Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Harni kanikuly!
... in der Ukraine am Schwarzen Meer!
Ukraine, Russland, Georgien, Türkei, Bulgarien, Rumänien – so lauten die Anrainerstaaten des Schwarzen Meeres im Uhrzeigersinn. Lassen wir hier und jetzt Erstgenanntem den Vortritt, sich als Urlaubsparadies am Binnenmeer vorzustellen.
Das Meer mit dem wenig anheimelnden Namen ist ein Binnenmeer und liegt zwischen Osteuropa und Vorderasien, mit dem es über den Bosporus und die Dardanellen verbunden ist. Es befindet sich somit auf der innereurasischen Grenze zwischen dem asiatischen Kaukasus und Südosteuropa.
Sauerstoff? Mangelware.
Vorab eine Erklärung zur Namen gebenden Farbe: Die Schwarzfärbung des Wassers und des Sediments geht auf Sulfat reduzierende Bakterien zurück, die durch ihre chemische Aktivität Schwefelwasserstoff und in Zusammenwirkung mit Eisen-Ionen Eisensulfide bilden.
Da das salzarme Oberflächenwasser wie ein Deckel auf dem salzhaltigeren Tiefenwasser liegt und somit kein Sauerstoff aus der Luft aufgenommen wird, sind weite Bereiche anoxisch (also kein Lebensraum für Organismen, deren Stoffwechsel auf Sauerstoff basiert).
Am Meeresboden sammeln sich nicht abgebaute Fäulnisreste. Manche Geologen vermuten, dass die Vorgänge jenen gleichen, die vor Urzeiten zur Entstehung von Erdöl abliefen. Ruht hier womöglich künftiges »Schwarzes Gold«? Wer weiß? Aber nun gehen wir erst einmal an Land …
Laskawo prosymo!
Herzlich willkommen im »Land am Rande«, so die wörtliche Übersetzung der »Ukraine«. Und tatsächlich: Ehe die »Orangene Revolution« im November 2004 den Staat ins Bewusstsein der westlichen Welt katapultierte, fristete die Ukraine ein wenig beachtetes Dasein. Längst ist die Aufbruchstimmung jener Tage, die mit ihren friedlichen Protesten Geschichte geschrieben haben, einem Gefühl der Ernüchterung gewichen, da sich auch hier gezeigt hat, dass die Ziele und Versprechungen einer siegreichen politischen Opposition sehr schnell im Sumpf der Realpolitik untergehen. Aber das ändert nichts an der Faszination, die das flächenmäßig zweitgrößte Land Europas auf seine Besucher ausübt.
Apropos Sumpf: Im niedrigeren, »versumpften« Nordteil des Schwarzen Meers liegen mehrere Inseln, zum Beispiel die ukrainische Halbinsel Krim, die das Schwarze vom Asowschen Meer trennt. Ihre Geschichte ist mehr als bewegt, stand sie doch nacheinander unter kimmerischer, taurischer, skythischer, griechischer, römischer, gotischer und irgendwann schließlich osmanischer Herrschaft. Dieses Fleckchen Erde gehörte »jedem und niemandem« und ist im Grunde bis heute ein Zankapfel zwischen Russland und der Ukraine.
Die autonome Republik zeigt sich im Norden flach bis sanftwellig, im Süden sehr gebirgig und an der Südküste herrscht mediterranes Klima. Hier gedeihen Südfrüchte und Weinstöcke. Und wer hat noch nicht vom edlen Krimsekt gehört?!
Feudal – einst und jetzt
Die Krim lebt hauptsächlich von Landwirtschaft und Tourismus. Im 19. Jahrhundert ließen sich die Zarenfamilie und der russische Hochadel an der Küste ihre Sommerresidenzen errichten. Bald zog es bedeutende Künstler und Schriftsteller in diese Urlaubsregion. Anton Tschechov zum Beispiel wählte das wohltuende Klima aus gesundheitlichen Gründen.
Zu Sowjetzeiten übernahm die Insel schließlich die Funktion eines »Allunions-Sanatoriums« mit bis zu zehn Millionen Saisongästen. Heute haben ebenso westeuropäische Touristen die Region für sich entdeckt. Auch für Sie ist noch ein Platz frei in der längsten (und langsamsten) Trolleybuslinie der Welt. Sie führt über das Krimgebirge und startet in Jalta. Aber vor der Abfahrt sollten Sie sich Zeit nehmen für einen Spaziergang auf Jaltas zauberhafter Uferpromenade. Edle Hotels, Kasinos, Restaurants und Geschäfte – man kann sich gar nicht sattsehen! Nicht weit entfernt sind auch der Botanische Garten, der zweifellos zu den imposantesten Europas gehört, und der Liwadija-Palast, wo einst Stalin, Roosevelt und Churchill zusammen an einem Tisch saßen und Geschichte schrieben.
Tschudowo!
»Wunderbar« ist auch das Festland! Einmal wöchentlich verkehrt der Katamaran »Krimskaja Strela« von Jalta über Sewastopol nach Odessa, der wichtigsten ukrainischen Hafenstadt am Schwarzen Meer. Gegründet von einer Deutschen (Katharina die Große), geplant von einem Holländer (Franz de Volan), gebaut unter Leitung eines Spaniers (de Ribas) und regiert von einem Franzosen (Richelieu) als ihrem ersten Bürgermeister. Die Geschichte der Stadt ist geprägt von vielen Völkern und Konfessionen. Noch Anfang des 19. Jahrhunderts herrschte ein buntes Sprachengemisch. Im Notfall benutzte man Hände und Füße zur Verständigung. Deshalb, so eine Odessaer Anekdote, sind die Bürgersteige bis zu acht Meter breit. Wenn sich zwei Paare begegneten, sollten sie genug Platz für ihre Begrüßung haben.
Die berühmte Weltoffenheit Odessas resultiert aus jenem bunten Kulturengemisch und aus der geografischen Lage als Nahtstelle zwischen Orient und Okzident. Schon Aleksandr Pushkin, der wohl berühmteste russische Dichter, lobte in seiner Erzählung »Eugen Onegin« die Freiheit und Ungezwungenheit der Stadt.
Wahrzeichen von Odessa ist die Potemkinsche Treppe von der Altstadt zum Hafen. Aus odessitisch-humoristischem Blickwinkel gleicht die Differenz der gezählten Stufen und der tatsächlichen Menge der Anzahl der jeweils begangenen Sünden! Sie haben 192 gezählt? Dann ist ja alles in Ordnung … Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf den Hafen und seinen Leuchtturm. Etliche weitere Sehenswürdigkeiten sind nur kurze Fußwege entfernt, wie das beeindruckende Opernhaus, die schillernde Flaniermeile Deribasowskaja, der Woronzow-Palast mit seinem Säulengang nahe dem Steilhang zum Hafen oder zahlreiche Museen und Galerien.
Dreimal wöchentlich fährt ein Schlafwagen zwischen Odessa und Berlin. Also, steigen Sie ein und fahren Sie durch bis ans Schwarze Meer!
»Obowjazkowo pryjdu!« Ich komme bestimmt!tide





