Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Haarsträubende Geschichten
Täglich liegen sie uns auf der Zunge: Redensarten für alle Lebenslagen. Doch wissen wir immer so genau, was wir da gerade sagen?
Haare kann man »anderen vom Kopf fressen« oder sich »zu Berge stehen« lassen. Man kann aber auch etwas daran »herbeiziehen«; Probleme etwa – oder das Glück!
Warum packen wir günstige Gelegenheiten ausgerechnet »beim Schopfe«? Am Götterhimmel der alten Griechen verkörperte ein gewisser Kairos die Gunst der Stunde, die es umgehend zu ergreifen galt. Doch das war gar nicht so einfach, denn Kairos sauste nicht nur auf geflügelten Füßen blitzschnell vorbei, er hatte auch eine tückische Frisur: Vorn vor der Stirn hing ihm zwar eine lange Locke, an der der richtige Augenblick gut festzuhalten war – doch sein Hinterkopf war völlig kahl. Wer die Glückslocke also auch nur »um Haaresbreite« verfehlte, für den war »der Bart ab«.
Des Kaisers oder der Ziege Bart?
Freunde der »Haarspalterei« versäumen gute Gelegenheiten oft deshalb, weil sie ausgiebig »um des Kaisers Bart streiten«, ihre Zeit also mit müßigen Diskussionen vergeuden. Ein ideales Thema dafür ist die Frage nach dem Ursprung dieser Redewendung selbst.
Die einen führen sie auf wissenschaftliche Debatten darüber zurück, ob deutsche Kaiser wie Barbarossa auch wirklich Bartträger waren. Andererseits aber spottete schon der römische Dichter Horaz über Schlauköpfe, »die sich um die Ziegenwolle streiten«. Nämlich darüber, ob man Ziegenhaar eigentlich auch – wie das der Schafe – als Wolle bezeichnen könne. In deutschen Munden soll daraus dann zunächst ein Streit um den »Geißhaar«-Bart geworden sein, der schließlich zu dem des Kaisers vernuschelte.
Unbeschreiblich unweiblich
Nicht nur der Bart, sondern auch die Kopf- und die Körperbehaarung galt früher als Ausdruck der puren Manneskraft. Um das noch zu steigern, sagte man von den Tapfersten, sie hätten sogar »Haare auf der Zunge« gehabt.
»Haare auf den Zähnen« dagegen bescheinigt man meist eher Frauen, die sich derart resolut und bissig durchsetzen, dass es ihnen komplett am femininen Charme gebricht. Doch darüber braucht Frau sich heute »keine grauen Haare wachsen zu lassen«. Sie darf ruhig energisch sein. Derlei Rollenbilder sind schließlich nur »alte Zöpfe«, und die sind doch längst abgeschnitten. Oder?
mimu





