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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Im Land der Pharaonen

Ein Streifzug zu den Pyramiden und Grabkammern in Ägypten.

Ägypten gehört längst zu den beliebtesten Reisezielen. Ob es die Ruhe und Einsamkeit der Wüste ist, die beeindruckenden Relikte der überaus reichen Vergangenheit oder aber die großartige Unterwasserwelt berauschender Tauchgebiete entlang des Roten Meeres: Ägypten besticht durch Abwechslungsreichtum und ausgezeichnete Möglichkeiten für Sportler, Abenteurer und Kulturliebhaber gleichermaßen.

Leben zwischen Wasser und Sand
Nach einer bis heute nur schwer zu datierenden Sintflut entwickelte sich die Gestalt des heute rund eine Million Quadratkilometer großen Flächenlandes Ägypten. Doch an eine umfassende Bewirtschaftung des riesigen Gebietes zwischen dem Mittelmeer im Norden und der sudanesischen Grenze im Süden ist nie zu denken gewesen. Nicht einmal fünf Prozent des Staatsgebietes bieten Raum für das landwirtschaftliche Gedeihen, den Rest beansprucht die schiere Unendlichkeit von Sand- und Steinwüsten.

Der vergöttlichte Fluss
Man muss nicht lange im Land zwischen Wasser und Sand verweilen, da wird einem die Bedeutung des 6671 Kilometer langen Flusses Nil für die Bevölkerung deutlich. Die alten Ägypter vergöttlichten ihn, und auch noch heute ist der besondere Respekt vor dem Leben spendenden Strom allgegenwärtig. Nicht ohne Grund leben 99 Prozent der Bevölkerung in direkter Nähe des Flussufers und des Nildeltas, die verschwindend geringe Landbevölkerung verteilt sich auf die westliche Sahara.

Mit fast neun Millionen Touristen jährlich erzielt Ägypten im Tourismus sensationelle Zahlen. Die Branche sorgt für viele wichtige Arbeitsplätze im Land. Kernzentren sind dabei neben den Strandgebieten von Hurghada, Soma, Safaga oder Sharm El-Sheikh vor allem die beiden Nil-Metropolen Kairo und Luxor mit ihren antiken Schätzen.

Im Land der Pyramiden
Die Pyramiden von Gizeh sind das einzig noch erhaltene Weltwunder der Antike. Die von Pharao Cheops (2560-2535 v. Chr.) ist mit ihrer Höhe von 146 Metern die größte der heute insgesamt 81 Pyramiden in Ägypten. Die Tatsache, dass sie durch Steinraub und Verwitterung in den 4500 Jahren seit ihrer Fertigstellung gute neun Meter verloren hat, beeinträchtigt die Vollkommenheit in keinster Weise. Aus mehr als 2,3 Millionen Kubikmeter Kalkstein ließ Cheops binnen 30 Jahren sein Grabmal errichten. Dimensionen, die noch heute unvorstellbar erscheinen. Würde man die verbauten Steinquader der Cheops-Pyramide aneinanderreihen, dann könnte man eine zwei Meter hohe Mauer um Frankreich ziehen.
Neben der Cheops-Pyramide erregt vor allem auch die Chephren-Pyramide mit der vor ihr ruhenden Sphinx Aufsehen. Halb Mensch, halb Tier – die löwenähnliche Sphinx wurde in direkter Nähe zum Weltwunder von Gizeh aus weicherem, für den Bau der Pyramiden nicht zu verwendenden Stein geschlagen.

Das Gotteshaus
Im Norden Luxors, gute 1000 Kilometer südlich von Kairo, erheben sich die 38 Meter hohen Mauern des mächtigen Karnak-Tempels, dessen Bauarbeiten von 2000 v. Chr. bis 85 n. Chr. andauerten. Eine eindrucksvolle und von Pharao Ramses II, dem bedeutendsten Pharao überhaupt, errichtete Widder-Sphinx-Allee führt zum Eingang des Tempels. Die Widdersphinx symbolisiert den Gott Amun, dem zu Ehren der größte Tempel des Landes errichtet wurde. Der Säulensaal des Karnak-Tempels bietet einen prächtigen Eindruck antiker ägyptischer Baukunst. 134 Säulen von 23 Metern Höhe sorgen für eindrucksvolle Lichtspiele in der Säulenhalle und verschaffen dem Heiligtum eine mystische Atmosphäre von Allmacht und Größe.

Der Fluch des Tutanchamun
Während sich in der Antike auf dem Ostufer Luxors – die Griechen nannten es Theben – Paläste und Tempel befanden, legten die alten Ägypter im Westen ihre Gräber und Totentempel an. Über 7,5 Millionen Besucher strömen jährlich durch das »Tal der Könige«, angezogen von geheimnisvollen Geschichten über die Pharaonen. Obwohl der jung verstorbene Tutanchamun im Gegensatz zu anderen Herrschern nur eine geringe Bedeutung für die Geschichte hatte und auch sein Grab das kleinste im »Tal der Könige« darstellt, ranken sich um die Entdeckung seiner Grabkammer und ihrer unglaublichen Reichtümer durch Howard Carter im Jahre 1922 die unheimlichsten Erzählungen. Die weltberühmte Goldmaske, die reiche Grabausstattung sowie die vier Schreine befinden sich heute im Ägyptischen Museum in Kairo. Genauso wie die Mumien bekannter Pharaonen in der »Royal Mummies Hall«.

Die von Carter entdeckte Grabkammer des Tutanchamun führte jedoch auch zur Besinnung darüber, welche unermesslichen Schätze der Menschheit während der Jahrtausende durch Grabräuber im »Tal der Könige« verloren gegangen sind. Grabstätten von Herrschern der Größenordnung eines Ramses II. oder Seti I. konnten die Archäologen nur noch leer öffnen.

Unweit vom »Tal der Könige« befindet sich die monumentale Anlage von Deit el-Bahari mit dem Totentempel der Hatschepsut, der einzigen Frau, die jemals den Pharaonen-Thron (1479 - 1458 v. Chr.) behaupten konnte.

Reisezeit
Ägypten ist eigentlich ganzjährig ein  sehenswertes Reiseziel. Dem Mitteleuropäer empfiehlt sich allerdings eine Reisezeit zwischen Oktober und März, denn in den Sommermonaten können die Temperaturen leicht auf über 30 Grad (Kairo) oder sogar 40 Grad (Luxor) ansteigen. Im vergangenen Jahr wurden im »Tal der Könige« sogar Temperaturen von mehr als 50 Grad gemessen. Eine Hitze, die sich selbst an den Stränden der Badeparadiese am Roten Meer kaum mehr ertragen lassen würde.
nawe

Fotos: Patrick Nawe