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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Lebe wohl, lieber …

Das gibt es bald nicht mehr: Diaprojektor

Vieles, was uns in den letzten zwanzig, dreißig und mehr Jahren durch den Alltag begleitet hat, verschwindet unwiderruflich aus unserem Leben. Höchste Zeit also für einen wehmütigen Blick zurück.

Oft sind es einfach nur mehr oder weniger nützliche Produkte, die uns mit der Zeit ans Herz gewachsen sind. Oder es handelt sich um Dienstleistungen, die wie selbstverständlich zu unserem Leben gehören. In jedem Fall aber verknüpfen wir mit ihnen ein ganz bestimmtes Gefühl, das umso tiefer rührt, je endgültiger wir von derlei Vertrautem Abschied nehmen müssen.

Ich weiß nicht, was mir in meiner Studentenzeit mehr Kopfschmerzen bereitete: die lange Abwesenheit meiner Freunde, wenn sie ihre Rucksäcke schnürten und für viele Wochen ferne Regionen bereisten – oder ihre Rückkehr und die Aussicht auf die unausweichlichen Diaabende, die sich über drei, vier Stunden hinziehen konnten. Unter 200 Motiven ging selten was, und ein jedes davon verlangte nach eingehender Kommentierung. Vorausgesetzt natürlich, das Vorführgerät hielt derlei Strapazen überhaupt durch. Denn eines war so sicher wie die Vorführung selbst: dass nämlich irgendwann zwischen Dia Nummer 83 und Dia Nummer 107 der Transport des Projektors zu klemmen begann. Und genau in diesem Moment schlug die Stunde all derer, die weniger die bildreichen Reiseeindrücke an der Wand interessierte als vielmehr die faszinierende Technik, die sie dorthin verfrachtete.

Damit das Kleinbild zum Großbild wird
Die Entwicklung des Projektors ist eng mit der Geschichte der Fotografie verknüpft. Schließlich zog die Anfertigung von wirklichkeitsgetreuen Abbildungen unweigerlich ein Verfahren nach sich, mit dem diese Bilder einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden konnten.

So gesehen ist die Laterna magica, die zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert verschiedene Neuerungen erfuhr, durchaus als Prototyp des späteren Projektors anzusehen. Vereinfacht gesagt handelte es sich um einen Kasten, in dem sich eine Lichtquelle befand, und ein Linsensystem, durch das der Lichtstrahl auf eine Projektionsfläche gelenkt wurde. Letztere konnte auch mal durch den Raum schwebender Rauch sein, was den zwischen Licht und Okular eingeschobenen Motiven eine geradezu unheimliche Anmutung verlieh.

Deutlich bessere Resultate erzielten dann die ersten modernen Durchlichtprojektoren, was gleichermaßen den hochwertigeren Vorlagen und der fortschrittlichen Optik zu verdanken war. Ebenfalls entscheidend für die Abbildungsqualität war die gleichmäßige Durchleuchtung des an die Wand projizierten Bildes.

Massentauglich wurde der Projektor mit der Erfindung des 36‑mm-Kleinbildformats – eine Innovation, die auf die berühmte Kleinbildkamera aus dem Hause Leica zurückgeht. Als in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts die Farbfotografie die Schwarz-Weiß-Fotografie weitgehend verdrängte, begann auch der Siegeszug des Diapositivs. Insbesondere professionelle Fotografen schätzten – und schätzen noch heute – den Qualitätsvorsprung gegenüber dem sogenannten Farbnegativ in puncto Schärfe, Farbtreue und Tonwert­umfang. Für die Abermillionen „Knipser“ weltweit jedoch fallen solche Pluspunkte heute nicht mehr ins Gewicht: Die digitale Fotografie hat eben auch diesem Medium das Grab geschaufelt.

Warten auf die Post
Angeregt durch die Impressionen, die meine Freunde aus aller Welt mit nach Hause brachten, schwenkte auch ich irgendwann auf den Diafilm um. Der Ablauf war stets derselbe: Film kaufen, Fotos machen, die vollgeknipste Patrone in den beigefügten Versandumschlag eintüten, das Ganze mit der Post auf den Weg bringen – und dann vier, fünf Tage Geduld beweisen, ehe ein größerer, schwererer Umschlag den Weg zurück in meinen Briefkasten fand. Der enthielt die sehnsüchtig erwarteten kleinen Plastikrahmen mit meinen mehr oder weniger bemühten „Kunstwerken“.

Im Schnelldurchlauf wurden sie dann gegen das Licht gehalten und kritisch beäugt. Aber selbstverständlich war es nur eine Frage von Minuten, bis der Projektor auf dem Tisch stand und die Dias kopfüber in die Schiene gesteckt waren. Und dann stellte sich jedes Mal diese von allen Amateurfotografen geteilte „Erfahrung“ ein, über die ein Profi nur müde lächeln wird: Je größer ein Bild ausfällt, umso besser ist es auch! espa

Fotos: Pixelio, Shutterstock