Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Sibirien, das schlafende Land
Sibirien
Im Osten Russlands, direkt hinter dem majestätischen Uralgebirge, beginnt Sibirien. Jenes gigantisch große Gebiet, das Russland zum flächenmäßig größten Land der Erde macht.
Mit seinen 9,6 Millionen Quadratkilometern ist Sibirien rund 28-mal so groß wie Deutschland. Übersetzt aus dem Tatarischen bedeutet das Wort „Sibirien“ etwa „das schlafende Land“.
Nicht nur in Russland üben die baumlosen Tundren, die weiten Grassteppen und endlosen Waldgebiete der Taiga, die schneebedeckten Gebirgszüge des westsibirischen Altai-Gebirges und der berühmte Baikalsee eine magische Anziehungskraft aus. Trotz des extremen Kontinentalklimas mit langen und sehr kalten Wintern sowie kurzen heißen Sommern wird Sibirien zunehmend auch von Touristen aus dem Westen entdeckt.
Romantik und dunkle Vergangenheit
„Sibirien“ hat für viele Menschen einen geheimnisvollen und zugleich auch etwas unheimlichen Klang. Neben der überwältigenden Romantik spektakulärer Naturschauspiele gibt es Erinnerungen an eine düstere Vergangenheit. Die Bevölkerung wurde seit den ersten Stadtgründungen im 16. Jahrhundert immer wieder zum Spielball politischer Willkür.
Von den rund 25 Millionen Einwohnern haben nur die wenigsten ihre Wurzeln in Sibirien. Vor allem die Russen kamen, um die Reichtümer des Landes für sich zu nutzen – einst waren es die Pelze, heute sind es die Bodenschätze.
Aber sehr viele siedelten sich unfreiwillig an. Millionen Menschen wurden, vor allem unter Stalin, nach Sibirien verbannt.
Dazu gehörten neben zahlreichen politisch missliebigen Russen auch Litauer, Letten, Tschechen und Wolgadeutsche. Ethnische Gruppen wie die Burjäten, die sibirischen Tataren, Ostjaken oder Jakuten bilden mit einem geringen Anteil von fünf Prozent der Gesamtbevölkerung die Gruppe der „Ureinwohner“.
Transsibirische Eisenbahn
Fast jeder hat schon von ihr gehört und zahlreiche Legenden ranken sich um sie, die Transsibirische Eisenbahn. Im Südwesten verbindet die legendäre Trasse, die sich von Moskau bis zur Endstation Wladiwostok 9300 Kilometer weit durch insgesamt sieben (!) Zeitzonen schlängelt, die wichtigsten Städte Sibiriens.
In Nowosibirsk findet man den größten Bahnhof der Transsibirischen Eisenbahn, die größte Bibliothek von Sibirien, das größte Opern- und Balletttheater in Russland, die größte Stadt östlich des Urals. Sie ist mit circa 1,6 Millionen Einwohnern sogar die viertgrößte Stadt des gesamten Landes.
Rund 2500 Kilometer weiter, am südöstlichen Ausläufer des Baikalgebirges, liegt Irkutsk, eine der wichtigsten Städte Sibiriens. Und das in vielerlei Hinsicht, ganz gleich ob geschichtlich, politisch oder industriell.
Die Stadt ist nicht nur ein Knotenpunkt der Transsibirischen Eisenbahn, sondern hat über den Fluss Angara, der in den Baikalsee führt, sogar eine Verbindung zum Indischen Ozean. „Fenster zum Osten“ wird die Universitätsstadt mit ihren knapp 600 000 Einwohnern daher auch häufig genannt.
Tief, tiefer, Baikalsee
Etwa 70 Kilometer östlich von Irkutsk, mitten in der südsibirischen Gebirgsregion, liegt der Baikalsee. Er ist der Höhepunkt einer jeden Sibirienreise und ein einziger Superlativ: 630 Kilometer lang, bis zu 80 Kilometer breit und 1620 Meter tief. Der Baikalsee ist damit der tiefste See der Welt und besitzt das reichste Süßwasservorkommen der Erde. Selbst das Klima in dieser Region gleicht einem Wunder. Im Norden ist der See zwischen Oktober und Juni etwa acht Monate zugefroren, während er im Süden nur drei Monate, zwischen Januar und März, vereist ist. Hat der See eine ruhige Wasseroberfläche, kann man bis zu vierzig Meter tief hineinsehen.
In der Region leben 1200 verschiedene Tierarten und über 2000 Pflanzenarten, von denen mehr als drei Viertel nur am Baikalsee zu finden sind. Um den Erhalt des Sees und seine Einmaligkeit zu sichern, erklärte die UNESCO den Baikalsee 1996 zum Weltnaturerbe. Auch wenn dieses Paradies von Jagdzügen, illegalem Holzeinschlag und Umweltverschmutzung bedroht ist, Sibirien ist noch immer eine der urtümlichsten Gegenden der Welt.
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