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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Pferde sind ihre Stärke

Das spannende (Arbeits-) Leben einer Pferdewirtschaftsmeisterin.

Aufs Pferd zu kommen gestaltet sich für den Laien mitunter recht schwierig. Das Thema Pferd allerdings ist eines, auf das Anja Bornhöft-Lejon nicht erst gebracht werden musste, sondern eines, das sie seit frühesten Kindheitstagen begleitet.

„Noch ehe sie sprechen konnte, wieherte sie bereits“, so jedenfalls hat ihre Mutter scherzhaft die Faszination umschrieben, die diese Tiere seit jeher auf die Tochter ausüben. Der verbale Abstecher nahm den späteren Werdegang der gebürtigen Kielerin nur vorweg. Die Arbeit mit und an den edlen Reittieren sollte, nein, musste es sein, und das Umfeld war für eine Heranwachsende mit ihren Träumen wie geschaffen. Im ländlichen Borghorst in der Nähe Kiels aufgewachsen nutzte Anja jede freie Minute, den Stall auf dem elterlichen Gehöft aufzusuchen.

Ein weiterer Glücksfall war die Reithalle, deren Bau ihr Vater gemeinsam mit dem Reit- und Fahrverein Gettorf-Eckernförde-Dänischer Wohld e.V. vorantrieb und 1972 vollendete. Diese Halle ist bis heute ein Pachtbetrieb der Familie.

Gelernt ist gelernt

1983 begann Anja mit ihrer Ausbildung zur Pferdewirtin. Zunächst noch auf dem Klosterhof Medingen tätig wechselte sie später in den Dressurstall von Dieter Bruhn. Ausschlaggebend für den Wechsel war ein unglücklicher Sturz vom Pferd, worauf sie für mehrere Monate aussetzen musste und so ihren alten Ausbildungsplatz verlor. Davon ließ sich Anja aber nicht beirren. Nach dieser Zwangspause setzte sie ihre Ausbildung fort. 1990 war es schließlich so weit, und Anja hatte ihren Meister – zwar nicht gefunden, dafür aber in der Tasche.

Generell dauert die Ausbildung zum Pferdewirt drei Jahre. Zum Ende der Lehrzeit begeben sich die Eleven für zwei Wochen ins nordrhein-westfälische Warendorf zur Bereiterprüfung FN (Pferdewirt). Dem schließen sich drei Gesellenjahre an, ehe die Prüfung zum Pferdewirtschaftsmeister erfolgt. Über sechs Wochen zieht sich das praktische Examen, weitere vier Wochen Theorie werden den angehenden Meistern in Münster abverlangt.

Heimkehr – die Erste

Mit dem Abschluss im Gepäck ging es für Anja zurück in die heimatlichen Gefilde. Zwischen 1990 und 1993 führte sie den Reitstall ihrer Eltern und übernahm die Verantwortung für die Reithalle. In dieser Zeit lernte sie auch ihren Mann kennen. Natürlich hatten die Pferde auch bei dieser Geschichte ihre Hufe im Spiel. Anders Lejon, seinerzeit Golflehrer in Altenhof, erkundigte sich bei einer seiner Schülerinnen danach, wo er Reitunterricht nehmen könnte.

Wie es der Zufall wollte, war diese Schülerin Anjas Mutter, die ihn spontan an ihre Tochter weitervermittelte. Es kam, wie es kommen sollte, und 1994 feierten die beiden Hochzeit. Ob, wie während der Feierlichkeiten wiederholt geunkt wurde, sich aus der Verbindung eines Golflehrers und einer Reitlehrerin wohl ein Polospieler entwickelt, bleibt indes abzuwarten.

Ein Jahr zuvor, 1993, kam es zu einem erneuten Unfall: Ein austretendes Pferd verletzte Anja schwer. Seither feiert sie an diesem Tag jedes Jahr ihren zweiten Geburtstag. Dieses Ereignis und ein Jobangebot für ihren Gatten bewegten sie dazu, ihren Beruf vorerst an den Nagel zu hängen. Das junge Ehepaar verschlug es nach Duderstadt, wo ihre Tochter Wiveca zur Welt kam. Zu der Zeit arbeitete Anja halbtags im Shop eines Golfplatzes.

Zu groß allerdings war die Sehnsucht nach den Tieren, dass Anja ganz davon hätte ablassen können. Nachmittags ritt sie ihr mitgebrachtes Pferd zu und gab gelegentlich Unterrichtsstunden.

Heimkehr – die Zweite

Ein tragischer Unfall in der Familie sorgte für eine neuerliche Kehrtwende in ihrem Leben. Sie kehrte an den elterlichen Hof zurück, um all das zu tun, wonach ihr schon so lange wieder der Sinn stand. Und das hat sie auch in die Tat umgesetzt.

In den frühen Morgenstunden pflegt sie gemeinsam mit ihren beiden Mitarbeitern die Rosse. Fünf davon gehören ihr, darunter auch ihr ganzer Stolz Corleone. Mit ihm gewann sie Dressurprüfungen auf S-Niveau, dem höchsten Schwierigkeitsgrad. Der Stall dient gleichzeitig als Pension für Pferde anderer Eigner. Die Tiere werden von der Verpflegung bis hin zum Ausgang auf die Weide(n) im Sommer bzw. den Paddock im Winter bestens versorgt. Ideale Voraussetzungen also für deren Besitzer, sich ganz dem Umgang mit ihrem Tier zu widmen.

Vormittags beginnt der Unterricht. Das Faszinierende am Zureiten sei, so Anja, dass nicht nur die Tiere von ihr, sondern auch sie jeden Tag aufs Neue von den Pferden lerne. Denn wie Menschen, so sind auch Pferde charakterlich grundverschieden, können launisch sein oder ihre kleinen Wehwehchen haben. Über die Zeit entwickelte sie dafür ein feines Gespür.
Nachmittags tritt Anja zwei- bis dreimal in der Woche als Reitlehrerin auf den Plan. Dabei teilt sie sich den Unterricht mit anderen erfahrenen Kollegen auf. Sie trainiert die Schüler in der Dressur, während die Kollegen die Sprungdisziplin vermitteln.

In letzter Zeit aber müssen die Pferde leider ein wenig zurückstecken. Anja macht sich unter geduldiger Anleitung ihrer Mutter im Buchhaltungswesen fit. Ab 2008 wird sie den landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Eltern übernehmen. Und wenn zwischen Familie, Pferden und Agrarökonomie doch ein Zipfel Zeit abfällt, dann entspannt Anja sich vor ihren Terrarien und erfreut sich der farbenprächtigen Geckos. Auch an Pantherchamäleon Paul hat sie einen Narren gefressen. Kein Wunder, immerhin teilt sie mit ihm eine Eigenschaft: Wie der Hintergrund auch sei, diese zwei Überlebenskünstler stellen sich auf alles ein!

Weitere Informationen unter
www.stall-borghorst.de

ath

Fotos: Henrik Matzen