Artikel rund um das Thema Reisen und Kultur

 
Sie sind hier: Reise & Kultur / Artikel
Donnerstag, 24. Mai 2012
...

Prunk-Rock vom Feinsten

Die Oberschwäbische Barockstraße

Die gelben Engel? Haben mit Straßen zu tun! So weit so gut. Dass sie aber nahezu exklusiv in Zusammenhang mit freundlichen Pannenhelfern gebracht wurden, beruht wohl eher auf der zufälligen Eingabe eines Werbefachmannes. Dabei wachen die gelben Engel schon seit 1966 über eine ganz bestimmte Straße. Der gelbe, barocke Engel auf grünem Grund, Putto genannt, markiert auf Hinweisschildern das insgesamt 725 Kilometer lange Straßennetz der Oberschwäbischen Barockstraße. Jene feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum.

Andere Zeiten, andere Wertvorstellungen

Als Epoche des Barock gilt der Zeitraum vom frühen 17. bis Mitte des 18. Jahrhunderts. Das Wort leitet sich von dem portugiesischen Wort „barroco“ ab, welches  „unregelmäßig, eigenartig“ bedeutet. Ursprünglich haftete dem Begriff nichts Gutes an, in Frankreich wurden z. B. seltsam-groteske Objekte als barock bezeichnet. Inspiriert wurde der Barock vom Absolutismus und von den Gegenreformationsplänen der Kirche.

Herrscher drückten über ihre überdimensionalen, prunkvollen Schlösser aus, welch wichtige Rolle sie spielten und wie groß ihre Macht war. Eine ähnliche Strategie verfolgte die katholische Kirche, um die Gläubigen von der Herrlichkeit der Kirche zu überzeugen. In nicht gerade sparsamer Art präsentieren sich die zierenden Fresken, marmornen Säulen und kunstvollen Heiligen- und Engelsfiguren.

Ein Himmel auf Erden

In Anlehnung an den Zeitgeist des Barock nennt sich die Region unbescheiden, dafür aber auch durchaus berechtigt „Das Himmelreich des Barock“. In gut 50 Ortschaften zwischen Ulm und Friedrichshafen am Bodensee sind die Werke jener pompösen Epoche zu bewundern.

Drei verschiedene Routen stehen dem Zeitreisenden dabei zur Auswahl: die Haupt-, die Ost- und die Westroute. Ob per pedes, auf dem Fahrrad oder mit einem motorisierten Untersatz – das Ländle wartet nur darauf, erkundet zu werden.

Auszug einer Kul-Tour

Folgt man der Hauptroute von Ulm ausgehend in Richtung Südwesten, führt kein Weg an dem beschaulichen Kurort Bad Schussenried vorbei. Hier gilt es, den prachtvollen Bibliothekssaal mit einem Deckenfresko von Franz Georg Hermann zu bestaunen. Außerdem führte auch der Weg des Apostels Jakobus durch die Ortschaft. In dessen Spuren wandelnd folgen mittlerweile auch internationale Pilgergruppen dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela.

Das nächste Etappenziel ist Weingarten. Einen Eindruck von Rom und Ehre vermittelt die das Stadtbild dominierende Basilika, die genau halb so groß ist wie die in Rom stehende Kathedrale St. Peter. Die hiesige Gabler-Orgel ist viel gerühmt, und gilt als eine der weltschönsten Barockorgeln. Wie zu jenen Zeiten sozialer Aufstieg aussah, veranschaulicht das Treppenhaus im Schloss zu Bad Wurzach deutlich. Klassizistische Elemente belegen, dass über ein halbes Jahrhundert daran gearbeitet wurde. Angeblich haben allein die Kosten dieses Prachtraumes die Fertigstellung des Schlosses immer wieder hinausgezögert.
Bevor es wieder zurück nach Ulm geht, führt ein letzter Abstecher nach Ochsenhausen. Wüsste man nicht, dass es sich bei dem monumentalen Bauwerk um eine ehemalige Abtei der Benediktiner handelt, nichts ließe darauf schließen, dass hier einst die bescheidenen Mönche lebten. Und wer etwas nostalgische Abwechslung sucht, der springt einfach auf den Zug auf. Die Öchsle-Bahn ist Baden-Württembergs einzige noch erhaltene Schmalspurbahn.

Dies ist natürlich nur ein kleiner Auszug aller Ausflugsziele. Im Ländle gibt es sehr viel mehr zu entdecken. Der Welt schönste Dorfkirche in Steinkirchen beispielsweise. Aber wohin Sie Ihr Weg hier auch führt, Sie sind auf einem guten.

Ei, Ei, Ei

Ein besonders großes Osterfest und darüber hinaus ein Riesenspektakel stellt Bad Schussenried in Aussicht. Vom 3. März bis zum 15. Mai werden 50 jeweils 1,50 m hohe Eier die Innenstadt schmücken. Nicht bloß einfache Eier, nein.
Die Reihe der beliebten Kunstaktionen „Kühe in Zürich“, „Bären in Reutlingen“ und „Störche in Oberschwaben“ setzt der Kurort würdig unter dem Motto „Eiertanz“ fort.
Namhafte Künstler wie Herzogin Diane von Württemberg, René Auer, Richard W. Allgaier, Günther Bolius, Gabriele Einstein und Paula Holderried zeigen, was Ei für „Ah“s und „Oh“s auslösen kann. Fest steht, die Aktion wird am 2. März mit der Eier-Gala im Bierkrugstadl eröffnet. Ob der so Schwerstarbeit leistende Osterhase eine Beschwerde bei der Gewerkschaft eingereicht hat, ist noch unklar.

Weitere Informationen finden Sie unter:

Touristikinformation Bad Schussenried
Telefon (0 75 83) 94 01 71

ath

Fotos: Ferienland Allgäu & Oberschwaben (3), Karte: mein coop magazin