Artikel rund um das Thema Reisen und Kultur

 
Sie sind hier: Reise & Kultur / Artikel
Donnerstag, 24. Mai 2012
...

So eine Maulaffenschande!

Täglich liegen Sie uns auf der Zunge: Redensarten für alle Lebenslagen. Doch wissen wir immer so genau, was wir da gerade sagen?

Von der putzigen kleinen Meerkatze bis hin zum Orang-Utan kennen wir die verschiedensten Affenarten. Doch haben Sie schon einmal echte »Maulaffen« gesehen?

Wahrscheinlich nicht. Dabei müssten die eigentlich recht verbreitet sein – so oft, wie man sagt, dass jemand »Maulaffen feilhält«!

Licht
Wenn es im Mittelalter am Abend dunkelte, wurden die Häuser mit brennenden Kienspänen beleuchtet, die in einen Halter aus Ton gesteckt wurden. Gern modellierte man diese Halter als Nachbildung des menschlichen Gesichts, dem man den Kienspan dann keck in den leicht geöffneten Mund stecken konnte.

Und wenn ein Händler auf dem Markt eine größere Menge dieser auch »Maulauf« genannten Tonköpfe »feilhielt« (also zum Verkauf anbot), dann sah das ganz so aus wie eine Gruppe sensationslüsterner Menschen, die mit offenem Mund stehen bleiben, wo es etwas zu gaffen gibt.

Lasterhaftes
Auf Niederdeutsch gesagt, hatte der mittelalterliche Lampenhalter »dat mul apen«.

Dem Umstand, dass das plattdeutsche Wort für offen (also »apen«) genauso klingt wie das plattdeutsche Wort für Affen (= »Apen«), verdanken unsere nächsten Verwandten in der Tierwelt jedoch nicht nur die fiktive Gattung der »Maulaffen«, sondern auch die völlig zu Unrecht nach ihnen benannte »Affenschande«.

Damit nämlich war ursprünglich eine »apenbore«, also eine offenbare, für jeden ersichtliche Schande gemeint (für die meist eher Menschen als Affen verantwortlich waren).

Lauselümmel
»Ich glaub, mich laust der Affe!« Dieser Ausdruck einer unangenehmen Überraschung hat tatsächlich mit echten Affen zu tun. Nämlich mit den kleinen Begleitern der Schausteller auf dem Jahrmarkt, die gern urplötzlich vom Leierkasten herunter auf den Kopf eines Passanten springen und diesem dann ganz wie einem Artgenossen auf dem Kopf herumzupfen, um ihn von Schädlingen zu befreien.

Die (an menschlichen Maßstäben gemessen) oft allzu unkontrollierten und spontanen Verhaltensweisen der Primaten stecken auch dahinter, wenn wir vom »Affenzirkus« sprechen oder meinen, jemand führe sich auf wie »vom wilden
Affen gebissen«. mimu

Illustrationen: Gerrit Hansen