Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Kamerad Schnürschuh, der Pantoffelheld
Täglich liegen sie uns auf der Zunge: Redensarten für alle Lebenslagen. Doch wissen wir immer so genau, was wir da gerade sagen?
Ein Mann, der immer brav macht, was seine Gattin will, »steht unter dem Pantoffel«. Wem kann man dafür »die Schuld in die Schuhe schieben«?
Das, worauf man seinen Fuß (und damit den Schuh) setzt, das hat man in seiner Macht, glaubte man früher. Und der Pantoffel, also der Hausschuh, gehörte traditionell zur Tracht der Frauen, deren Hauptaufgabe es damals ja war, Heim und Herd zu hüten.
Der gestiefelte Wagemut
Nun ist zwar der Brauch überliefert, dass Brautpaare bei der Hochzeitsfeier versuchten, einander gegenseitig auf den Fuß zu treten, um herauszufinden, wer in der Ehe das Sagen haben wird – doch vielleicht reichte es schon aus, wenn die Ehefrau bei einem Streit ihren Puschen bedrohlich über dem Kopf des Gatten schwang, um ihn zum »Pantoffelhelden« zu machen?
Schnürschuhe dagegen wurden von ganzen Kerlen getragen. »Kamerad Schnürschuh« nämlich nannten die Soldaten der preußischen Armee (zu deren Uniform Schaftstiefel gehörten) ihre Kollegen vom österreichisch-ungarischen Militär, deren Stiefel Schnürsenkel hatten.
Doch ob Schaft oder Senkel – ein Soldat sollte schon »einen Stiefel vertragen können«, also auch bei reichlich Alkoholkonsum standfest bleiben. Anekdoten berichten zwar von Raubeinen, die tatsächlich aus ihrer Fußbekleidung tranken – doch wahrscheinlicher ist, dass die früher gebräuchlichen Weinbeutel aus Leder scherzhaft »Stiefel« genannt wurden.
Verborgene Umtriebe
Der Trick, anderen »die Schuld in die Schuhe zu schieben«, um sie für die eigenen Missetaten büßen zu lassen, stammt aus der Zeit, als Reisende in Herbergen noch mit mehreren wildfremden Menschen ein Zimmer teilen mussten. Für reisende Räuber war das sehr praktisch, denn sie konnten ihr Diebesgut über Nacht einfach in den Schuhen anderer Leute verstecken, die dann als Täter verdächtigt wurden, wenn die Beute entdeckt wurde.
Auch Kummer und Schmerz lassen sich gut im Schuhzeug verbergen. Wirklich »wissen, wo ihn der Schuh drückt«, das kann ja nur der, der ihn trägt. Bereits um 100 nach Christi berichtet Plutarch, dass der Römer Lucius Aemilius Paullus mit solchen Worten die Gründe für seine Scheidung von einer sehr angesehenen Frau geheim hielt. Drückten ihn etwa die herrschsüchtigen Pantoffeln seiner Gattin? mimu





