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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Verträumt und aufgeweckt zugleich

Heidelberg - eine Stadt mit viel südlichem Charme.

Viele Gedichte, Lieder und Filme existieren über die herrliche Neckarstadt. Die einstige Residenz der Pfalzgrafen und Hauptstadt der Kurpfalz war und ist Anziehungspunkt für Gelehrte und Kulturfreunde, für Reisende und Romantiker aus aller Welt.

Unweit der Mündung des Neckars in den Rhein, in einer der wärmsten Regionen unseres Landes, befindet sich das zauberhafte Heidelberg, fünftgrößte Stadt Baden-Württembergs. Gemeinsam mit Mannheim und Ludwigshafen bildet es den als Rhein-Neckar-Dreieck bekannten Wirtschaftsraum (seit 2005 europäische Metropolregion).

Offen für Exoten
Eingebettet in die Oberrheinische Tiefebene, überwiegend am linken Ufer des unteren Neckar und umgrenzt von Königstuhl und Gaisberg, liegt die Stadt direkt am Europäischen Fernwanderweg (E1 von Mittelschweden bis Umbrien) und vier beliebten Ferienstraßen (Bergstraße, Bertha Benz Memorial Route, Burgenstraße und Straße der Demokratie).

Die geschützte Lage zwischen Pfälzerwald und Odenwald sowie die Zufuhr von maritimen Luftmassen begünstigen ein ganzjährig mildes Klima. Hier gedeihen Mandel- und Feigenbäume! Auch wurde vor etwa zehn Jahren wieder erfolgreich mit dem Weinbau begonnen.
Wer genau hinschaut, wird den einen oder anderen Flattermann entdecken, dessen Federkleid darauf hindeutet, dass er eigentlich in anderen Gefilden daheim ist als in Deutschland: In Heidelberg existiert eine frei lebende Population des afrikanischen Halsbandsittichs und der sibirischen Schwanengans, die man zum Beispiel auf der Neckarinsel und auf den Neckarwiesen antrifft – zwei Exoten, die vermutlich aus dem Zoo ausgebüxt, im wahrsten Sinne hier »gelandet« und schließlich heimisch geworden sind!

Ein reiches kulturelles Erbe
Im unmittelbaren Umkreis des heutigen Heidelberg fand man vor etwas mehr als 100 Jahren in einer Sandgrube den Unterkiefer eines Urmenschen, »Homo heidelbergensis« (»Heidelbergmensch«), von welchem der Neandertaler abstammen soll. Aber so weit wollen wir jetzt nicht ausholen ...
Die Stadtgründung ist auf das zwölfte Jahrhundert datiert. Die Geschichte jedoch reicht bis in keltische und römische Zeiten zurück. Vom 13. Jahrhundert bis ins Jahr 1720 residierten hier die Pfalzgrafen und verhalfen Heidelberg zu Ruhm und Ansehen bis weit über die Landesgrenzen hinaus. 1386 gründete Ruprecht I. die Universität Heidelberg als dritte Hochschule (nach Prag und Wien) im Heiligen Römischen Reich. Sie ist also die älteste unseres Landes.

Zwar sprengte 1945 die Wehrmacht bei ihrem Rückzug unter anderem die »Alte Brücke«, aber Heidelberg überstand als eine der wenigen deutschen Großstädte den Zweiten Weltkrieg nahezu unversehrt und zog daher in der Folgezeit viele ausgebombte und vertriebene Deutsche an.
Es wurde Teil der amerikanischen Besatzungszone, Standort hoher Kommandostellen der US-Armee und ist bis heute Sitz des NATO-Landeshauptquartiers Mitteleuropa.

Schlossansichten
»Alt Heidelberg, du Feine / drei Dinge nenn ich deine / das alte Schloß, den Neckarfluß / und den Heidelberger Studentenkuß.«

So heißt es in einem stadtbekannten Vers, und genau in dieser Reihenfolge sollten die unverzichtbaren Anlaufpunkte der Stadt auch in Angriff genommen werden – schließlich ist die Spezialität im Café Knösel ein wenig zu kalorienreich, um sie vorab zu genießen.
Schloss, Fluss, Brücke – das sind die Hauptcharakteristika Heidelbergs und die Bestandteile des modernen Stadtlogos. Das traditionelle Wappen zeigt in Schwarz auf grünem Dreiberg schreitend einen goldenen Löwen, das Wappentier der Pfalzgrafen.

