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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Mit allen Zinnen genießen

Unterwegs auf der Burgenstraße

Es war ein schwäbischer Raubritter, dem ein recht un-schickliches Zitat angedichtet wird. Götz von Berlichingens Aufforderung, man solle ihn doch am … nun ja, lecken, mag aber angesichts rauer Zeiten nachzuvollziehen sein. Schließlich war das Leben damals kein Zuckerschlecken. Ständige Querelen mit dem Fürstentum oder der Grafschaft nebenan prägten das Bild. Was der Neuzeit das atomare Wettrüsten, das war dem Mittelalter der Wettbau von Burgen.
Auf oftmals schroffen Felsvorsprüngen thronten uneinnehmbar mächtige Kastelle. Deren abschreckende Wirkung ist längst verpufft. Und schlimmer noch – heute wecken die einst zur Verteidigung errichteten Bollwerke nur noch den Wunsch, diese Zeitzeugen in Angriff zu nehmen.

Eine Straße geht ihren Weg

Im Jahr 1954 schlossen sich die Städte Mannheim, Heilbronn, Rothenburg ob der Tauber, Ansbach und Nürnberg zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. Ausgewiesenes Ziel war es, die Ferien- und Ausflugsgebiete links und rechts jener Route zwischen den Städten touristisch zu erschließen. Die hohe „Burg-pro-Kopf-Dichte“ in der Region legte den späteren Namen „Burgenstraße“ nahe. Begünstigt durch den verstärkten Wunsch nach Individualreisen gewann die Burgenstraße rasch an Bedeutung und im Zuge dieser Entwicklung immer wieder neue Partnerstädte. Verknüpft mit der Grenzöffnung nach Osten Anfang der 90er-Jahre gab es erste Kontakte nach Tschechien. Und so machte sich die Arbeitsgemeinschaft zum 40-jährigen Jubiläum 1994 mit dem Anschluss der Goldenen Stadt Prag ein ganz besonderes Geschenk. Damit hörte der „Straßenausbau“ aber nicht auf. Mittlerweile ist aus den ursprünglichen 320 km ein Streckennetz von über 1200 km entstanden. Im Zuge dessen wurde die Arbeitsgemeinschaft im Jahr 2000 in einen Verein umgewandelt.

Wer die Wahl hat …

Bei mehr als 70 Burgen und Schlössern entlang der Strecke fällt die Wahl nicht leicht. Wie schön, dass viele der alten Gemäuer authentische Unterkunftsmöglichkeiten bieten, ohne dass es dabei an Komfort mangelt.

Einen imposanten Blick über das Neckar­tal und den Odenwald bietet das Schloss Hirschhorn, eine Ritterburg aus dem 12. Jahrhundert. Das Jagdschlösschen Schlosshotel Thiergarten verfügt zwar nur über neun Zimmer, wer aber das Glück hat, eines davon zu ergattern, weilt inmitten einer Welt des Barock. In der thüringischen Veste Coburg kam der Reformator Martin Luther mehrere Monate unter. Daneben zählen das Heidelberger Schloss, die Festung Rosenberg und die Plassenburg in Kulmbach zu den wirklich großen Highlights. Die volle Pracht blüht Ihnen auch in der Orangerie Ansbach. Hier erwartet den Besucher ein nach Versailler Vorbild angelegter Schlossgarten.

Auch abseits von Burgen gibt es Sehenswürdigkeiten. Etwa das Automuseum Schloss Langenburg. Auf über 2000 qm dokumentieren Wagen aus der Pionierzeit, Oldtimer aus den 20er- und 30er-Jahren, Rennsportboliden und weitere Fahrzeuge die Geschichte des Automobils.

Wer lieber zweigleisig fährt, dem sei das Verkehrsmuseum in Nürnberg ans Herz gelegt. Hier steht der „Adler“, die erste deutsche Eisenbahn. Ebenfalls in Nürnberg liegt das Spielzeugmuseum, dessen großer Vorteil ein angeglie­derter Aktiv-Spielbereich ist.

Die Reise nach Kulinarien

Abgerundet wird die Reise auch von den kulinarischen Leckerbissen. Das Ländle ist berühmt für seine Maultaschen sowie für seine „Bubespitzle“, andernorts Schupfnudeln genannt, und seine Spätzle. Im Neckar-tal macht der gute Wein von sich reden. Besonders beliebt sind die so genannten „Besenwirtschaften“, die auf eine alte Tradition der Weingärtner zurückgehen.

Für eine kurze Zeit im Jahr wird deren „gute Stube“ für Gäste geöffnet. Als Erkennungszeichen hängen die Betreiber einen Besen an die Tür. Hier feiern Alt und Jung ausgelassen bei Wein und Gesang in unbeschwerter Runde. Das lukullische Markenzeichen Frankens stellen die Bratwürste dar, die überall auf unterschiedliche Weise zubereitet werden. Dabei dürfen die echten „Nürnberger“ nicht mehr als 25 Gramm wiegen. Und passend dazu gibt es ein frisch Gezapftes, schließlich kann Franken die größte Brauereidichte Europas vorweisen.

In jeder Beziehung abwechslungsreich gestaltet sich auch das Ende der Route in Prag. So kann man auf dem Hradschin ( „Burgstadt“; gesamte Hügel- bzw. Bergspitze.) unter anderem das militärhistorische Museum im Palais Schwarzenberg bewundern. Waffen, Uniformen, Fahnen und sogar Schlachtpläne von der Antike bis zum Ende des Ersten Weltkrieges sind dort ausgestellt.

Und wer sich jetzt noch immer nicht die Finger leckt, dem sei eine böhmische Spezialität empfohlen: Eine Portion in Scheiben geschnittener Serviettenknödel, serviert zu knusprig gebratener Gans und deftiger Sauce.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter:
www.burgenstrasse.de

ath

Fotos: Burgenstraße e.V.