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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Querbeat durchs Leben

Musiker Axel Riemann über das, was in der Luft liegt, und darüber, wie es

dort hinkommt

Es ist schon beachtlich, in welch hohen Tönen Musik allgemein gelobt wird. Da heißt es unter anderem, Musik sei die Sprache der Leidenschaft (Richard Wagner), eine höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie (Beet­hoven), und wenn es nach Nietzsche ginge, so wäre ein Leben ohne sie nichts weiter als ein Irrtum.

Mit ihr bringen wir Gefühle zum Ausdruck, in denen sich andere wiederum aalen können. Nicht nur das Lachen, auch die Musik ist ein Spiegel unserer Seele. Für jede unserer emotionalen Verfassungen scheint die passende „Klangmischung“ auf Abruf bereit zu stehen. Nach dem Motto: Sag mir, was du hörst, und ich sage dir, wer du bist! Da mir Axel Riemann nicht nur anvertraut, was er hört, sondern auch, wer er ist und was er macht, fällt die Einschätzung ungleich leichter.

Amadeus, Amadeus

Nein, ein Mozart oder Wunderkind sei er gewiss nicht gewesen. Nach eigenen Aussagen kam Axel vergleichsweise spät zur Musik. In der Grundschule entflammte die musikalische Leidenschaft erstmals. Es begann ganz harmlos mit einem Blockflötenkurs. Lehrer attestierten dem jungen Schüler Talent, was seine Eltern zu fördern verstanden. Ob er sich auch vorstellen könne, andere Instrumente zu spielen, wollten sie wissen.

Wenig später gab es ein Klavier in der Wohnung der Riemanns, was der gebürtige Hamburger seinen Eltern noch heute hoch anrechnet. Mit seiner Schwester teilte er sich die Unterrichtsstunden. Großen Anteil an der musikalischen Früherziehung hatte auch sein Großvater. Immer wenn die Kinder mit ihm spazieren gingen, mussten sie Volkslieder singen. Sehr zur Freude von Axel!

Stimmt so!

Nach seinem Abitur ging er bei Steinway & Sons in die Lehre. Den Beruf des Klavierbauers hatte er sich auserkoren. So inte­ressant die Arbeit war, so sehr beschlich ihn das Gefühl, noch nicht das Richtige gefunden zu haben. Zu sehr ähnelte sich der Ablauf, zu laut war das Stimmen der „Patienten“ auf Dauer. Dennoch wandte er sich neuen Herausforderungen erst nach Abschluss seiner Lehre zu.

Dem Zivildienst folgte ein Studium der Musiklehre auf Diplom, in der Fachrichtung „Jazz“ mit dem Hauptinstrument Klavier. Im Anschluss an das bestandene Vordiplom legte er ein Urlaubssemester ein – in dem er sich vor Jobangeboten kaum retten konnte. Nach reiflicher Überlegung brach er sein Studium ab. Bereut hat er seine Entscheidung bis heute nicht.

Das alles gehört zum guten Ton

Die Arbeitswelt gab ihm auch keinen Anlass dazu. Axels Einkünfte beruhten auf mehreren Standbeinen. Von 2000 bis zur Saison 2003/04 arbeitete er unter anderem als Musiker am Kieler Schauspielhaus. Er wirkte bei Inszenierungen wie „Die Drei von der Tankstelle“, „Struwwelpeter“ und „Rocky Horror Picture Show“ mit, für „Peterchens Mondfahrt“ übernahm er gar die musikalische Leitung. Je einen Gospelchor in Hamburg und Bargteheide leitete er. Nebenher gab er an einer Musikschule Pianostunden und spielte bereits in diversen Bands.

Mit der Zeit wurden es nicht nur mehr Projekte – auch die Stilrichtungen unterschieden sich zunehmend. Auf Solo-Pfaden wandelt er gelegentlich, wenn er zu besonderen Events den „Barpianisten“ gibt. An die Stelle der Gospelchöre sind der Jazzchor Hello Music und der Popchor DeKiela Sunrise getreten. Seine Klavierstunden gibt er mittlerweile privat.

