Artikel rund um das Thema Reisen und Kultur

 
Sie sind hier: Reise & Kultur / Artikel
Donnerstag, 24. Mai 2012
...

Unser feuriger Norden

Das Biikebrennen in Nordfriesland

In der Nacht vom 21. zum 22. Februar leuchtet die Nordsee! Jedenfalls an ihrem nordfriesischen Ende an der schleswig-holsteinischen Westküste. Denn dann wird auf den Inseln Sylt, Amrum und Föhr, auf den Halligen, etwa auf Langeneß und Hooge, auf Nordstrand und Pellworm und auch auf dem Festland, z. B. in Niebüll, Stollberg, Bredstedt und in der Hattstedter Marsch, das alljährliche Biikebrennen veranstaltet. Einheimische und Gäste versammeln sich um die zündelnden Flammen riesiger Holzstöße zum fröhlichen Winterfest, bei dem nicht nur das Feuer, sondern oft auch Punsch, Musik und Tanz für angenehme Außen- und Innentemperaturen sorgen.

Der Winter, Wotan und die Walfänger

Das friesische Wort „Biike“ bedeutet Seezeichen, Signalfeuer oder Feuermal. Welche Zeichen werden hier gesetzt? Über den Ursprung und die Bedeutung dieses Brauchs gibt es verschiedene Theorien.

Man munkelt (nicht nur in der Sylter Munkmarsch), dass die Flammen der Biike, die gern in der Nähe von Hünengräbern entzündet werden, bereits in grauer Vorzeit die Aufgabe hatten, die bösen Geister des eisigen Winters zu vertreiben. Manche meinen auch, dass so der Chef des nordischen Götterhimmels, der Kriegsgott Wotan, versöhnlich gestimmt werden sollte.

Dem Biike-Feuer wird läuternde, reinigende Kraft zugesprochen, die bei Streit versöhnen, Hoffnung und Fruchtbarkeit bringen und das Liebesglück festigen kann – Letzteres vor allem dann, wenn das junge Paar gemeinsam über die niedergebrannte Glut springt.
Doch die brennende Biike verscheucht und bereinigt nicht nur, sie dient auch als Gruß übers Meer hinweg. Im 17. und 18. Jahrhundert soll sie zum Abschied für die Walfänger entzündet worden sein, die um diese Zeit zur neuen Fangsaison in See stachen.

Heute gilt sie als Signal der Verbundenheit zwischen den Insel- und den Festlandfriesen, die mit dem Biikebrennen geradezu ihren „Nationalfeiertag“ begehen.

Das nimmt die Jugend in die Hand!

Bis ins 19. Jahrhundert hinein brannten die Biike-Feuer meist in mit Teer und Stroh gefüllten Tonnen auf langen Stangen. Die heute üblichen großen Feuerstöße setzten sich durch, nachdem Ende des 19. Jahrhunderts in den Friesenstuben die Tannenbäume in Mode kamen – die man bei dieser Gelegenheit ja bestens entsorgen kann.

Zum Biikebrennen ist „Kinderarbeit“ nicht nur erlaubt –
sondern sogar ein Privileg. Traditionell haben die Jungen des Konfirmandenjahrgangs, manchmal auch die Jugendfeuerwehr, die Leitung beim Sammeln des Brennmaterials und die Aufsicht am Feuerplatz. Denn der muss in den Tagen und Nächten vor dem Brand gut bewacht werden, damit die Jugendlichen aus anderen Dörfern das Feuer nicht vorzeitig anzünden – wie es etwa den „Tinnumern auf dem Kriegspfad“ 1972 in Westerland gelang. Um das Biikefeuer entbrennen oft heftige Konkurrenzkämpfe, schließlich ist es Ehrgeiz jeden Ortes, die größte Biike von allen zu haben.

Das festliche Drumherum

Den Holzhaufen krönt zumeist eine Teertonne, in manchen Dörfern wird auch das so genannte „Petermännchen“ verbrannt, eine Strohpuppe, die den Winter symbolisieren soll.

Nach der Biike treffen sich die Erwachsenen zum deftigen Grünkohlessen nebst allerlei „lütten Klaren“, Musik und Tanz. Die Kinder und Jugendlichen dagegen bleiben meist noch lange am Feuerplatz und kokeln frohgemut herum. Kein Problem, dass die Kleinen an diesem Abend erst spät ins Bett kommen, denn am folgenden Tag haben sie schulfrei. Und auch dann wird auf Sylt und drum herum kräftig gefeiert. Während die katholische Kirche am 22. Februar das Fest „Kathedra Petri“, d. h. den Stuhl des Papstes bzw. die Vorrangstellung des Petrus-Amtes, zelebriert, treffen sich die kleinen Friesen vor- und nachmittags in den Gaststätten beim Kindertanz.

Die Erwachsenen kommen am Abend auf ihre Kosten –
bei Musik- oder Theaterveranstaltungen, vorzugsweise in nordfriesischer Mundart. Denn der „friesische Nationalfeiertag“ ist nicht zuletzt ein wichtiger Anlass, die regionalen Besonderheiten zu pflegen: von der Tracht bis zum Schutz der Inselsubstanz.

Auch nach dem Biikebrennen bleibt’s im Norden feurig. Auf die weit verbreiteten Osterfeuer folgt am Vorabend des 1. Mai in Dithmarschen, Oldenburg und auf Fehmarn das so genannte „Beeken-“ oder „Bakenbrennen“, das zwar ähnlich klingt, als Maifeuer jedoch in einer anderen Tradition steht als das nordfriesische Biike-Brennen.

Ausführliche Veranstaltungshinweise zum diesjährigen Biikebrennen finden Sie im Internet unter www.nordseetourismus.de (Region/Brauchtum/Biikebrennen/Biikebrennen 2006).

mimu

Fotos: TASH, Nordsee-Tourismus-Service, Sylt Marketing GmbH