Artikel rund um das Thema Reisen und Kultur

 
Sie sind hier: Reise & Kultur / Artikel
Donnerstag, 24. Mai 2012
...

Im Bundesland der 1000 Seen

Der Tollensesee in Mecklenburg-Vorpommern

Das mit Wasser verwöhnteste Bundesland Deutschlands ist nicht etwa Schleswig-Holstein: Obwohl das Land zwischen den Meeren alleine schon um die 1200 km Küstenlinie aufzuweisen hat, wird es von Mecklenburg-Vorpommern mit rund 1700 km Küste, die sich aus der zerklüfteten Bodden- und Haffküste und den großen Inseln ergeben, deutlich übertrumpft. Und auch im Binnenland hat Mecklenburg-Vorpommern eine erstaunliche Menge an Wasser vorzuweisen.

Weite Teile der Landschaft sind geprägt von über 1000 Seen. Die vor 15 000 Jahren im Laufe der letzten Eiszeit durch Eisbewegung und Tauwasser entstandene Mecklenburgische Seenplatte bildet den zentralen bis südlichen Teil des Landes Mecklenburg-Vorpommern und gilt als größtes zusammenhängendes Seengebiet Deutschlands.

Das Herz der Region

Einer der schönsten und größten von ihnen ist der Tollensesee. Er befindet sich im östlichen Teil Mecklenburgs und ist wegen seiner intakten Natur das „grüne Herz“ der am Nordufer gelegenen Stadt Neubrandenburg. Mit seinen 17 qkm Fläche ist er der sechstgrößte der mecklenburgischen Seen. Er ist ca. 10,4 km lang, zwischen 1,5 und 2,5 km breit und bis zu 33 m tief. Zum Vergleich: Der in der Fläche größte See ist mit rund 113 qkm die gleichfalls in Mecklenburg liegende Müritz. Der Tollensesee mit seinen relativ steilen Ufern wurde in der letzten Eiszeit durch Gletscherwanderung regelrecht in die Landschaft geschnitten, so dass er einen typischen Gletscherzungensee bildet. Der Name „Tollense“ leitet sich von dem slawischen Wort „dolenzia“ (Talniederung; „dol“ oder „dolina“ = Tal) ab.

Sein Fischreichtum zog seit vielen Jahrhunderten die slawischen Stämme an und auch Ritter Herbort von Raven fand im Jahr 1248 am Nordufer einen perfekten Standort für sein „Neues Brandenburg“.

Die Fischerei war neben dem Ackerbau lange Zeit eine Hauptnahrungsquelle der Neubrandenburger. Ein besonderer Leckerbissen war in dieser Region seit jeher der Aal, der vor allem im 13. Jahrhundert in der Fastenzeit ein bevorzugter „Ratsfisch“ war.

Natur im Gleichgewicht

Das Hauptkapital des Gebietes um den Tollensesee ist heute aber nicht mehr der Fischfang, sondern die Landschaft selbst, eine der reizvollsten der Norddeutschen Tiefebene.

Mit einer Größe von 100 qkm ist das Landschaftsschutzgebiet „Tollense-Becken“ das wichtigste Naherholungsgebiet der Stadt Neubrandenburg und ihres Umlandes. Die Moränenlandschaft mit Hügelketten, großen Waldflächen, zahlreichen Bächen und kleineren Seen ist Heimat geschützter Tiere und Pflanzen, die sich hier ungestört vermehren können. Die Vorkommen seltener Tierarten, wie Seeadler oder Fischotter, belegen die ökologische Qualität dieses Landschaftsraumes. Besonders reichhaltig ist die Vogelwelt des Seegebietes: Bisher wurden 190 Vogelarten nachgewiesen. Der Tollensesee und seine Zuflüsse besitzen außerdem immer noch eine artenreiche Fischfauna, so dass Aal, Plötz, Schlei und Hecht sich hier wohl fühlen. Entsprechend vielfältig zeigt sich auch die Pflanzenwelt: Kammlaichkraut, Teichfaden, Schwimmblatt, Weiße Seerose, Gelbe Teichrose oder Schilf sind hier häufig zu finden.

Mehr als ein See

Für Erholung Suchende, die einerseits die intakte Natur genießen, aber andererseits auch etwas unternehmen möchten, hat der Tollensesee einiges zu bieten.

Am Nordufer des Sees wartet die Stadt Neubrandenburg beispielsweise mit einem Kulturpark, Yachthafen und Wassersportzentrum auf. Größe und Lage des Sees bieten beste Bedingungen für jegliche Art von Wasservergnügen, und auch Badelustige kommen in den angrenzenden Strandbädern auf ihre Kosten. Die „Stadt der vier Tore“ trägt ihren Zweitnamen aufgrund der hervorragend erhaltenen mittelalterlichen Stadtbefestigung mit ihren vier spätgotischen Toren aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Diese eindrucksvollen Wehranlagen und eine sehenswerte Altstadt machen Neubrandenburg zu einem lohnenswerten Ausflugsziel.

Vor allem für Wanderfreunde (ob zu Fuß oder mit dem Fahrrad) bietet das Gebiet um den Tollensesee unendliche Vielfalt zum Entdecken und Staunen. Rings um den See wurde beispielsweise ein 38 km langer Wanderweg geschaffen, der über weite Strecken direkt am Ufer entlangführt.

Kenner behaupten, es ist der landschaftlich schönste Rundkurs um einen See in ganz Mecklenburg. Die Tour führt durch idyllische Dörfer wie Alt Rehse, vorbei am Jagdschloss Prillwitz aus dem 18. Jahrhundert und an einer Kormorankolonie in der Lieps (ein Nachbarsee) und bietet verschiedene Aussichtspunkte mit einem fantastischen Blick über das gesamte Tollense-Becken.

flo

Fotos: Tourismusverband Mecklenburgische Seenplatte (4), Karte: mein coop magazin