Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Hier wirds mal wieder richtig Sommer
Die Stadt Barmstedt
Gerade mal 9700 Seelen – da liegt die Vermutung nahe, Barmstedt, die kleinste Stadt im Kreis Pinneberg, könnte ein verschlafenes Nest sein. Doch wer den Ort nicht gleich zu den Akten legt, wird schnell feststellen, dass er einiges zu bieten hat.
Die idyllische Kleinstadt an den Toren Hamburgs präsentiert sich eigenwillig. Bester Beleg dafür ist die hiesige Tradition, manches Fest statt wie üblich von Freitag bis Sonntag von Samstag bis Montag abzuhalten. Darauf angesprochen, warum das so ist, frotzelt Paul-Hermann Kröger vom örtlichen Tourismusbüro, das sei schon immer so gewesen.
Wenngleich manchem diese Erklärung als unzureichend erscheint, so lässt sie doch erkennen, welche grundsympathische Haltung dahintersteckt. In Barmstedt, so die Botschaft, läuft die Zeit eben noch anders. Was im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass man nicht mit der Zeit geht. Barmstedt ist der Balance-Akt zwischen Moderne und Tradition, zwischen Kultur und Unterhaltung sowie zwischen pulsierendem Leben und Erholung pur rundum gelungen.
Ein Anflug von Historie
Zur Stadt im eigentlichen Sinne wurde Barmstedt erst 1895, als man sich mit Großendorf vereinigte. Urkundliche Erwähnung aber fand der Name dank der „Ritter von Barmstede“ schon lange vorher. 1140 tauchte er erstmals in den Annalen der Geschichte auf.
Mit dem Niedergang des Rittergeschlechts im 13. Jahrhundert wurde es erst mal etwas ruhiger um die Region – bis im Jahr 1721 die Ermordung des amtierenden Grafen Christian Detlev von Rantzau Rätsel auftrug. In einem zweifelhaften Verfahren wurde sein eigener Bruder für schuldig befunden, und nun war der Weg frei für eine Verwaltung durch den dänischen König – die aber mit dem preußisch-dänischen Krieg von 1866 wieder ein Ende nahm. Zwischen 1934 und 1938 entstand hier schließlich das Mekka der Naherholung. Als Staubecken für die alte Wassermühle wurde der Rantzauer See ausgehoben.
Die Kunst der Stunde
Dem See ist zu verdanken, dass die Schlossinsel wirklich eine solche ist. Auf ihr findet sich das komplett restaurierte Schlossgefängnis. Mit Wasser und Brot wird man hier aber nicht mehr abgespeist. Außer auf Wunsch! An Mittwoch- und Samstagabenden bietet das Galerie-Café ein „Knastessen“ an, bei dem die Gäste Sträflingsanzüge bekommen und strenge Wärter den Ton angeben. Kulturelle Leckerbissen stehen hier ebenfalls immer wieder auf der Tagesordnung. Vom 7. Juli bis zum 19. August wird es im Rahmen der bulgarischen Wochen eine Kunstausstellung und diverse Vorträge geben. Unmittelbar nebenan laden der Rhododendronpark und der Staatsforst Rantzau zur ausgiebigen „NaTour“ ein.
Sommer oder sommer net?
Keine Frage, der Barmstedter Sommer ist ein ganz besonderer. „Klein“ beginnts mit dem 120. Barmstedter Kinderfest am 7. Juli. Dem folgt das Internationale Square-Dance-Festival. In der Zeit vom 18. bis zum 22. Juli schwingen Teilnehmer aus aller Welt das Tanzbein. Direkt im Anschluss daran macht die NDR-Sommertour hier Halt (23. bis 28. Juli). Auf der Bühne sorgen nationale wie internationale Top-Acts durchgehend für Partylaune. Und schließlich wäre da noch der Stoppelmarkt vom 18. bis 20. August, der in einem spektakulären Feuerwerk ausklingt. Ursprünglich als reiner Handelsmarkt ins Leben gerufen, wandelte sich dieser mehr und mehr zu einer echten Kirmes mit vielen Fahrattraktionen.
Apropos Fahrt: Als Anreise-Alternative zum Auto seien an dieser Stelle die liebevoll „Kuddel Barmstedt“ getauften Triebwagen der AKN Eisenbahn AG empfohlen. Die sind schnell und umweltschonend. Doch gleich, wie Sies handhaben – mit und nach Barmstedt fahren Sie immer gut! ath
Weitere Infos: www.barmstedt.de






