Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Im Bauch Italiens
Ein kulinarischer Streifzug durch die Emilia-Romagna.
Das Schlaraffenland liegt direkt neben der Autostrada del Sole: Neben Ferrari, Pavarotti und Luca Toni haben Modena und weitere Städte in der Emilia-Romagna vor allem eins zu bieten: Lukullische Genüsse wie Parmigiano Reggiano, Aceto Balsamico, Prosciutto und auch Lambrusco. Kommen Sie mit auf eine Entdeckungsreise in den Bauch Italiens!
»Un Caffè macchiato, per favore!« Wer sich im »La Messicana« einen Kaffee gönnen will, muss besonders morgens ein bisschen Geduld mitbringen. Es ist brechend voll. Das »Messicana« ist ein kleiner, exklusiver Kaffeeröster und in ganz Modena als die beste Kaffeebar bekannt. Das erklärt die Enge. Besitzer Stefano bewegt sich flink hinter seinem schmalen Tresen, schenkt hier einen Caffè aus, dort einen Cappuccino, wieder an der anderen Ecke einen Caffè Corretto (mit einem Schuss Grappa). Man kennt sich, grüßt sich, wechselt zwei, drei Worte, bevor es gestärkt in den Arbeitstag geht.
Immer schön langsam
Modena erwacht. Und das tut die Stadt gemächlich. Im Centro Storico, das größtenteils verkehrsberuhigt ist, bewegt man sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Niemand ist in Eile, man geht seinem Tagewerk nach, aber nicht gehetzt wie in den Metropolen Mailand oder Rom, sondern in entspanntem, menschenfreundlichem Tempo. Automatisch dimmt sich auch der eine höhere Schlagzahl gewöhnte Besucher runter. Slow-Food-Tempo also, was besonders dem eigentlichen Ziel des Ausflugs zugutekommt – dem Schlemmen.
Die Emilia-Romagna hat ihren Spitznamen »Bauch von Italien« mehr als verdient. In kaum einer anderen Region gibt es so viele Spezialitäten und Menschen wie den mittlerweile verstorbenen Luciano Pavarotti, den gebürtigen Modenesen, der – auch körperlich – zu den herausragenden Zeugen für die Güte der regionalen Küche zählte.
Bologna lockt mit Mortadella und ist die erklärte Erfinderin der leckeren Tortellini, die original nur in Brühe gegessen werden. Und die »La Grassa« (die Dicke) genannte Stadt ist auch Namensgeberin des Ragù alla Bolognese, das Spaghetti und Lasagne krönt. Parma hingegen lockt mit Schinken und Reggio Emilia ist die Heimat des Lambrusco. Die Provinz Modena hingegen gehört zu den reichsten Italiens, nahe der Stadt liegt Maranello, wo sich Ferraris Rennstall befindet.
Von Luca Toni empfohlen
Der Spaziergang durch Modena Richtung Domplatz führt unter den Schatten spendenden Arkadengängen entlang, die im Sommer vor der Sonne, in den Wintermonaten vor Regen schützen. Der Duomo, dessen Turm auch »La Ghirlandina« (kleine Girlande) genannt wird, ist seit 1997 Unesco-Weltkulturerbe, und der Platz das Wohnzimmer der Modenesen. Hier wird der abendliche Spaziergang gemacht, la passeggiata. Sehen und gesehen werden ist die Devise. Auf der Via Emilia, die quer durch die Stadt führt, geht es an einem Schaufenster nach dem anderen vorbei. Es gibt schicke, typisch italienische Kleidung und Schuhe, Schuhe, Schuhe ...
Doch man sollte nicht der Treter wegen Modena besuchen, sondern um des guten Essens willen. Und das kann wirklich sehr gut sein. So wie es in der Osteria Giusti offeriert wird. Eine Institution! Angeschlossen an das Restaurant ist ein Feinkostladen, der seinesgleichen sucht. Schinken und Salami hängen von der Decke, die Regale sind gefüllt mit Pasta, Saucen, Keksen, Schokolade und in der Vitrine warten dutzendweise Käsesorten aus ganz Italien. Dazu noch ein Schluck Vino; Lambrusco, der wird hier in der Gegend produziert. Bayern-Star und gebürtiger Modenese Luca Toni ist Stammgast. Und er ist so begeistert von der Osteria, dass die sogar mit ihm Werbung machen darf.
Bio-Parmigiano und Oldtimer
Nach dem Essen heißt es: raus aus der Stadt, einen der besten Parmigiano-Produzenten besuchen: Hombre, der seine Milch biologisch produziert. Im Hofladen kann man Hombre-Parmigiano erwerben. Nach einem Rundgang ist noch das angeschlossene Privatmuseum einen Blick wert, in dem sich die Créme de la Créme des Automobilbaus befindet.
Abends, nach einem Aperitivo im »Mon Cafè«, einem der derzeit angesagtesten Treffpunkte in Modena, geht es in das Sterne-Restaurant »L’Erba del Re«, in dem kreative Modeneser Küche zuhause ist. Die drei Souffles jeweils aus unterschiedlich lang gelagerten Parmigiani sind unschlagbar. Wer die einmal probiert hat, wird bald wieder in die Schlemmerstadt pilgern wollen … tp







