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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Glanz des alten Zarenreiches

Moskau - Tradition und Innovation in der russischen Millionenmetropole.

Als die deutsche Rockband Scorpions 1989 beim Friedensmusikfestival in Moskau vor über 250 000 Menschen auftrat, zeigte sich Leadsänger Klaus Meine von der Atmosphäre und Aufbruchstimmung in der russischen Metropole derart beflügelt, dass er sich zu seiner Hymne „Wind of change“ inspirieren ließ.

Dieser Song bot damals vielen Menschen eine leicht verständliche Darstellung der eigentlich mit einem einzigen Lied kaum zu fassenden komplexen gesellschaftlichen Umbrüche, die der Schrei nach Freiheit eingeleitet hatte. Noch immer, auch zwanzig Jahre nach dem Zusammenbruch des „alten Systems“, gehen von Moskau wichtige Veränderungen aus.

Der Großraum Moskau ist mit nahezu fünfzehn Millionen Einwohnern die größte Metropolregion Europas und inzwischen ein beliebtes Reiseziel. Die russische Hauptstadt ist reich an Attraktionen und bietet dem Besucher eine ungewöhnlich große Zahl von Anziehungspunkten. Kirchen, Parks, Museen, Galerien, Paläste, Festungsanlagen, die kunstvoll angelegte Untergrundbahn und unzählige Monumente befriedigen die unterschiedlichsten Geschmäcker. Und nirgendwo in Russland sind die Unterschiede zwischen Tradition und Innovation so offensichtlich wie in der riesigen Industriestadt, dem wichtigsten Knotenpunkt Osteuropas.

Roter Platz und Kreml

Moskau verbinden wir unweigerlich mit Bildern vom Roten Platz und dem Kreml. Seit dem 14. Jahrhundert residierten die Zaren in der Festung über dem Fluss Moskwa. Der Kreml verlieh der Macht, dem Ruhm und dem Reichtum des Zarenreiches zusätzlichen Glanz. Der Rote Platz war immer schon Mittelpunkt der Stadt und ist eine wichtige Station auf jeder Sightseeingtour. Er befindet sich mit einer Breite von 150 Metern und einer Länge von einem halben Kilometer in zentraler Lage der Altstadt und beherbergt Sehenswürdigkeiten wie das Lenin-Mausoleum und den Erlöserturm des Kremls. Hier stehen großartige Kirchen als Zeugen der schillernden Vergangenheit wie zum Beispiel die Basilius-Kathedrale.

Schon Ivan der Schreckliche ließ hier prunkvolle Bauten errichten. Die ursprünglich unwirtliche Fläche war bis zum Ende des 15. Jahrhunderts allerdings eher Bettlern, Hausierern und fahrenden Geschäftemachern vorbehalten und galt als Handelsplatz. Später war der Rote Platz – der korrekt übersetzt eigentlich auch der Schöne Platz heißen könnte – Zeuge von Militärparaden, Hinrichtungen von Staatsfeinden und wichtigen öffentlichen Bekanntmachungen. Heute ist der Rote Platz ein beliebter Ort für Großveranstaltungen wie Konzerte. Darüber hinaus können sich die Besucher an Nobelhotels, exquisiten Cafés und mondänen Geschäften erfreuen.

Kapitalismus und Tradition
In Moskau stehen die sowjetische Vergangenheit und die kapitalistische Zukunft Seite an Seite. Ein gutes Beispiel dafür bietet das Lenin-Mausoleum, das heute dem edlen Warenhaus GUM gegenüber steht – ein imposanter Bau, der sich hinter den weltbekannten Einkaufszentren wie Macy’s in New York oder Harrod’s in London kaum mehr zu verstecken braucht. Es wird deutlich, dass der Schritt in die Zukunft – geht es nach den Stadtvätern – durch die Bemühungen, die reiche Vergangenheit mit ihren Traditionen zu bewahren, geprägt sein soll. Alte Kirchen wurden restauriert und für Gottesdienste wiedereröffnet, innovative Theater drängen zurück in die Führungspositionen des kulturellen Lebens und traditionsreiche Märkte generieren ein immer größeres Publikum.

Eindrucksvolles Moskau
Neben den eindrucksvollen Anlagen auf dem Roten Platz besticht Moskau durch viele weitere Sehenswürdigkeiten. Zu nennen wäre natürlich auch das prachtvolle Bolschoi-Theater, das für seine klassischen Ballettaufführungen bekannt ist. Das Andrej-Rubljow-Museum, das in seinen weiträumigen Klosteranlagen Kunstwerke des bekannten Ikonenmalers beherbergt, die Tretjakow-Galerie mit 500 000 wertvollen russischen Ausstellungsstücken oder auch das atmosphärisch imposante Tolstoj-Haus mit seiner prächtig erhaltenen Originaleinrichtung bieten faszinierende Einblicke in die russische Kultur.

Wer sich gern einen Überblick über die Stadt verschafft, der besteigt die über 80 Meter hohe Aussichtsplattform auf den Sperlingsbergen, einem Parkgelände, das sich von der Universität bis zum Ufer der Moskwa erstreckt und als Naherholungsgebiet beliebt ist. Zahlreiche Literaten ließen sich von diesem Ausblick inspirieren.

Moskau für Aktive
Neben den unzähligen kulturellen Aktivitäten, denen man sich in der russischen Hauptstadt widmen kann, spielt natürlich auch der Sport eine große Rolle. Die zahlreichen Parks laden ein zum Jogging in idyllischer Natur. Und wer Moskau in der kalten Jahreszeit besucht, der kann sich auf das aktive Wintervergnügen auf dem Eis freuen: das allseits beliebte Schlittschuhlaufen.

Traditionsreich, aber wohl nur den hartgesottensten Moskaubesuchern zu empfehlen, ist das Eisschwimmen. Diese Extremsportart erfreut sich in Russland immer größerer Beliebtheit. Im nahe gelegenen Serebryany Bor kann der „Furchtlose“ zwischen Treibeisschollen das nasse Element genießen. Wer zwischen seinen ausgedehnten kulturellen Aktivitäten allerdings eher auf wärmere Erholung setzt, der kann es sich während eines Dampfbades, zu dem Sauna, Massagen und hin und wieder sogar Schläge mit dünnen Birkenzweigen gehören, gemütlich machen.

nawe

Fotos: Shutterstock (3)