Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Im Freistil durch die Weltmeere
Kreuzfahrtschiff „Norwegian Gem“
Am 3. Oktober dieses Jahres kam zusammen, was zusammengehört. Die Rede ist nicht von Ost- und Westdeutschen, sondern von einem nagelneuen Schiff und dem Meer.
An jenem Tag nämlich trat die „Norwegian Gem“ von Rotterdam aus ihre knapp eintägige Jungfernfahrt an. Wir durften mit und konnten uns während dieser sogenannten „Cruise to nowhere“ von ihrer Klasse überzeugen. Und es bleibt festzuhalten, dass die „Gem“ zwar aus der Erde gekommen ist (engl. gem = Edelstein), über den Wasserweg aber den schnellsten Weg in den – zumindest gefühlten – Himmel bietet.
Schon rein äußerlich macht der Kreuzfahrer seinem Namen alle Ehre. Eine Kette aus gemalten Edelsteinen ziert den Rumpf. Und auch bei den „inneren Werten“ macht sich das Schiff eine Charakteristik seines Namensgebers zu Eigen. Wie ein Brillant bricht es das Licht und gibt es in allen Farben des Regenbogens wieder. Wo man sich auch gerade an Bord befindet, das Spiel der Farben ist omnipräsent.
Zahlen bitte!
Die „Norwegian Gem“ ist das vierte und letzte Schiff aus der Baureihe der Juwel-Klasse und wurde wie ihre Schwesternschiffe „Norwegian Jewel“, „Norwegian Jade“ und „Norwegian Pearl“ von der Meyer Werft in Papenburg gebaut. Der erste der insgesamt 67 Blöcke wurde am 17. Juni 2006 in die Werfthalle gehoben, und fertiggestellt wurde das Schiff am 1. Oktober 2007. Es misst 295 Meter in der Länge, 33 Meter in der Breite und hat einen Tiefgang von 8 Metern.
Auf insgesamt 12 Passagierdecks bietet sie genügend Raum für bis zu 2400 Gäste sowie die knapp 1100-köpfige Crew, die maximale Geschwindigkeit beläuft sich auf 25 Knoten. Mit ihrem neuen Flaggschiff stellt die Norwegian Cruise Line (NCL) die jüngste Flotte aller Kreuzfahrtanbieter. Derzeit wird die „Gem“ in der südlichen Karibik eingesetzt, doch schon bald gibt es ein Wiedersehen. Von Mai bis zum 9. November 2008 sticht sie von Barcelona aus insgesamt 28 Mal in See und belebt so den touristischen Linienverkehr zwischen Mittelmeer und Nordeuropa.
Da Stillstand Rückrudern bedeutet, befindet sich schon die nächste Generation Kreuzfahrer im Aufbau. Ist die „Gem“ schon ein Riese, so werden die bis zu drei derzeit noch unter dem Namen „F3“ geführten Projekte wahre Titanen der Ozeane. Bis zu 4200 Passagieren werden die im französischen Saint-Nazaire
zu bauenden Kolosse die Überfahrt ermöglichen und dem ständig wachsenden Anspruch an Individualität noch weiter entgegenkommen. Die Fertigstellung ist zwischen 2009 und 2011 geplant.
Eine schwimmende Stadt
Wohnst du noch oder schwimmst du schon? An Bord der „Gem“ findet das Leben auf allerhöchstem Niveau statt. Zwölf Restaurants bieten genussreiche Abwechslung für den Gaumen, in fast ebenso vielen Bars und Lounges erfreut man sich an den „liquiden Mitteln“. Für bestes Entertainment sorgen das Theater, das Casino, der Nachtclub und die Videospiel-Arkade. Sogar eine Bowling-Anlage befindet sich an Bord. Entspannung pur ist dann im Spa angesagt. Wer sich dagegen sportlich betätigen will, kann wählen zwischen Fitness-Center, Kletterwand, Tennisplatz, Volleyball- und Basketballfeld sowie zwei Swimmingpools. Mit anderen Worten: „Gibts nicht“ gibts nicht!
Die 25 verschiedenen Kabinenkategorien bieten die größte Auswahl an Kabinen auf hoher See, und somit ist für nahezu jeden Geldbeutel eine Reise erschwinglich: von Innenkabinen über Außenkabinen mit Balkon bis hin zu den Courtyard- oder gar den luxuriösen Garden-Villen. Letztgenannte Kategorie bietet auf 548 m2 fürstlichen Reichtum: Ein eigenes Sonnendeck, ein eigener Butler und manches mehr steht den oberen Zehntausend zur Verfügung, derweil sie sich am geisterhaften Spiel des elektronischen Klaviers erfreuen, das im Moment unserer Besichtigung zu Debussys „Clair de lune“ ansetzt.
Nichts muss, alles kann
Wenn von Freestyle die Rede ist, denken wir an sportliche Disziplinen wie das Schwimmen und Ringen, und womöglich gehen uns auch Stilrichtungen der Musik durch den Sinn, die sich in keine Schublade schließen lassen (wollen) – mit einer Kreuzfahrt aber bringt vermutlich niemand den Begriff in Verbindung. Gerade dieses Motto aber hat sich die NCL mit ihrem Konzept des „Freestyle Cruising“ auf den Wimpel geschrieben. „Freestyle“ steht dafür, sich die Kreuzfahrt nach den eigenen Wünschen und Vorstellungen maßzuschneidern.
Am deutlichsten spürbar ist dieses Konzept bei den Essenszeiten: Es gibt keine! Man isst, wann und wo man will. Auch bei der Kleidung gibt es keine starren Vorschriften. Gelebt und zum Ausdruck gebracht wird diese Lockerheit in jeder noch so kleinen Nische des Schiffes. So auch beispielsweise in einem Untermenü unseres Kabinenfernsehers! Direkt neben der Uhrzeitangabe steht der Hinweis „not that it matters“ (= „nicht, dass es wichtig wäre“). Zur Ungezwungenheit – ob kleider- oder zeittechnisch – wird aber niemand gezwungen. Reservierungen sind natürlich möglich, und für die, die eine gewisse Festlichkeit schätzen, gibt es an Bord jedes Schiffes der NCL ein Restaurant mit formellerem Ambiente.
Alles gut, sollte man also meinen. Aber ein Deutscher wäre nicht zufrieden, hätte er überhaupt nichts zu beanstanden. Die Verantwortlichen konnten es nicht wissen, aber in meiner Person hatte man sich einen der „größten“ Basketballspieler aus der ruhmreichen Geschichte des SV Friedrichsort an Bord geholt. Und zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass das um den Basketball-Court angebrachte Abschirmnetz zu niedrig ist, um besonders bei Distanzwürfen einen perfekten Bogen werfen zu können.
Dieses kleine Manko fällt aber angesichts der vielen Vorzüge nicht weiter ins Gewicht. Insgesamt ist der NCL mit der „Gem“ ein mehr als gelungener Wurf geglückt.
ath
Weitere Informationen unter www.ncl.de







