Artikel rund um das Thema Reisen und Kultur

 
Sie sind hier: Reise & Kultur / Artikel
Donnerstag, 24. Mai 2012
...

So wird ein voller Schuh draus!

Am 6. Dezember feiern wir den heiligen Nikolaus. Aber wer verbirgt sich eigentlich hinter diesem Namen?

Barfuß durch die Wohnung zu trippeln gehört zweifellos zu den „Tugenden“ eines jeden kleinen Kindes – sehr zum Leidwesen der Eltern, die regelmäßig mit warmen Pantoffeln dem Nachwuchs hinterhereilen.

Einmal im Jahr aber, am Vorabend des 6. Dezember, drücken auch sie ein Auge zu. Immerhin gehören dann alle Pantoffeln und Schuhe nicht an die Füße, sondern vor die Tür, auf dass sie in der Nacht vom heiligen Nikolaus mit süßen Gaben und kleinen Präsenten gefüllt werden.

Ein wunderlicher Mann
Im Gegensatz zu dem alten Herrn mit besonderer Vorliebe für Schuhwerk jeglicher Art waren seine Namensgeber, der Bischof Nikolaus von Myra (3./4. Jahrhundert), und der gleichnamige Abt von Sion, Bischof von Pinora (6. Jahrhundert), deutlich häufiger gefordert als nur in dieser einen Nacht. Und glaubt man den Legenden, so haben sie in jedem einzelnen Fall viel Freude über die Menschen gebracht. Beide lieferten mit ihren guten Taten die Grundlage für die Gestalt des historisch nicht belegbaren heiligen Nikolaus, der als eine Verschmelzung beider Persönlichkeiten betrachtet werden kann.

Die Liste an Wundern, die ihm nachgesagt werden, ist lang und liefert ausreichend Stoff für viele fantastische Geschichten. So soll er einmal Seeleuten erschienen sein, die in einen Sturm geraten waren. Er lenkte das Schiff sicher durch die Wellenberge und besänftigte schließlich auch noch die Winde.

Ein anderes Mal half er drei jungfräulichen Schwestern aus einer prekären Situation: Zu arm, um sie mit einer Mitgift auszustatten, sah sich ein Vater gezwungen, seine Töchter als Prostituierte zu verkaufen. Als Nikolaus davon erfuhr, ließ er den drei Jungfrauen des Nachts je einen Goldklumpen zukommen. Derart reich beschenkt, konnten sie neben ihrer Schönheit jetzt auch eine attrative Mitgift in ihre Ehe einbringen. Übrigens geht das nächtliche Befüllen der Schuhe auf diese gute Tat zurück.

Nikolaus von Myra starb am 6. Dezember eines nicht genau überlieferten Jahres zur Mitte des 4. Jahrhunderts, der Bischof von Pinora am 10. Dezember 564. Der Kult um ihr Wirken brauchte allerdings noch etliche Jahrhunderte, ehe er auch Deutschland erreichte. Die besondere Verehrung des heiligen Nikolaus drückt sich nicht zuletzt im Bau zahlreicher Nikolauskirchen aus, wie sie noch heute fast überall im christlichen Ausbreitungsgebiet zu finden sind.

Der Tag der Wahrheit
Kaum einer wird sich heute noch die Mühe machen, den Kindern am Morgen des 6. Dezember in entsprechender Kostümierung die Frage aller Fragen zu stellen, nämlich die, ob sie denn auch brav (und fromm) gewesen seien – der heilige Nikolaus von heute denkt positiv und füllt jeden Schuh.

Nicht so zu früheren Zeiten. Da gab es ein Lob für die „guten“ Kinder und ein paar Schläge mit der Rute für die „bösen“. Wobei diese wenig dankbare Arbeit oft ein besonderer Gehilfe des Nikolaus übernehmen musste. In Deutschland war das Knecht Ruprecht. War? Nein, denn natürlich werden die beiden auch weiterhin ihre Runde machen – mit dem erfreulichen Unterschied allerdings, dass die Rute nur noch einen dekorativen Zweck erfüllt.

Einmal rot-weiß, bitte!
Nein, hier ist nicht von der klassischen Beigabe zu Pommes frites die Rede, sondern von den beiden Signalfarben, über die sich das bekannte Aussehen des Weihnachtsmannes definiert. Allerdings ist diese Aufmachung noch vergleichsweise jung in Anbetracht einer gut 1700-jährigen Weihnachtstradition. Bevor sie sich Ende der Zwanziger Jahre langsam in Amerika durchsetzte und 1931 durch eine Coca-Cola-Werbekampagne weltweit populär wurde, präsentierte sich der Weihnachtsmann nicht einheitlich, selbst als kleiner Kobold konnte er daherkommen.

espa

Foto: Pixelio (2)