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Dienstag, 07. September 2010
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Lesen auf dem Lande.

Das 7. Internationale Bücherstadt-Festival in Wünsdorf ruft: Anfang September locken antiquarische Bücher aus 17 Ländern in die Provinz.

Auf dem Land in Büchern schwelgen – dieses gut durchdachte Konzept des Engländers Richard Booth findet immer mehr Anklang in der Welt. Denn Bücherstädte sind nicht nur eine lokale Attraktion, sondern auch als Wirtschaftsfaktor interessant.

Die zweite Bücherstadt Deutschlands, der bei Berlin gelegene Ort Wünsdorf, hat sich das Konzept von Booth zu eigen gemacht und richtet Anfang September das 7. Internationale Bücherstadt-Festival mit Buchständen aus 17 europäischen und asiatischen Ländern aus. »Und darauf sind wir auch stolz!«, freut sich der Geschäftsführer der Bücherstadt-Tourismus-GmbH, Werner Borchert.

Wünsdorfer Geschichte.
Als 1994 die sowjetische Armee aus Deutschland abzog, endete für Wünsdorf eine fast 100-jährige Militärgeschichte. Auf die Truppen Kaiser Wilhelms folgten die großen Bunkeranlagen des Nazi-Militärs, dann die sowjetische Armee und schließlich, von 1953 bis 1994, der Sitz des Oberkommandos der Sowjetischen Streitkräfte. Im Zuge der Konversion entstand die Idee, mit dem Erbe zu leben, es aufklärerisch zu nutzen und die Bücher als friedlichen Pol dagegenzusetzen.

Heute kommen viele Schulklassen nach Wünsdorf, es werden Führungen angeboten sowie Bunkerbegehungen und Informationsveranstaltungen durchgeführt. »Aber wir sind nicht militaristisch!«, betont Borchert, wenn auch über Militärgeschichte informiert werde. Ein wichtiger Aspekt sei zum Beispiel, über die am Hitlerattentat Beteiligten zu berichten, die teilweise auch in Wünsdorf stationiert waren. Und natürlich über die Bücher.

Das Konzept.
Als der in Wales lebende Richard Booth 1961 mit einem Container voller Bücher, die er aus New York mitgebracht hatte, den Buchhandel auf dem Lande begann, war er überzeugt von seinem Konzept. Genau hier in der Provinz, in Hay-on-Wye in Wales zwischen Birmingham und Bristol, an dem Ort, an dem seine Familie seit 1903 lebte, sollte durch den Buchverkauf etwas Besonderes geschaffen werden.

Seine Idee war nicht nur idealistischer Natur, er war auch überzeugt von der ökonomischen Effektivität seines Konzeptes. Sein Ziel war es, Arbeitsplätze zu schaffen und dem Dorf und seinen Bewohnern eine Zukunftsorientierung zu bieten. Hier sollte eine Attraktion entstehen, die Besucher von weit her anlocken kann und die sich zugleich als konkurrenzfähiges Unternehmen präsentiert.

In den Siebzigern gab es bereits über eine Million Bücher im Ort. Richard Booth erklärte Hay-on-Wye zum unabhängigen Königreich. Was mehr als Scherz gedacht war, entwickelte sich auf Grund der sehr ernsthaften Reaktionen von Verwaltung und Medien zu einem öffentlichkeitswirksamen Ereignis, womit die Bekanntheit des Bücherdorfes weiter vorangebracht werden konnte. Heute gibt es Hay-on-Wye 38 Antiquariate und eine fast nicht mehr zählbare Anzahl von Büchern.

In der ganzen Welt.
Dem Anstoß von Richard Booth folgend bildeten sich in der ganzen Welt Bücherstädte und Bücherdörfer. Häufig nutzten Orte mit geringen wirtschaftlichen Aussichten diesen innovativen Ansatz zur Selbsthilfe. Ein Teil dieser Städte und Dörfer gehört der Organisation I.O.B an, der International Organisation of Book Towns, die alle zwei Jahre ein internationales Bücherstadt-Festival initiiert, was von jeweils einem Bücherdorf ausgerichtet wird.

In der übrigen Zeit sorgt die Organisation für den Informationsaustausch untereinander, gibt Tipps zum besseren wirtschaftlichen Überleben in der so genannten »stillen« Jahreszeit und stärkt so diese besondere Initiative zur Wirtschaftsförderung.

Internationales Festival.
Seit 1998 wird das internationale Literaturfestival ausgerichtet, und in diesem Jahr ist, nach den Niederlanden, Finnland, Schottland, Norwegen und Italien, zum zweiten Mal eine deutsche Stadt die Gastgeberin.

Vom 9. bis 12. September 2010 werden in Wünsdorf mindestens 17 Länder aus Europa und Asien mit ihren Büchern zu Gast sein. In diesen Septembertagen wird ein vielseitiges kulturelles Programm das Literaturfestival begleiten. Als musikalische Höhepunkte können Sie sich unter anderem auf das dortige Saxophon-Quartett freuen, auf die ganz spezielle A-capella-Band »Quadrophoniker« sowie auf einen gemischten Chor.

Von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr gibt es an allen drei Tagen Programm. Neben den Bücherständen der anderen Bücherstädte finden Sie auch Stände der mit den Bücherstädten in Verbindung stehenden Verlage, zu denen etwa der Eulenspiegel-Verlag und der Christoph-Links-Verlag zählen. Natürlich sind auch die Kunst-Galerien und das Radsportmuseum in dieser Zeit geöffnet. Gründe genug also, im September einen Abstecher nach Wünsdorf zu machen!bth

Bilderbücher aus Japan oder Abenteuerromane aus der Schweiz? In Wünsdorf wird jeder fündig.
Bücher, Bücher, Bücher ... blättern, lesen, finden!