Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Viel Spaß bei Windstärke 7
Kieler Woche
Anlaufpunkt für Millionen: die Kieler Woche 2008.
Seit 126 Jahren findet in Kiel das größte Segelsportereignis und gleichzeitig das größte Volksfest Europas statt, die Kieler Woche. Vom 21. bis zum 29. Juni, wie immer traditionell in der letzten vollen Juniwoche, wird das neuntägige Fest 3,5 Millionen Besucher aus der ganzen Welt an die Kieler Förde locken.
Der Startschuss – eigentlich das Start-„Läuten“ – fällt am 21. Juni um exakt 19 Uhr, und in diesem Jahr ist schon der Beginn dieses gesellschaftlichen, sportlichen und auch kulturellen Ereignisses ein Highlight. Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt es sich nicht nehmen und wird, wie schon vor zwei Jahren, die diesjährige Kieler Woche mit dem obligatorischen Läuten der Glocke, dem sogenannten Glasen, eröffnen. Am Sonntag, dem 29. 6., geht die Kieler Woche dann mit einem großen Feuerwerk über der Förde zu Ende. Dazwischen liegen viel Spaß, Sport und Veranstaltungen, die man nicht verpassen sollte.
Leinen los!
Rund 5000 Segler mit 2000 Booten machen beim größten Segel-Event der Welt in Kiel fest, und schon Tage vorher gehören Autos mit Anhänger zum Straßenbild, wollen doch alle rechtzeitig startklar sein. Dabei geht es bei der ersten Wettfahrt der Kieler Woche, der Aalregatta, eher gemütlich zu. Am ersten Sonnabend, dem 21. 6., machen sich um 10 Uhr rund 200 Schiffe in allen Größen auf den Weg von Kiel nach Eckernförde.
Ein sehr buntes Schauspiel, vor allem wenn es die Windverhältnisse zulassen und die Segler ihre Spinnaker setzen können.
Sportlicher wird es dann schon auf den Seebahnen in Schilksee, im Norden Kiels. Die ersten vier Tage sind die internationalen Bootsklassen dran, danach wird in den olympischen Klassen um den Sieg gesegelt. Dass es sich dabei um ein im höchsten Maße sportliches Ereignis handelt, zeigt der Umstand, dass im Rahmen der Kieler Woche beispielsweise Europameisterschaften oder Internationale Deutsche Meisterschaften ausgetragen werden. Oder auch, dass in Kiel eine sportliche Disziplin Premiere hat, die erstmals bei den olympischen Spielen 2012 Bestandteil des Segelprogramms werden wird: das Frauen Match Race (dabei segeln immer nur zwei Yachten direkt gegeneinander, wobei eine Wettfahrt aus mehreren Läufen besteht).
Ein (optischer) Höhepunkt des seglerischen Teils der Kieler Woche ist mit Sicherheit die große Windjammerparade. Mehr als 100 Groß- und Traditionssegler versammeln sich im Kieler Hafen und ziehen, wie immer angeführt vom Segelschulschiff Gorch Fock und begleitet von unzähligen kleinen Yachten und Booten, raus auf die Kieler Förde. Ein regelmäßig viel bestaunter und bewunderter Augenschmaus, der sich alljährlich am zweiten Kieler-Woche-Sonnabend, diesmal also am 28. 6., den tausenden Schaulustigen bietet.
Ein Tipp vorab: Interessierte sollten sich an diesem Tag schon frühzeitig einen guten Platz irgendwo entlang des West- oder Ostufers sichern.
Kieler Woche kulinarisch
Das Open-Air-Festival der Superlative ist auch so was wie das größte Freiluft-Restaurant überhaupt. Jede Ecke hat besondere Angebote, ein Stand reiht sich an den nächsten, hier wird jeder noch so ausgefallene kulinarische Wunsch erfüllt.
An der Hörn, dem großen Kieler-Woche-Areal rund um den Museumshafen, befindet sich neben zahlreichen internationalen Spezialitätenständen das große »Unser Norden«-Dorf. Auf über 1500 Quadratmeter Fläche werden keine Wünsche offengelassen: bei frischen Erdbeeren über die Klassiker Pommes und Bratwürste bis hin zu Kaffee und Kuchen werden die Besucher mit sehr Portemonnaie-freundlichen Preisen belohnt. Und auch an einen möglichen (hoffentlich nur kurzen) Regenschauer wurde gedacht: Es gibt eine große, überdachte Sitzfläche.
Ähnlich abwechslungsreich sieht es auch an der Kiellinie aus: gebrannte Mandeln oder Backfisch, Liebesäpfel oder Steaks vom Schwenkgrill. Besonders Fisch-Fans kommen hier auf ihre Kosten: Am Stand von Delikatessa MARINA wird er in jeder erdenklichen Zubereitungsart serviert und kommt, ob Räucheraal oder Sushi, immer fangfrisch auf den Teller.
Rund um den Rathausplatz wird auch in diesem Jahr wieder der Internationale Markt Speisen aus aller Welt anbieten. Passend zum 31-jährigen Bestehen präsentieren sich diesmal 31 Nationen. Es braucht also keine weite Flugreise, um sich wie in Estland, Irland oder Pakistan zu fühlen.
