Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Sternstunden der Automobilgeschichte
Das Mercedes-Benz Museum in Stuttgart
Die Sammlung des Mercedes-Benz Museums im Stammwerk Untertürkheim fasziniert schon seit 1923 Besucher aus aller Welt. Präsentiert werden – sozusagen an der Geburtsstätte des Autos – Erfindungen und Fahrzeuge aus 120 Jahren Firmen- und Automobilhistorie.
Zwei Männer. Ein Gedanke.
Im Jahr 1886 entwickelten Gottlieb Daimler und Karl Benz völlig unabhängig voneinander Fahrzeuge, die nicht mehr von Pferden gezogen, sondern von einem Verbrennungsmotor angetrieben wurden: die „Daimler Motorkutsche“ und den „Benz Patent-Motorwagen“. Damit legten sie den Grundstein für den motorisierten Individualverkehr – und waren zunächst Konkurrenten: Benz hatte bereits im Oktober 1883 die Firma Benz & Cie. gegründet, 7 Jahre später entstand in Cannstatt die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG).
Schnell wurden die Unternehmen zu bekannten Marken, wobei sich die DMG bald in „Mercedes“ umbenannte – der Name der Tochter eines einflussreichen Geschäftspartners. Erst im Frühsommer 1926 schlossen sich die beiden ältesten deutschen Autofabriken in der wirtschaftlich schwierigen Phase nach dem Ersten Weltkrieg schließlich zusammen.Diese Konzentration der Kräfte machte die neu gegründete Daimler-Benz AG mit dem Markenamen Mercedes-Benz schnell zu einem führenden Unternehmen der Automobilindustrie, das sich in den verschiedensten Bereichen des Verkehrswesens einen Namen machte.
Raum für Geschichte(n)
1936 wurde zum 50-jährigen Bestehen des Automobils aus der bestehenden losen Sammlung des Unternehmens das Mercedes-Benz Museum geschaffen, um auch der Weltöffentlichkeit die Geschichte und Entwicklung des Automobils nahe zu bringen.
Mit jährlich rund 500 000 Besuchern ist das Mercedes-Benz Museum zurzeit das meistbesuchte Museum in ganz Baden-Württemberg. Auf drei Etagen werden den Besuchern hier mehr als 80 Meilensteine der Technik, die den Mythos Mercedes ausmachen, präsentiert.
Zu sehen sind unter anderem bedeutende Rennwagen wie der so genannte „Blitzen-Benz“, mit dem Bob Burman 1911 in Daytona Beach mit 228 km/h einen sensationellen Weltrekord aufstellte. Daneben findet der Besucher die klassischen Limousinen und Sportwagen aus den 20er- und 30er-Jahren. Prestigedenken und Leistung, Luxus und Komfort charakterisieren die Fahrzeuge aus dieser Ära. Beispiele sind die Kaiserwagen und Kompressor-Sportwagen mit dem imposanten 500 K Spezialroadster als Highlight. Einen Kontrast zu dieser Entwicklung bilden nur ein paar Jahre später der erschwingliche 170 V, der den meistverkauften Mercedes-Benz der Vorkriegszeit darstellt, und der 260 D, den ersten Serien-Diesel-Pkw der Welt.
Legendär: die Silberpfeile
Die berühmten „Silberpfeile“ schrieben auch nach dem Krieg viele Kapitel der Mercedes-Benz-Renngeschichte. Das erfolgreiche 300 SL Coupé mit seinen markanten Flügeltüren wurde zur Legende, die wenig später in Serie gehen sollte. Neben den Pkw-Klassikern hat das Museum dem Interessierten aber auch noch einiges mehr zu bieten: seltene Test- und Sonderfahrzeuge, aktuelle Serienmodelle, Einzelstücke und zu guter Letzt auch ein Flugzeug, das mit einem Daimler-Motor ausgerüstet ist, warten auf neugierige Blicke. Ausführliche Informationen bietet dem Besucher das Audio-Führungssystem in verschiedenen Sprachen.
Die Zukunft der Vergangenheit
Bei der Vielzahl der Schaustücke, die ausgestellt werden soll, sind die Räumlichkeiten im jetzigen Museum schon lange zu klein. Seit 2003 wird daher an einem aufwändigen Projekt gebaut, das im Mai 2006 fertig gestellt werden soll. Dann nämlich – 80 Jahre nach dem Zusammenschluss von Daimler-Benz – öffnet das neue Museum im Rahmen der Mercedes-Benz-Welt seine Pforten.
Es ist ein Ausstellungsprojekt der Superlative, verbunden mit einer spektakulären Architektur: Der Bau steht weithin sichtbar direkt neben dem heutigen DaimlerChrysler Stammwerk in Stuttgart-Untertürkheim und bildet eine Doppelhelix, sprich: zwei ineinander gewundene Spiralen. Auf neun Ebenen und 16 500 qm Ausstellungsfläche werden sich dann insgesamt 175 Exponate befinden, darunter auch 40 Nutzfahrzeuge, die einen großen Bestandteil der Unternehmensgeschichte ausmachen.
Um einige Exponate vor der Neueröffnung einer Restaurierung unterziehen zu können, hat der Umzug schon begonnen. Für die Besucher in den alten Räumlichkeiten ist dies aber kein Nachteil –
im Gegenteil: Die entstehenden Lücken schaffen Platz für Sonderaktionen, Leihgaben und Exponate, die bisher aus Platzmangel in den Kellern warten mussten. Insofern lohnt sich für alle technisch und geschichtlich Interessierten ein Besuch des alten Museums noch vor der Neueröffnung ganz besonders. Zumal der Eintritt in den neuen Räumlichkeiten wahrscheinlich nicht mehr kostenlos sein wird.
Öffnungszeiten:
Mercedes-Benz Museum
Mercedesstraße 137/1
70327 Stuttgart
Dienstag bis Sonntag von 9.00 bis 17.00 Uhr
Montags und an Feiertagen ist das Museum geschlossen.
Der Eintritt im alten Museum ist frei (noch bis März 2006), im neuen Museum wird er voraussichtlich kostenpflichtig.
www.mercedes-benz.com/classic
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