Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Slawenschiff und Wikinger
Archäologisches Landesmuseum Schwerin
Eine Zeitreise an den Beginn des frühmittelalterlichen Handels im südlichen Ostseeraum.
Bereits vor mehr als 1000 Jahren gab es rund um das baltische Meer, die Ostsee, einen florierenden Handelsverkehr. Das brachte nicht nur einen Warentransfer mit sich, sondern auch einen regen kulturellen Austausch. In vielen Bereichen hat er Einfluss auf das Leben der Menschen genommen, so auch in der Begegnung mit den Wikingern.
Auch in der Region Mecklenburg-Vorpommern, die damals slawisch geprägt war, lassen sich heute noch Spuren aus der Zeit des frühesten Mittelalters entdecken. An mehreren Stellen wurden hier alte Handelsplätze freigelegt, die immer noch einen tiefen Einblick in die damaligen Verhältnisse geben können und teilweise erstaunliche Details offenbaren, die bis heute unbekannt waren. Das Archäologische Landesmuseum in Schwerin hat diesem Thema die umfangreiche Ausstellung „Slawenschiff und Wikingermarkt“ gewidmet.
Mit Grund gegründet
Zentraler Dreh- und Angelpunkt für den frühgeschichtlichen Warenaustausch waren zahlreiche Siedlungen, die von den Fürsten und Königen in geschützten Buchten oder an küstennahen Flussläufen gegründet wurden, um Handwerker und Händler anzulocken. In diesen Marktzentren (oder auch „Frühstädten“) sollten sie ein geeignetes Umfeld für den Verkauf ihrer Waren finden; einerseits durch ein regionales Forum, andererseits aber eben auch durch den Handel über die Wasserwege. Davon erhofften sich die Herrscher nicht nur steigende Steuereinnahmen, sondern vor allem einen einfachen Zugang zu kostbaren Waren und Rohstoffen aus aller Welt, die es in ihrem Einflussgebiet nicht gab. Handelsbeziehungen über viele hundert Kilometer lassen sich heute nachweisen: Von Franken, wo man beispielsweise Mühlsteine aus Basalt-Lava holte, bis ans Mittelmeer und in anderer Richtung bis ins nördliche Skandinavien, aus dem unter anderem Eisen und Schiefer importiert wurden.
Keine Angst – die wollen nur handeln!
So kamen die Wikinger also nicht nur als zufällige Besucher ins frühmittelalterliche Slawenland, viele von ihnen wurden nach und nach auch als Händler und Handwerker an der südlichen Ostseeküste ansässig – und das in einer weitgehend friedlichen Koexistenz mit anderen Siedlern. Von wegen brandschatzende Wikinger!
Mittelpunkt der Ausstellung sind die Forschungsergebnisse der wichtigen frühmittelalterlichen Handelsplätze an der Wismarbucht (Groß Strömkendorf/Reric), an der Warnowmündung (Rostock-Dierkow) und auf Rügen (Ralswiek). Zahlreiche Fundstücke, die bei Ausgrabungen auf den Handelsplätzen dieser Zeit entdeckt wurden, werden im Rahmen der Ausstellung zum ersten Mal in Mecklenburg-Vorpommern ausgestellt und machen die Begegnungen von Slawen und Nordmännern deutlich.
Unterirdisch erfolgreich
Besonders die freigelegten skandinavischen Grabstellen in den slawischen Gebieten geben Einblicke in das Leben in jener Zeit. Denn während die Slawen ihre Toten damals in der Regel verbrannten, bestatteten die Wikinger die Verstorbenen meist in der Erde – zum Teil mit großen Grabbeigaben: Als Särge dienten unter anderem Wagenkästen oder auch ganze Schiffe.
Zusätzlich finden sich hier noch Trachtbestandteile und verschiedene Waffen, wie zum Beispiel Pfeilspitzen und Schwerter. In den Siedlungen selbst finden sich aber auch zahlreiche Gegenstände, die aus den tief in der Erde liegenden Häusern, Brunnen und Gruben geborgen werden konnten: Werkzeuge, Kämme, verschiedene Keramik, damals kostbares Glas (als Gefäß oder Perle) – und immer wieder auch wahre Schätze
Endlich gefunden!
Während Dinge des täglichen Gebrauches schneller kaputt und damit für die Nachwelt verloren gingen, wurden exotische, teure Güter natürlich pfleglicher behandelt – und vor Langfingern versteckt. Und zwar so gut, dass die edlen Stücke teilweise erst über 1000 Jahre später von den Archäologen gefunden wurden. Wie zum Beispiel der Silberschatz von Ralswiek mit mehr als 2000 arabischen Münzen oder der Schatz von Rostock-Dierkow, in dem sich Arbeitsmaterialien und aufwändig gearbeitete Werke eines Feinschmiedes finden.
Diese und viele weitere Zeugnisse aus der Zeit des frühmittelalterlichen Handels an der Ostseeküste sind noch bis zum 31. Oktober im Archäologischen Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin zu entdecken.
flo