Facettenreich und gleichermaßen beeindruckend präsentiert sich seine „Diskografie“. Grooveyard, mind travels und die Piola Rumba Stars sind nur einige der Bands, mit denen er musiziert.

Das Spektrum reicht dabei von Cover-Musik über sphärischen Jazz bis hin zu der für ihn neuen Erfahrung Salsa. Des Weiteren eingeplant ist er für eine Soul-Formation um Ernest Clinton, und zuweilen vertritt er auch Jan Döling bei der Kieler Coverband Tiffany.

Leben im Jazz und Heute

Eine Daseinsberechtigung spricht er keiner Musikrichtung ab. Vielmehr hält er es wie Johnny Cash, der auf die Frage, was gute Musik sei, antwortete: „Gute Musik ist einfach gute Musik.“ Dennoch bringt der moderne Jazz in seinen Augen einige Vorzüge mit sich. Abwechslung und die Individualität, mit der sich ein Musiker hier einbringt, stehen seiner Einschätzung nach im Vordergrund.

Richtlinien wie die eines Widerholungsfaktors in der Pop(ular)musik sind hier Fehlanzeige. Der Künstler hat im wahrsten Sinne des Wortes mehr Spiel. Noch besser allerdings, wenn jemand eine Fusion der Stile gelingt. So wie zum Beispiel Victoria Tolstoj und Esbjörn Svensson, auf die Axel große Stücke hält.

Der liebe „Herr Gesangverein“

Mit seinen Chören baut Axel ein Repertoire auf, prägt die Stilistik und schreibt Arrangements. Wenn er aber erstmal Lunte gewittert hat, begnügt er sich nicht mit den eigentlichen Aufgaben des Chorleiters. Für DeKiela Sunrise holte er den Schauspieler Tom Keller an Bord und legte den Auftritten eine Geschichte als roten Faden zugrunde.

Dabei profitiert er von seiner Arbeit im Schauspielhaus und von sechs Jahren Kabarett während seiner Schulzeit. Der Blick hinter die Kulissen verhalf zu völlig neuen Ideen und der Gewissheit darüber, wie etwas auf der Bühne wirkt.

Spiel’s noch einmal, Axel

Langsames Herantasten versus zielgerichtetes Vorgehen – Axel beherrscht beide Vorgehensweisen. Suchen ihn Klavierschüler mit einem bestimmten Anliegen auf, wie etwa dem Bestehen einer Aufnahmeprüfung, zeigt er sich von seiner strengen Seite. Da er schon viele seiner Schützlinge begleitet hat, weiß er, was an Musikhochschulen erwartet und gewünscht wird. Seinen Lust- und Laune-Schülern hingegen präsentiert er sich eher als Kumpel.

 Jeden da abzuholen, wo er ist, und da hinzubringen, wo der Einzelne hinwill, ist sein Anliegen. Sei es das Schreiben eigener Lieder wie bei zwei seiner Eleven oder das Nachspielen mitgebrachter Lieder: Axel geht auf jeden Wunsch seiner Schüler ein.

Antrieb aus Leidenschaft

Die Begeisterung für seine Arbeit zieht Axel aus dem kreativen Miteinander mit Menschen, aus dem Eingehen auf die unterschiedlichsten Charaktere und natürlich auch aus dem Applaus auf der Bühne. Er liebt es, ein Projekt vom Anfang bis zum fertigen Produkt zu begleiten. So zum Beispiel die mit dem in Deutschland lebenden Bulgaren Nik Urumov eingespielte Single mit Chart-Potenzial „Funky Weather“.

Oder auch die in Zusammenarbeit mit einem Chormitglied des DeKiela Sunrise entstandene Kiel-Hymne „Ich steh auf Kiel“, die noch nach einem Promoter sucht. Wäre das nichts? Wer weiß, vielleicht nehmen Sie ja den nächsten Dave Brubeck unter Vertrag. Jazz oder nie!

Weitere Informationen unter
www.elkmusic.de

ath