Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Hauptschlagadern einer Region
Die Landschaft zwischen Eider, Treene und Sorge
Um eines vorwegzunehmen: Anlass zur Langeweile ist das Einzige, was diese Region nicht zu bieten hat.
Ein, zwei Stündchen Radeln durch Wälder und Wiesen mit Zwischenstopp im NaTourCentrum Lunden, dann ein Abstecher zur Weißstorchenausstellung mit anschließender Stippvisite in einem Café, darauf ein Erfrischungsbad im Fluss mit ausgiebigem Picknick im Grünen, gefolgt von einer Paddeltour bis zur nächsten Ortschaft, und zu guter Letzt eine Nacht im duftenden Heu. So kann er aussehen, ein perfekter Tag in der paradiesischen Flusslandschaft Schleswig-Holsteins!
Düt Land is mien Land
wird sich ein jeder denken, der die ländliche Region im Binnenland des hohen Nordens kennen gelernt hat: Blaue Flüsse und saftiges Grün schmücken eine weitläufige Landschaft mit Mooren und Feuchtwiesen. Die intakte Natur und der reizvolle Wechsel zwischen Wald, Marsch und Geest schaffen eine friedvolle Atmosphäre, gewürzt mit einer Prise, nein, Brise Nordseeluft.
Die Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge, kurz ETS, erstreckt sich von der Halbinsel Eiderstedt im Westen bis zur Vorgeest bei Jübeck im Osten und von den Wäldern bei Pobüll im Norden bis zum Nord-Ostsee-Kanal im Süden. Die drei großen Flüsse bilden dabei mit 140 000 ha das größte Niederungsgebiet des nördlichsten Bundeslandes. Die Eider, längster Fluss der Region – bis 1806 natürliche Grenze zwischen Dänemark und Deutschland, bis heute die zwischen Schleswig und Holstein –, durchquert das Land zwischen den Meeren fast in voller Breite. Die besondere Lage an den Ufern der Flüsse veranlasste 1990 zahlreiche Gemeinden, sich zur „Flusslandschaft ETS“ zusammenzuschließen. Von der gemeinsamen Nutzung und Pflege profitieren nun gleichermaßen Tourismus, Kultur und Natur!
Land schafft Leben – Landschaft leben
Das Landschaftsbild heute ist auf ein halbes Jahrtausend der Urbarmachung zurückzuführen, somit ist das vordergründige Charakteristikum das stets labile Gleichgewicht zwischen Wasser und Land. Der ständige Wechsel zwischen überschwemmten und wieder trockengelegten Landschaftsteilen erschwerte es lange Zeit, das Land zu zähmen. Doch trotz aller Eingriffe des Menschen, um aus der Natur- eine Kulturlandschaft zu machen, ist die Ursprünglichkeit keineswegs verloren gegangen.
Auch in den letzten 20 Jahren befand sich die Region im stetigen Wandel. Allein 10 000 ha sind zu einem Biotop-Verbundsystem zusammengeschlossen. Ferner bilden mittlerweile 12 000 ha eine Vorrangfläche für den Naturschutz und somit eines der letzten Rückzugsgebiete für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. So ist in diesen Wochen ein Besuch bei Familie „Adebar“ angesagt. Ab Mitte Juli beginnen die ersten Flugübungen der Jungstörche, ab Ende Juli können Sie dann bereits Zeuge erster Ausflüge sein. Der Weißstorchbestand ist hierzulande vergleichsweise groß, denn die fruchtbaren Feuchtwiesen bieten eine ausgewogene Nahrungsgrundlage.