Das Heidelberger Schloss ist eine der berühmtesten Ruinen Deutschlands und Wahrzeichen der Stadt. Das Bauwerk entstand als wehrhafte Burg 80 Meter oberhalb des Neckartals am Nordhang des Königstuhls und entwickelte sich rasch zur prunkvollen Adelsresidenz.

Seit der Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde es nur teilweise restauriert.
Ein Brand nach einem Blitzschlag besiegelte vorläufig das Schicksal des gerade wieder hergestellten Schlosses. Und so diente die Ruine als Steinbruch für das neue Schwetzinger Sommerschloss und die Bürger der Stadt, bis sie Ende des 18. Jahrhunderts in der Literatur als Sinnbild für Vergänglichkeit aufgegriffen und auf politischer Ebene als nationalistisches Monument verklärt wurde.

Über Jahrhunderte haben verschiedene Herrscher das Schloss nach Lust und Mode gestaltet, sodass es alle Stilepochen zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert kombiniert.

Stadtbummel oder Wandertour?
Mehrere große Brücken verbinden die beiden Neckarufer. Die bekannteste ist wohl die »Alte Brücke«, offiziell »Karl-Theodor-Brücke«, eine der ältesten Deutschlands, die in ihrer heutigen Form 1788 erbaut, nach ihrer Sprengung jedoch erst 1947 wieder vollständig rekonstruiert wurde.

Hauptverkehrsknotenpunkt ist der Bismarckplatz. Von hier aus führt eine der längsten Fußgängerzonen Europas (1,6 Kilometer) durch die barocke Altstadt Heidelbergs, entlang einer Vielzahl bedeutender, historischer Bauwerke. Hierzu zählen beispielsweise das Rathaus (1701 – 03), die Heiliggeistkirche (1398) und das Hotel »Zum Ritter St. Georgen« (1592), ältestes Bürgerhaus im Stile der deutschen Renaissance und eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten
der Stadt.

Wer die Vogelperspektive vorzieht, fährt mit einer der ältesten Bergbahnen Deutschlands hinauf zur Molkenkur, um sich auf Waldpfaden zum Gipfel des Königstuhls (568 Meter) durchzuschlagen. Oder man nimmt die zweite Bergbahn hi-nauf, um den herrlichen Panoramablick auf Stadt und Land zu genießen.
Ruhe und Erholung finden Sie bei einem ausführlichen Spaziergang auf dem Philosophenweg, dem »Balkon der Stadt« mit vielen exotischen Gewächsen. Er führt entlang des Heiligenberges auf der nördlichen Neckarseite und bietet einen wunderschönen Blick auf Stadt und Schloss.

Um Sie herum wird »kurpellsisch« gebabbelt, hochdeutsch: der Pfälzer Dialekt in Kurpfälzer Ausprägung gesprochen. Noch, wohlgemerkt. Denn die lokale Mundart wird auf Grund des hohen Anteils Zugezogener mehr und mehr durch das Hochdeutsche verdrängt. Wollen wir hoffen, dass auch diese charmante Klangfärbung dieser schönen Stadt noch ein wenig erhalten bleibt.tide

Schon seit dem 15. Jahrhundert werden Reisende in Heidelberg von einem spottenden Brückenaffen begrüßt. Dieses aktuelle Modell ist von 1979.
Die alte Heidelberger Bergbahn bringt ihre Fahrgäste auch heute noch zuverlässig auf den Berg Königstuhl.
Weil er als eines der ersten aus Stein gebaut war, überstand der Renaissance-Bau »Haus zum Ritter« im Laufe der Jahrhunderte viele Feuersbrünste.
Obwohl es schon vor Jahrhunderten zerstört wurde, prägen die Überreste des Heidelberger Schlosses immer noch das Bild der Altstadt.