Die Mitmach-Woche
Nicht nur Segler dürfen bei der Kieler Woche „mitmachen“, auch sonst gibt es für Groß und Klein reichlich Gelegenheit, den „Spieltrieb“ auszuleben. Für Kinder steht in jedem Fall die Spiellinie auf der Krusenkoppel wieder ganz oben auf der Wunschliste.
Auf fast 60 000 Quadratmetern können die Kleinen spielen, bauen, matschen, basteln oder einfach nur zugucken – inmitten hügeliger Wiesen zwischen alten Bäumen und mit herrlichem Blick auf die Förde. Jeden Tag verwandelt sich der Park ein Stückchen mehr in eine neue Welt. „Wo die Sonne aufgeht“ ist in diesem Jahr das Motto, ein fantasievolles Reich der Mitte soll entstehen mit japanischen Gärten, Tempeln, Teehäusern und Drachen.
Mitmachen“ der ganz anderen Art ist hingegen auf der großen »Unser Norden«-Bühne an der Hörn gefragt. Bis Ende Mai hatten Tanzgruppen aus dem ganzen Land die Gelegenheit, sich für den Dance Contest zu bewerben. Egal ob Modern Dance, Hip-Hop oder Videoclip-Dance, vom 20. bis 28. 6. haben die Bewerber jeden Tag die Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen. Vor großem Kieler-Woche-Publikum findet dann am Sonntag, 29. 6., das Finale statt – dabei gehts ums Ganze. Aus den jeweiligen Tagessiegern wird der international renommierte Choreograf und BodyART-Trainer Robert Steinbacher diejenige Gruppe auswählen, die den »Unser Norden«-Dance Contest gewinnt und das Preisgeld einstreichen darf.
Neben Land und Wasser erobert sich die Kieler Woche in diesem Jahr nun zum zweiten Mal auch die Luft. Auf dem Nordmarksportfeld werden nicht nur 70 Heißluftballons mit zum Teil spektakulären Formen (zum Beispiel das Brandenburger Tor oder der Orient-Express) in die Luft gehen, auch Fallschirmspringer, Modellflugzeuge und Lenkdrachen können in Aktion bewundert werden. Zum Mitmachen ist allerdings der sichere Boden besser geeignet. Drachen können gebaut und genäht werden, es gibt einen Ballonflugwettbewerb und wer will, kann schon einiges über die Theorie und Praxis in Sachen Luftfahrt lernen.
Musik ist Trumpf
Der heimliche Star auf der Kieler Woche ist, neben dem sportlichen Segel-Event, natürlich das fast unschlagbare Angebot an Open-Air-Konzerten. Gut 300 Konzerte sind es in diesem Jahr, die den Musikfan vor die Qual der Wahl stellen. Auf insgesamt 16 Bühnen wird von Klassik bis Rock alles geboten, was die Musiklandschaft her gibt. Würde man die Stars zu einem anderen Zeitpunkt als der Kieler Woche sehen wollen, müsste man schon mehrere Hundert Euro Eintrittsgeld auf den Tisch legen. So gibt es zehn Tage lang Musik vom Feinsten, und das zum Nulltarif. Einzige Ausnahme sind die „Gewaltig leise“ Konzerte auf der Krusenkoppel. Aber sonst heißt es für alle Bühnen von Schilksee bis an die Hörn: Eintritt frei!
Clevere Kieler-Woche Besucher stellen sich natürlich rechtzeitig ihr persönliches Programm zusammen und koordinieren ihre Besuche auf der längsten Festmeile Europas so, dass sie möglichst viele ihrer Lieblingskünstler sehen können.
Das ist bei 300 Konzerten allerdings auch mit Arbeit verbunden, deshalb wollen wir schon einmal ein paar Namen nennen: Beim Auftakt am Freitag Abend, dem sogenannten Soundcheck, hängt mit Patrick Nuo (debitel Port auf der Reventlouwiese) oder Jennifer Rush (»Unser Norden«-Bühne) die Messlatte schon recht hoch. Am Donnerstag ist die »Unser Norden«-Bühne Pflicht, dort spielt Tiffany, die Kult-Cover-Band aus Kiel.
Hochkarätig geht es am Freitag weiter – da spielen an der Hörn die diesjährigen Teilnehmer beim Eurovision Songcontest, die No Angels, und auf dem Rathausplatz hat eine ganz besondere Konstellation Premiere: die Rockröhre Suzie Quatro singt in Begleitung des Philharmonischen Orchesters Kiel. Der Sonnabend dann hat nicht nur einen Höhepunkt parat. Neben Laith-al-Deen (NDR-Bühne) steht die Band „Kettcar“ auf der »Unser-Norden«-Bühne. Die sechs Konzerte der fünf Jungs in Hamburg im April waren auf einen Schlag ausverkauft – und für alle, die nicht dabei sein konnten, gibt es jetzt „Kettcar“ für lau.
Und am Sonntag? Keine Frage: Um 23 Uhr das Feuerwerk mit Musik auf der Förde. Ein schöneren Ausklang kann man sich nicht vorstellen.
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