Erholung abseits der Touristenströme
Ob Entspannungs- oder Aktivurlaub, die Region ist ein wahrer Naturerlebnisraum, der eine bunte Vielfalt an Reise- und Freizeitbausteinen bereithält. Erkunden Sie das Land per pedes oder Kanu, zu Pferd oder auf dem Drahtesel! Gut ausgeschilderte Fahrradrouten wie der ETS-Weg, ein 240-km-Rundkurs mit Querverbindungen, oder die Kleeblatt-Tour, vier verbundene Varianten zwischen 20 und 75 km, stellen optimale Bedingungen für Familien sowie Langstreckenradler dar. Pferdefreunde genießen sandige Galoppstrecken und hufschonende Graswege mit vielen Übernachtungsmöglichkeiten für Mensch und Tier. Voll auf ihre Kosten kommen aber auch begeisterte Kanuten und Paddler (Boote sind auch vor Ort günstig zu mieten) sowie motorisierte Freizeitkapitäne (16 Sportboothäfen laden zum Ankern und Verweilen ein). Während Sie über das klare Wasser gleiten, passieren Sie idyllische Dörfer, Seerosen, Schleusen, Klappbrücken und so manchen Hobbyfischer, denn die Flusslandschaft ist ein Eldorado für Angler. Hecht und Zander stehen vor allem in der Eider auf der Speisekarte, in der Treene tummeln sich dazu noch Karpfen und Barsche.
Das Naturerlebnis lässt sich hier ideal mit Kultur und Heimatgeschichte kombinieren: In Witzwort befindet sich beispielsweise „Der Rote Haubarg“, die landwirtschaftliche Abteilung des Eiderstedter Heimatmuseums. Das Hollingstedter Schulmuseum wiederum gewährt Einblicke in die Schulzeit unserer Urgroßeltern. Und die Kultur- und Gedenkstätte „Alte Synagoge“ präsentiert Friedrichstadt als Ort vielfältiger Glaubenstraditionen.
Amsterdam des Nordens
Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf nutzte bei der Gründung von Friedrichstadt die Erfahrung niederländischer Wasserbauer und schuf einen von Grachten durchzogenen Bilderbuchort. Nebenbei wurde der auch noch zur neuen Heimat für viele Glaubensflüchtlinge. Obwohl über die Hälfte der Stadthäuser dem schleswig-holsteinischen Befreiungskrieg zum Opfer fielen, ist Friedrichstadt noch heute eines der idyllischsten märchenhaft-romantischen Städtchen Deutschlands. Nach holländischem Vorbild angelegt, fügt es sich wunderbar in die im deutschsprachigen Raum einzigartige und oftmals noch reetgedeckte Bauernhauslandschaft entlang der Flüsse ein. Hier bietet sich sowohl eine Grachtenrundfahrt an als auch die Teilnahme an einer Tretbootrallye oder der alljährlichen Ostfriesenolympiade mit den Disziplinen Gummistiefelweitwurf, Bosseln, Pickfolt und Klootstockspringen
Frischluft macht Appetit!
Hier noch ein paar kulinarische Tipps, die man sich buchstäblich zu Gemüte führen sollte: das Bärlauchblütenfest in Schwabenstedt, die Zandertage, die Dithmarscher Kohltage und Nordfriesischen Lammtage. Landestypische Spezialitäten wie Katenrauchschinken, Bauernbrot und „Fährmann – Hol över“, der berühmt-berüchtigte ETS-Schnaps, vervollkommnen den Aufenthalt zu einer runden Sache für Leib und Seele. Jedem Anspruch gerecht wird die Vielfalt der Unterkunft: Ob Ferienhaus, Pension, Hotel, Campingplatz, Heuherberge oder Urlaub auf dem Bauernhof – hierzulande wird Gastfreundschaft noch wörtlich genommen!
Hier finden Sie Kontakt
Lust auf Natur, Kultur, Land und Leute?
Dann folgen Sie diesem Wegweiser ins norddeutsche Paradies:
Schleswig-Holstein
Binnenland Tourismus
Stapelholmer Weg 13
24963 Tarp
Telefon: (0 46 38) 2 10 88 80
www.schleswig-holstein-binnenland.de
www.eider-treene-sorge.de
Literaturtipps:
Eider-Treene-Sorge-Weg
ISBN 3-87073-262-8
Kanuwandern in Schleswig-Holstein und Hamburg
ISBN 3-925660-21-6
tide









