konflikt der kulturellen Zugehörigkeit wirft einen Schatten auf diese Erfolgsgeschichte. Der Nationalismus in Katalonien sorgt seit Generationen für Spannungen. So werden beispielsweise vom katalanischen Kulturbetrieb Literaten, die nicht auf Katalanisch schreiben, ausgeschlossen, womit ihnen auch die üblichen Subventionen verwehrt werden. Im Ausland feiern aber nur Autoren nennenswerte Erfolge, die auf Spanisch schreiben, wie auch Carlos Ruiz Zafón mit „Der Schatten des Windes“. kh





