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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Mit Lab und Seele

Die Käsestraße Schleswig-Holstein

Was denken Sie, wie eigentlich die Käsestraße entstand? Nun, die Idee
dazu durchlief auch einen Reifeprozess …

So geschehen 1998! Es war ausgerechnet im niedersächsischen Kiekeberg, wo die Idee der Käsestraße Schleswig-Holstein geboren wurde. Während des vom Verein Slow Food organisierten Käsemarktes „Käse des Nordens“ nahm man mit Erstaunen auf, wie viele Käsevariationen aus dem nördlichsten Bundesland stammen.
Urlaubsland Schleswig-Holstein, ja, das war jedem geläufig. Aber Käseland Schleswig-Holstein? Diese Vorstellung sollte schnell Einzug in die Köpfe der Menschen halten.
1999 präsentierten die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Slow Food und die Gründungsbetriebe die Käsestraße der Presse. Es folgte die Gründung des Vereins „Käsestraße“ Anfang 2000 und die Bekanntmachung bei einem breiteren Publikum während der NORLA 2000 in Rendsburg.
Ziel des Vereins ist es, Käsereien nicht einfach nur willkürlich auf einer Landkarte miteinander zu verbinden. Die Käsestraße ist eine Verbindung zum Menschen dahinter, zu seinem Handwerk, zur Natur und zu authentischem Genuss gleichermaßen.
Ein weiteres Anliegen des Vereins liegt in der Stärkung der Interessen regionaler Meiereibetriebe und dem Bestreben, den lokalen Käse auch für die Gastronomie und den Einzelhandel schmackhaft zu machen. Bisweilen sehr erfolgreich!
Auch die coop Schleswig-Holstein eG ist überzeugt von dem Konzept der „Lokalmatadoren“. Mittlerweile schlängelt sich die Käsestraße auf über 500 Kilometern durch alle Regionen Schleswig-Holsteins.
Gut 30 Mitgliedsbetriebe und über 100 Käsesorten drücken ihr den Stempel auf. Tendenz steigend!

Aus Wein mach’ Käse

Wenn auch nicht ganz wörtlich gemeint, so ist dem hohen Norden seine Käsestraße doch, was dem Süden seine Weinstraßen sind. Und nicht nur wegen der zugehörigen Straßen gelten diese beiden Handwerkskünste als „Seelenverwandte“. Sowohl Käse als auch Wein tragen die Handschrift ihrer Hersteller. Nicht zu Unrecht also werden die Käser auch als die „Winzer des Nordens“ bezeichnet.

Bestes Beispiel ist der Tilsiter Käse. Er wird aus Rohmilch oder pasteurisierter Milch gekäst. Entweder in der klassischen Rad- oder in Blockform. Junge Tilsiter werden bereits nach 4 – 7 Wochen serviert, während Alte Tilsiter in der Regel 7 – 12 Monate reifen. Ein zwei Jahre gereifter Tilsiter erreicht Parmesan-Qualitäten.

Aber probieren Sie es aus! Und ziehen Sie für Ihre Käseprobe am besten noch einige der anderen schleswig-holsteinischen Spezialitäten hinzu. Wie etwa den Fünf-Seen-Käse, den friesischen Räucherkäse und den Edlen von Dannwisch! Unsere Empfehlung: Nehmen Sie diese delikate Angelegenheit nicht allein in Angriff, sondern genießen Sie die verschiedenen Käsesorten in einer geselligen Runde, z.B. bei einem Glas Wein an einem lauen Frühsommerabend.

Milch macht müde Märkte munter

Eine Milchwirtschaft entstand in den Herzogtümern Schleswig und Holstein erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Durch holländische Glaubensflüchtlinge kam dann der Aufschwung. Es entstand ein Pachtsystem, bei dem sich das Gut weiterhin um das Futter für die Tiere kümmerte, während die Holländer das Melken, die Milchverarbeitung und den Verkauf übernahmen. (Das hieraus entstandene Berufsbild bekam dann bezeichnenderweise auch den Namen „Holländer“.)

Der Markt wuchs kontinuierlich, und gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die „Holländer“ nicht mehr gefragt, da die Güter immer mehr dazu übergingen, nicht länger zu verpachten, sondern das Blatt selbst in die Hand zu nehmen. Bis 1912 gab es in Schleswig-Holstein 1069 Meiereien. Dem folgte eine lange traurige Zeit des Meiereien-Sterbens. Gerade mal 18 von ihnen haben sich bis heute gehalten. Aber der Phönix erhebt sich aus seiner Asche. An Stelle der alten Meiereien wächst eine Vielzahl von Hofkäsereien nach. Mit großem Erfolg übrigens, denn die Betriebe nehmen auch Kurs auf Nordrhein-Westfalen, wo unter Mithilfe der Schleswig-Holsteiner eine neue Käsestraße entsteht. Wir wünschen gutes Gelingen!

Weitere Infos finden Sie unter:
www.kaesestrasse-sh.de

ath

Fotos: Käsestraße SH e. V. (2), mcm-Archiv (1)