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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Mythen, Monster und majestätische Mauern

Schottland

Abgeschiedene Täler, einsame Seen und sagenumwobene, einst heißumkämpfte Burgen –die Schönheit der schottischen Landschaft ist vielerorts einfach atemberaubend und verleiht dem Land seinen einzigartigen Charakter.

Der vielleicht beeindruckendste Teil der Britischen Inseln offenbart Eindrücke von einer unermesslichen Vielfalt: von den gemütlichen Lowlands bis hin zu den zerklüfteten Highlands und unzähligen Inseln, von seinen pulsierenden Metropolen Glasgow und der Hauptstadt Edinburgh bis hin zu den großartigen Festungen und Herrenhäusern.

So mannigfaltig Tier- und Pflanzenwelt und so facettenreich die Landschaften auch ausfallen: Keine Beschreibung Schottlands wäre vollständig ohne seinen berühmtesten und beliebtesten Einwohner, das Ungeheuer von Loch Ness. Obwohl sich Nessie seit dem ersten urkundlich gewordenen Auftauchen im 6. Jahrhundert dezent von der neugierigen Öffentlichkeit fernhält, der Mythos ist weiterhin allgegenwärtig, und Zweifel an der Existenz des liebenswerten Monsters lässt der echte Schotte auch angesichts der recht zweideutigen wissenschaftlichen Beweislage nicht zu.

Und Nessie lebt doch!

So lauern die Heerscharen von Bewunderern bis heute an strategisch günstigen Punkten – wie der malerisch am Ufer gelegenen Ruine von Urquhart Castle oder der nur wenige Kilometer entfernten, überaus romantischen Jugendherberge – ihrem Idol auf.

Von Helden und Hexen

Ganz so friedfertig wie Nessie gaben sich die Schotten in ihrer schillernden Geschichte keineswegs. Unweit von Loch Ness und der Highland-Hauptstadt Inverness, die als idealer Ausgangspunkt für Streifzüge durch das historische Herz des Landes angesehen werden kann, ragen die Zinnen des düsteren Cawdor Castle aus der dichten Bewaldung hervor.
Der mächtige Wohnturm, der stattliche Burggraben sowie die klassische Zugbrücke machen die Festungsanlage zum Musterbeispiel herrschaftlicher Wohnanlagen. William Shakespeare wählte die Burg nicht ohne Grund zum Schauplatz für die Ermordung König Duncans durch den von Hexenfluch und Prophezeiungen angestachelten Macbeth.

Die Highlands spiegeln wie kaum eine andere Region in Großbritannien die Wurzeln der heutigen Bevölkerung wider. Sei es, dass man die Felsklippen von Glencoe bestaunt, die Charles Dickens wegen der Unwegsamkeiten und Schrecken der Vergangenheit als Friedhof der Giganten bezeichnet hat, oder seien es die Schlachtfelder bei Stirling und Falkirk, auf denen Ende des 13. Jahrhunderts der Volksheld William Wallace (von Mel Gibson in „Brave­heart“ beeindruckend dargestellt) den Volksaufstand gegen die englische Unterdrückung anführte.

Die zahlreichen Hinweise auf die raue Wirklichkeit der Vergangenheit üben heute eine magische Anziehungskraft aus – wobei die Verklärung der Clans und ihrer Lebensweise sicherlich auch auf den Schriftsteller Walter Scott, einen der größten Söhne des Landes, zurückzuführen ist.

Die Western Islands

Abseits des Festlandes betritt der Entdecker königlichen Boden. Königlich deshalb, weil sich der einst als Bonnie Prince Charlie (der hübsche Prinz) bekannte Thronanwärter als Magd verkleidet auf der Insel Skye vor seinen Häschern versteckt hat. „Selbst der Teufel wird mir hierher nicht folgen“, soll damals der sich in Sicherheit wiegende Charlie ausgerufen haben. Doch die Begeisterung der heutigen Besucher spricht eine andere Sprache.

Skye ist die größte der westlichen Inseln. Unzählige Wasserwege, mächtige Bergketten und bizarre Felsformationen durchziehen eine Landschaft, die ihren abwechslungsreichen und reizvollen Charakter einer turbulenten geologischen Geschichte verdankt. Hier hat seit dem 11. Jahrhundert der einst mächtige Mac Leod-Clan seinen Stammsitz. In seiner Festung Dunvegan Castle wird seit jeher die Fairy Flag, ein Seidenbanner mit magischen Kräften, bewacht.

Frühgeschichte der Menschheit

Aber auch die spärlich bewohnten Shetland-Inseln und Orkneys im Norden Schottlands, die man bequem per Fähre von Aberdeen aus erreichen kann, faszinieren durch ihren auf wilden und malerischen Küstenlandschaften beruhenden Reiz.

Mit mächtigen, steil zum Atlantischen Ozean abfallenden Klippen, die in scharfem Kontrast zu den sanften Hügeln und weiten Stränden stehen, präsentieren sich die nördlichsten Inseln des Landes glanzvoll.

Sie bieten mit prähistorischen Ausgrabungsstätten – wie z. B. der mehrere tausend Jahre alten Wohnanlage Jarlshof auf den Shetland-Inseln oder den Standing Stones of Stenness auf den Orkneys – einige der bemerkenswertesten Schätze europäischer Frühgeschichte.


Olympische Ehrungen für schottische Fußballfans

In Zeiten zunehmender Sicherheitsvorkehrungen in europäischen Fußballstadien setzten die begeisterungsfähigen und farbenfrohen schottischen Anhänger bereits im September 2001 einen positiven Meilenstein. Die Anzahl von 15 000 (!) Fans war nach Brüssel gereist, um ihrer Mannschaft gegen Belgien im Kampf um das heißbegehrte WM-Ticket den Rücken zu stärken.
Der Tag endete mit einer großen Enttäuschung, dem Verpassen der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea. Doch die Reaktion der Tartan Army, wie die „Bravehearts“ aufgrund ihrer traditionellen schottischen Bekleidung genannt werden, war bemerkenswert. Noch über eine Stunde nach Spielende feierten sie ihr Team im Stadion wie einen frisch gekürten Weltmeister, sie verbrüderten sich in der Innenstadt zu Tausenden mit belgischen Fans und beeindruckten so nachhaltig die Fußballwelt.
Das Olympische Komitee Belgiens verlieh den Repräsentanten der schottischen Fan-Vereinigung sowie dem Fußballverband SFA den Fair Play Preis 2001 für das loyalste, freundlichste und beste Auftreten von Fußball-Fans in Europa.

nawe

Fotos: Patrick Nawe